Corona-Schutzmaßnahmen

Erhoffter Andrang bleibt aus: So lief das das erste Gastrowochenende in der Region nach der Wiederöffnung

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Mehr Gäste für Plätze im Freien – Die Wirte in der Region freuen sich über vorhandene Außenbestuhlung. Dort nämlich, können die Tische und Stühle für die Gäste leichter auseinandergerückt werden.

Es war nicht der erhoffte Andrang in den Gaststätten unserer Region. Trotz guten äußeren Bedingungen und der von vielen Menschen herbeigesehnten Kneipen- und Restaurantöffnungen waren die Gastronomen bei den von uns besuchten Einrichtungen nicht wirklich glücklich über die Besucherzahlen.

Gute Laune in der Parkwirtschaft in Wilhelmsbad – Wirt Gianni Zebi grüßt mit Handschuhen in die Kamera. Auch er hat für den nötigen Mindestabstand der Tische gesorgt.

Beinahe überall herrschte Tristesse – aber auch Hoffnung. Wirklich zufrieden war alleine Gianni Zebi, Chef der Kleinen Parkwirtschaft in Wilhelmsbad. „Meine Gäste haben mich die ganze Zeit getragen, auch den von uns angebotenen Abholservice gut genutzt und dafür bin ich auch sehr dankbar“. So war es nicht verwunderlich, dass am Samstag, an dem der Gastronom seinen Geburtstag feierte, die Außen- wie auch die Innengastronomie recht gut gefüllt waren – natürlich im Rahmen der einzuhaltenden Verordnungen. Überall waren Desinfektionsspender, die Kellner waren mit Schutzmasken ausgestattet, die Gästezettel zum erfassen der Personendaten waren ausgelegt und natürlich wurde auf den gebührenden Abstand geachtet. 

Im Al Camino in Kesselstadt hatte Mulham Al Hatim ebenfalls die erforderlichen Abstandsmessungen vorgenommen: Im Innenbereich können nun maximal zehn Personen leckere italienische Gerichte genießen, im Außenbereich gibt es Plätze für acht Leute. Al Hatem hatte die Gäste in zwei Schichten geladen, zwischen 17 und 20 Uhr sowie zischen 20 und 23 Uhr. Dennoch fanden nur wenige Gäste den Weg ins Al Camino.„Hinzu kommt noch, dass die Bundesliga wieder angefangen hat, da haben wir erwartungsgemäß immer weniger Gäste“, so der junge Gastronom, der sich in Kesselstadt noch etablieren muss. Die Speisekarte stand zum einscannen auf den Tischen, die Hygieneverordnungen wurden alle perfekt eingehalten und auch hier trugen die Beschäftigten in Küche und Kellnerbereich Maske. „Mehr können wir nicht machen, wir hoffen auf die nächste Lockerung“. Ansonsten sähe es „düster aus“, so Al Hatem. 

Bestellservice bei Anas Kitchen Bar&Cafe wird gut angenommen

Katarina Kanstantinidu von Anas Kitchen Bar&Cafe in der Honeywellstraße in Maintal-Dörnigheim sieht es ähnlich. „Wir haben alle vorzunehmenden Sicherheitsmaßnahmen eingehalten. Normalerweise können wir drinnen und draußen je 100 Menschen auf einmal bedienen.“ Jetzt hat sie innen Platz für 40 Gäste und im Außenbereich ebenso. Laut Verordnung muss man, wenn man den Gastraum betritt, den Mundschutz anhaben, wenn man dann auf seinem Platz sitzt, kann man selbigen abnehmen. Das sorgte nicht nur bei den Gästen für heftiges Kopfschütteln. Auch in Anas Kitchen war es sehr ruhig. 

Im Doggy-Bag das Essen mitnehmen – Funktioniert im Anas Kitchen Bar&Cafe in Maintal gut.

Der Bestellservice indes wird angenommen. Aber es sei einfach nicht dasselbe, so die Gastronomin. Die Atmosphäre sei rein äußerlich schön, aber der Virus sei allgegenwärtig. Kanstantinidu hat das Restaurant nun seit einem Jahr und muss um ihre Existenz kämpfen. „Es waren weit weniger Gäste als erhofft, aber ich bin festen Glaubens, dass bald alles wieder besser wird.“ Kanstantinidu zieht Vergleiche mit Großstädten: „Meine Freundin hat ein Restaurant in Frankfurt. Die sagte mir, dass am Wochenende auf dem Opernplatz die Hölle los war. Bei uns in den entlegeneren Ortschaften hingegen gehen die Menschen nicht wie gewohnt aus.“ 

Kein Lieferservice im Hessenschmaus

Tristesse auch im Hessenschmaus in Nidderau- Windecken. Hier hat Durna Fidan ebenfalls ihr erstes Jahr hinter sich und die Corona Maßnahmen machen ihr sehr zu schaffen. „Auf der einen Seite war es schön, wieder öffnen zu können, auf der anderen Seite waren die Besucherzahlen eine Katastrophe. Am Freitag fanden sich ganze 18 Gäste und am Samstag derer 25 im Hessenschmaus. „Dabei hat sie im Biergarten Platz für 36 Gäste (normal 100) und im Gastraum für 20. 

