Erlensee/Neuberg

Fusion Erlensee/Neuberg: So war die Stimmung in den Wahllokalen

Entspannte Stimmung im Brummkreisel, wo die Neuberger Wahlhelfer, darunter auch der Grünen-Politiker Christoph Esch (ganz rechts), die Wahlzettel entgegen nahmen. Foto: Rainer Habermann

Erlensee/Neuberg. „Fusion ja oder nein?“ So lautete die einzige Frage. Und die Antwort, die die Neuberger und Erlensee gestern gegeben haben, hätte eindeutiger kaum sein können. In beiden Kommunen wurde ein Zusammenschluss abgelehnt ‧ in Neuberg von nahezu 80 Prozent der Wähler, in Erlensee immerhin von 60 Prozent.

Von Rainer Habermann

Unser Reporter hatte sich bereits am Nachmittag aufgemacht nach Neuberg und Erlensee, um ein wenig die Stimmung einzufangen bei den ehrenamtlichen Wahlhelfern, welche ihren freien Sonntag in den Kitas, Rathäusern und Seniorenwohlanlagen zubrachten, um Wahllisten zu kontrollieren, Personalausweise zu checken, später die Stimmzettel auszuzählen und aufzupassen, dass alles mit rechten Dingen zuging.

Angespannte Atmosphäre im Wahllokal

Die Emotionen waren im Vorfeld des Bürgerentscheids bekanntlich hochgekocht. Vor allem in Neuberg hatte es bei den Bürgerversammlungen teilweise hitzige Diskussionen zwischen Befürwortern und Gegnern des Zusammenschlusses gegeben. Die angespannte Atmosphäre war auch im Wahllokal „Tabalugaland“ zu spüren.

Jedenfalls wurde unser Reporter hier von den Helfern trotz Presseausweis nicht nur reserviert empfangen, sondern aus dem Wahlraum komplimentiert, als ein Bürger kam, um seinen Stimmzettel in der abgeteilten Wahlkabine auszufüllen. Dabei interessierte den Reporter doch die Abstimmung überhaupt nicht, also das Ja oder Nein, sondern sondern nur die Eindrücke der Wahlhelfer selbst bezüglich der Wahlbeteiligung.

Gute Wahlbeteiligung in Neuberg

Wesentlich entspannter war die Stimmung dagegen im Wahllokal „Brummkreisel“ im Neuberger Ortsteil Ravolzhausen, dem dortigen Wahlbezirk 1. Hier erteilten Annalena Schwab, Regina Stobert und Markus Walther überaus freundlich und kompetent Auskunft. Und Christoph Esch passte auf die blaue Tonne auf, in der am Sonntag kein Müll landete, sondern die Stimmzettel.

Hier ging es Schlag auf Schlag, ein Bürger nach dem anderen kam zur Abstimmung über den Bürgerentscheid. „Wir haben sogar den Eindruck, dass viele Wahlberechtigte hier erstmals zur Abstimmung gehen. Jedenfalls sehen wir die Wahlbeteiligung höher als beispielsweise bei Kommunalwahlen“, lautete das Credo am Tisch. Bei rund 120 Brief- und über 410 Direktwählern am frühen Nachmittag war im Wahlbezirk 1 die Wahlbeteiligung mit gut 50 Prozent bereits weit überschritten.

Befürchtungen vor Fusion

Das Interesse der Neuberger an ihrer Zukunft schien doch riesengroß. Das zeigte sich auch an Gesprächen, die vor dem Wahllokal auf dem Parkplatz stattfanden. Einige Bürger äußerten ihren Unmut über die „etablierte Politik“ und befürchteten angesichts der geplanten Fusion vor allem, dass sie als Neuberger später in einer gemeinsamen Stadt ihre eigene Identität verlieren würden.

Jenes Engagement schien in Erlensee etwas geringer; kaum verwunderlich, wurde in der Stadt auch kein wirklicher „Glaubenskampf“ ausgetragen. Und dennoch äußerten auch hier Bürger, bevor sie in die Wahlkabinen traten, deutliche Kritik an der ihrer Meinung nach zu „professionellen“ Art, wie verfahren worden sei. Man bekam den Eindruck, auch hier waren jene Bürger stimmstark, die an einem „so ist es und so soll es bleiben“ orientiert waren.

50 Wähler in der Stunde

Im Wahlbezirk 2 mit dem Wahllokal Rathaus, war der Eindruck insgesamt jedoch positiv, was die Beteiligung am Bürgerentscheid anging. Stadtrat Herbert Lange, Alemdina Bajrović und Sonja Krechting leisteten hier am frühen Nachmittag ehrenamtlichen Dienst als Wahlhelfer. „Pro Stunde kommen im Schnitt 50, 55 Bürger“, meinte Lange. Eine Bürgerin, die nicht genannt werden wollte, sagte zu unserem Reporter: „Ich will, dass mein Erlensee so bleibt, wie es ist.“ Sie wird sich gestern Abend gefreut haben.

Quelle: Hanauer Anzeiger

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