Fotos eröffnen neue Blickwinkel

Erlenseer Kunstraum meldet sich mit der Vernissage „InstantKram“ eindrucksvoll zurück

Außergewöhnliche Situationen spielen bei der Fotoauswahl von Sabine Pabst eine wichtige Rolle.
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Außergewöhnliche Situationen spielen bei der Fotoauswahl von Sabine Pabst eine wichtige Rolle.

Die große Freude war allenthalben zu spüren, die Künstlerinnen und Gäste ausstrahlten. Nach langer Pause feiert der Kunstraum in der Friedrich-Ebert-Straße die Wiedereröffnung. Für Samstag hatten die Kunsträumerinnen Sabine Pabst, Corinna Redlin, Rosemarie Lewandrowski und Miroslava Seidel zur Vernissage der Ausstellung „InstantKram“ eingeladen.

Erlensee - Mit dieser Ausstellung haben die vier Malerinnen Neuland betreten, denn sie haben erstmals Fotos künstlerisch bearbeitet und verfremdet.

Die Idee, aus der Fülle an privaten Schnappschüssen besondere Momente und Motive auszuwählen, hatte Miroslava Seidel angeregt. Fast alle Fotos sind tatsächlich mit dem Handy entstanden, nur wenige mit der Kamera. In Anlehnung an das Instagram-Format entschied man sich für ein Format von 40x40 Zentimeter. Das war auch die einzige Vorgabe, die sich die Künstlerinnen machten.

Die vier Frauen, die normalerweise „mit dem Pinsel unterwegs sind“, so Sabine Pabst in ihrer Begrüßung, haben also ihre Motive vergrößert und verfremdet. Herausgekommen ist eine eindrucksvolle Sammlung kleiner Schätze, die zu betrachten einfach große Freude bereitet und zum kreativ werden ermuntert. Dass auch die Künstlerinnen mit sehr viel Spaß zu Werke gingen, sieht man der Ausstellung ebenfalls an.

Ihre Urlaubsfotos von markanten Gebäuden hat Corinna Redlin auf interessante Weise verfremdet.

Corinna Redlin hat unter anderem Urlaubsfotos verfremdet. Vier Bilder eines Motivs hat sie zu einer Serie zusammengestellt. Motive wie Leuchtturm, große Tore oder Gebäude werden aus verschiedenen Perspektiven gezeigt. Die Bilder zeigen das große Ganze bis hin zu besonderen Details und eröffnen mit diesem Wechsel neue Blickwinkel.

Sabine Pabst hat bei ihrer Auswahl den Fokus auf außergewöhnliche Situationen gelegt. Ein einsames Tor mitten im Wald, ein Hund, der es sich unter einer Wolfsskulptur gemütlich macht. Auch Urlaubsfotos aus Binz auf Rügen sind von ihr zu sehen, denn Pabst konnte sich dort für die Herstellung der riesigen Sandskulpturen begeistern.

Vor allem junge osteuropäische Künstler würden dort lebensecht und zum Teil überlebensgroß Skulpturen in den Sand meißeln, den sie vorher mühevoll zu Blöcken aufgeschichtet haben.

Natur und Garten nehmen einen großen Raum bei den Fotos von Rosemarie Lewandrowski ein.

Rosemarie Lewandrowski hat in ihrem Archiv vor allem Motive aus Natur und Garten wiederentdeckt: Fotos aus der nahen Umgebung und von Urlaubsreisen. Florale Elemente hat sie verfremdet, die heulenden Wölfe aus der Fasanerie sind total verfremdet oder auch die eigene Katze. Auch Lewandrowski hat sich zum ersten Mal auf diese Weise gearbeitet. Initiatorin Miroslava Seidel war bei der Vernissage leider verhindert. Ihre leuchtenden Bilder leben vom Ineinanderschieben verschiedener Ebenen. Seidel verfremdet ihre Fotos, indem sie häufig die Mikro- und Makroperspektive überlagert.

In ihrer kurzen Begrüßung zeigten sich Pabst und Lewandrowski sehr glücklich über die Wiedereröffnung des Kunstraumes mit dieser besonderen Ausstellung. Dennoch – bei aller Freude – gedachte man in einer Schweigeminute der Opfer der „fast apokalyptischen Hochwasserkatastrophe“. Ein Foto, so Pabst, ihr Hund im Schnee, aufgenommen im Dezember 2019, sei für sie verknüpft mit Meldungen aus Wuhan. Viel Zeit sei inzwischen vergangen, in der wenig im Kunstraum passiert sei. „Die Pandemie hat uns richtig ausgebremst“, stellte sie fest.

Dennoch blicken die vier Künstlerinnen wieder optimistisch in die Zukunft. Bis Ende August soll der Kunst-raum freitags und samstags stundenweise geöffnet sein. Fest eingeplant ist eine Veranstaltung am 6. November mit Gudrun Radtke, die den Faden der Märchenabende im Kunstraum wieder aufnehmen will. Vorgesehen sind zudem eine Autorenlesung und eine Gastausstellung im Oktober und November. Zu diesem Zeitpunkt könnten auch die Malkurse von Rosemarie Lewandrowski wieder stattfinden.

Unterstützung durch die Kunsträumerinnen findet zurzeit die Katzenburg in Erlensee. Die tierheimähnliche Einrichtung hat eine kranke Katzenmutter aufgenommen, deren Operation sehr viel Geld kosten wird. Kunst-raum verkauft zwei Bilder zugunsten der Katzenburg. (Von Ulrike Pongratz)

Öffnungszeiten

Zu sehen ist die Ausstellung „InstantKram während der Öffnungszeiten des Kunstraums Erlensee, Friedrich-Ebert-Straße 7, immer freitags von 17 bis 19 Uhr und samstags von 11 bis 13 Uhr.

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