Sie bietet keinen Lieferservice an „Das können wir uns nicht leisten, denn da müsste ich weiteres Personal einstellen und das kann ich nicht“. Hilfe bekam sie von der Stadt Nidderau, die auch die Eignerin der Location ist. „Für die letzten beiden Monate hat mir Bürgermeister Schultheiß keine Miete abgenommen, dafür bin ich sehr, sehr dankbar. Aber wenn das mit der Besucherzahl so weiter geht, ist in drei Wochen wieder geschlossen“ mutmaßt sie.

„Krone“ kann die Gäste auf mehrere Gasträume verteilen

Alteingesessen und überregional bekannt ist die „Krone“ in Ronneburg-Hüttengesäß. Reiner Erdt hat sich auf regionale Spezialitäten ausgerichtet und ist eigentlich fest etabliert in der gastronomischen Landschaft. Für ihn war es am Wochenende auch „zu ruhig“. „Ich habe natürlich meinen Abholservice und zu älteren Gästen bringen wir auch unsere Speisen nach Hause, aber im Lokal selbst war es definitiv zu ruhig“, so Erdt. „Vielleicht befinden wir uns ja in den Gewöhnungswochen“, mutmaßt der Fleischermeister und Küchenchef. All seine Tische werden nach Benutzung desinfiziert, ebenso die Karten, die momentan eine kleinere Auswahl beinhalten. „Überall haben wir Spender aufgestellt und auf die Abstandsregelung geachtet“, erzählt er. 

Sein Glück: Er hat mehrere Gasträume und kann die Gäste so auch besser verteilen. „Auf dem Land ist es noch viel schwieriger, die Menschen in die Gasthäuser zu locken. Aber wir sind guter Dinge, dass die Lage sich in den kommenden zwei Wochen entspannt und eine neue Regelung gefunden wird“, so Erdt. Jeder habe noch ein wenig Angst hier, aber das werde sich sicherlich bald legen, glaubt er. Kommende Woche beginnt die Pfifferlingzeit und der umtriebige Gastronom hat sich schon leckere Gerichte ausgedacht. Alleine: „Wenn die Gäste ausbleiben nutzen uns die besten Kochideen nichts“, weiß er. 

Im Dragonerbau werden zurzeit um die 30 Gäste bewirtet - statt 80

Ein Cappuccino an der frischen Luft – Auch der Selbolder Dragonerbau hat wieder geöffnet.

Jochen Gerber vom Dragonerbau in Langenselbold hat gemischte Gefühle: Auf der einen Seite freut er sich, dass die Gastronomie wieder so langsam ins Laufen kommt, auf der anderen Seite ärgert er sich über die unterschiedlichen Handhabungen: „Wir hier in Hessen haben die wohl striktesten Maßnahmen. Fünf Quadratmeter pro Gast, zehn Quadratmeter Lauffläche für den Gast. Überall sind die Maßnahmen um einiges lockerer als hier. In der Küche muss man die Masken aufsetzen, das ist nur sehr, sehr schwer umsetzbar“, sagt er und gibt damit seine Erfahrungen des Wochenendes wieder. Zwar sei sein Lokal doch recht gut gefüllt gewesen an den ersten beiden Tagen, doch bei 150 Quadratmetern Fläche hätte er gut und gerne 80 Menschen bedienen können. So sind es nur 30. „Wir haben hier eine Gesellschaft drin und da sind 40 Menschen untergebracht. Im Höchstfall kann man hier 80 Leute sitzend unterbringen“, sagt er. 

Das bringt ihm natürlich erstmal ein bisschen Luft. Auch die Hotellerie ziehe wieder an. Derzeit sei er ausgebucht. Viele Verordnungen sind für ihn nicht nachvollziehbar: Wieso durften Modegeschäfte nicht öffnen, in Discountern aber haben die Menschen eng an den Wühltischen gestanden. „Wo war da das Einbahnstraßen System? Wir in der Gastronomie müssen die Gehwege absperren. In den Gasträumen müssen Meldezettel ausgefüllt werden, im Freien nicht“. Das entbehre jeder Logik, so der junge Mann, der den Dragonerbau im Januar des vergangenen Jahres übernommen hat. „So oder so – wir werden es wohl noch eine Weile aussitzen müssen. Wir haben große Verluste eingefahren durch entgangene Feierlichkeiten wie Hochzeiten, Firmenfeiern oder Geburtstage. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt“, so Gerber.

Quelle: Hanauer Anzeiger

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