Hanau/Erlensee

"Hexenball"-Verfahren eingestellt - Opfer wird entschädigt

Mit einer Geldstrafe davongekommen: Dem Angeklagten (links) konnte nicht nachgerwiesen werden, dass er mit dem Messer zugestochen hat.Archivfoto:Rainer Habermann

Hanau/Erlensee. Am letzten Verhandlungstag hat die 1. Große Strafkammer des Hanauer Landgerichts unter Vorsitz von Richterin und Landgerichtspräsidentin Susanne Wetzel das Verfahren gegen den 24 jährigen Erlenseer Immobilienkaufmann C. B. wegen versuchten Totschlags eingestellt.

Von Rainer Habermann Die Einstellung erfolgte im Einvernehmen mit allen Prozessbeteiligten. Der Beschuldigte hatte eingeräumt, dem Geschädigten, dem 23-jährigen Steuerfachangestellten A. K. einen Faustschlag gegen den Kopf versetzt und ihn so in ein Gebüsch befördert zu haben.

Die Tat ereignete sich beim „Hexenball“, einer Karnevalsveranstaltung in der Erlenhalle am 29. Januar 2017. Doch das Messer, mit dem das Opfer ganz erheblich am Arm verletzt wurde, will er nicht geführt haben. Und bewiesen werden konnte ihm weder eine gefährliche Körperverletzung geschweige denn eine Tötungsabsicht, Voraussetzung für ein Urteil wegen Totschlags.

Tötungsabsicht konnte nicht nachgewiesen werden

Auch das Opfer konnte letztlich nicht mit Bestimmtheit sagen, wer genau gestochen hatte, als es die Arme schützend vor den Kopf und den Oberkörper hielt; im Gebüsch hinter der Halle liegend und der Täter rittlings auf seinem Bauch.

Das „Superman“-Kostüm, das der Angreifer getragen hatte, war nach Zeugenaussagen an „zehn bis 15 Personen“ zu sehen, bei der Faschingsfeier „Hexenball“. Das Gericht hatte auch Zeugen aus der Kick-Box-Szene Erlensees gehört.

Opfer wird entschädigt

Doch obwohl einer der Trainer aussagte, er habe sich „unter seinen Jungs intensiv umgehört, doch keiner wollte etwas dazu sagen“, und erheblich unter Druck geriet, fand sich im Prozessverlauf kein konkreter Hinweis auf einen bestimmten Täter.

So gilt grundsätzlich die Unschuldsvermutung, solange eine Tat nicht bewiesen ist. Doch immerhin hatte der Beschuldigte ja einen Teil der Tat, den Faustschlag, zugegeben. Und damit ist es auch gerechtfertigt, dass C. B. jetzt an A. K. 4500 Euro zahlen muss, als eine Art Wiedergutmachung und Schmerzensgeld.

Der FallAm 29. Januar 2017 hat beim „Hexenball“, einer Faschingsveranstaltung in der Erlenseer Erlenhalle, eine tätliche Auseinandersetzung stattgefunden, bei der ein heute 23-Jähriger vermutlich von einem heute 24-Jährigen mit einem Messer schwer verletzt wurde. 16. Januar 2020: Vor der 1. Schwurgerichtskammer des Hanauer Landgerichts hat das Verfahren wegen versuchten Totschlags gegen den 24-Jährigen begonnen. Der Angeklagte bestreitet, das Messer geführt zu haben, räumt die Auseinandersetzung jedoch ein.21. Januar 2020: Das Verfahren wird gegen Zahlung von 4500 Euro an das Opfer eingestellt. Ein Tötungsvorsatz konnte dem Beschuldigten nicht nachgewiesen werden.

Quelle: Hanauer Anzeiger

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