Die Initiative „Erlensee fährt Rad“ will die kurzen Wege im Ort für Radfahrer attraktiver machen

Bessere Bedingungen für Radler sind das Ziel

Radweg endet plötzlich: Dieter Nentwig (links) und Werner Scherer von der Initiative „Erlensee fährt Rad“ an der Einfahrt Auf der Beune.
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Der Radweg vom Fliegerhorst kommend endet plötzlich: Dieter Nentwig (links) und Werner Scherer von der Initiative „Erlensee fährt Rad“ an der Ausfahrt Auf der Beune am Kreisel zum Fliegerhorst.

Die erst junge Initiative „Erlensee fährt Rad“ hat kürzlich durch ihre Aktion vor der Erlenhalle von sich Reden gemacht. Mit einer „Mini-Demo“ hatten sie vor knapp einer Woche im Vorfeld der Stadtverordnetenversammlung für mehr Engagement der Stadt in Sachen Radverkehr geworben.

Erlensee – Doch wer steckt hinter der Initiative, die auf ihrer Homepage schreibt, dass sie das Fahrradfahren in Erlensee fördern und sich für die Belange von Radfahrer in Erlensee einsetzen will?

Wir treffen Werner Scherer und Dieter Nentwig, die zwei Sprecher der Initiative, auf dem Gehweg zwischen dem Supermarkt und dem Toom-Baumarkt. Sie zeigen den Radweg vom Fliegerhorst kommend, der plötzlich auf der Straße endet. Leider ein häufig anzutreffendes Problem, wie sie sagen.

Initiative ist überparteilich

Im vergangenen Herbst beschließt Werner Scherer, dass er diese Probleme angehen und sich für den Radverkehr in seinem Heimatort engagieren will. „Es war mir schon länger ein Dorn im Auge, wie sich der Radverkehr entwickelt und dass er nicht so gut gefördert wird.“ In Dieter Nentwig findet er schnell einen Mitstreiter. Der 74-Jährige ist seit 30 Jahren Jahren für die Grünen in der Kommunalpolitik aktiv. Scherer betont jedoch: „Die Initiative ist unabhängig von Parteien, uns geht es überparteilich um die Belange von Radfahrern und Radfahrerinnen.“

Schnell hätten sich gut ein Dutzend Interessierte zusammengefunden, berichtet Scherer. Per Videoschaltung fand ein erstes Treffen statt, Corona-konform bei Frühlingswetter neulich auch ein Präsenztreffen.

Eine Homepage ist online (www.rad-erlensee.de), die von Scherer gestaltet und betreut wird. Der Diplom-Ingenieur im Vorruhestand fährt im Alltag viel mit den Fahrrad. Bei jeder Fahrt, die er machen muss, überlegt er, warum er diese nicht mit dem Fahrrad erledigen kann. „Alle Strecken bis zu einer Entfernung wie nach Hanau sind ohne Zeitverlust prima per Rad zu erledigen“, sagt der 60-Jährige, „und wenn ich wieder zurück komme, dann fühle ich mich gut“. So fährt er regelmäßig mit seinem Sohn zum Hanauer Markt.

Vorbild für Kinder und Jugendliche

Nentwig hat schon halb Europa mit dem Rad durchquert, ist zweimal sogar zum Atlantik geradelt. „Es geht in Erlensee um eine bessere Lebensqualität nicht nur für Radfahrer, sondern auch für Fußgänger“, sagt er. Dazu sei es wichtig, sichere Kreuzungen für alle Verkehrsteilnehmer anzubieten. Aber die Initiative will auch Vorbild sein. „Wir wollen Jugendlichen und jungen Menschen zeigen, dass es neben dem Auto auch noch eine andere Mobilität gibt“, sagt Scherer. Für den Schulweg oder Wege im Ort bedeute Radfahren für Jugendliche schließlich auch Selbständigkeit und Unabhängigkeit.

Die Initiative möchte der Stadt vor allem den vor acht Jahren von ihr selbst erstellten Rahmenverkehrsplan wieder in Erinnerung rufen. Dort seien 14 neuralgische Punkte festgestellt worden, von denen die Planer damals bei sechs zu einer Behebung geraten hatten, um gefährliche Situationen zu vermeiden. Die Stadtverordnetenversammlung hatte bei ihrer jüngsten Sitzung beschlossen, über mögliche Anträge auf Bundes- und Landesfördergelder in der kommenden Sitzung des Bau- und Umweltausschusses zu beraten. Dann könnten im besten Fall auch von der Politik benannte Projekte für besseren Radverkehr verwirklicht oder eben neuralgische Punkte entschärft werden, meint die Initiative. Auch sollte in Zukunft bei Straßenbauprojekten der Radverkehr gleich mitgedacht werden, so Scherer.

Als nächstes will die Initiative die Erlenseer Geschäftswelt sowie Ärzte und weitere Institutionen mit ins Boot holen. Denn schon das Aufstellen von Fahrradständern könne das Radfahren im Ort attraktiver machen. Auch die Sportvereine will die Initiative ansprechen. „Verbesserungen gehen nur gemeinsam“, betont Scherer. Und sobald es Corona erlaube, soll eine Stadtrundfahrt für Radler angeboten werden.

(Von Monica Bielesch)

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