Projekt „Partnerschaft für Demokratie“ hat alle neun Bundestagskandidaten befragt

Junges Team stellt Politiker in Videos vor

Sie haben Video-Interviews mit den Direktkandidaten für den Bundestag gemacht: Sara (von links), Yilli, Ronaldo, Niklas und Berrin von „Partnerschaft für Demokratie“ vor dem Rosentreff in Rodenbach, wo sie eine Zweigstelle haben. Andreas Betz (rechts) und Anita Losch vertreten die beteiligten Kommunen Rodenbach und Erlensee.
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Sie haben Video-Interviews mit den Direktkandidaten für den Bundestag gemacht: Sara (von links), Yilli, Ronaldo, Niklas und Berrin von „Partnerschaft für Demokratie“ vor dem Rosentreff in Rodenbach, wo sie eine Zweigstelle haben. Andreas Betz (rechts) und Anita Losch vertreten die beteiligten Kommunen Rodenbach und Erlensee.

Seit einigen Tagen sind neun Videos auf Youtube online, in denen sich alle Bundestag-Direktkandidaten aus dem lokalen Wahlkreis 180 präsentieren. Die professionell anmutenden Filme, die zwischen 15 und 20 Minuten lang sind, stammen nicht etwa von einer Marketing-Agentur, sondern wurden von jungen Menschen aus Erlensee, Rodenbach und Hanau geplant, organisiert und produziert.

Erlensee/Rodenbach – Wir treffen Niklas, Sara, Yilli, Ronaldo und Berrin vom Team „Partnerschaft für Demokratie - Erlensee und Rodenbach“ (PfD) in den Räumen des Rosengartens, dem Seniorentreff an der Rodenbacher Hauptstraße. Insgesamt sind sie eine neunköpfige Gruppe von jungen Erwachsenen zwischen 18 und 25 Jahren und kommen aus der Region.

Gute Vorarbeit

Unter dem Dach der Koordinierungs- und Fachstelle „Demokratie leben“ und der Partnerschaft für Demokratie engagieren sie sich mit diversen Aktionen und Projekten für die Stärkung der demokratischen Zivilgesellschaft. Die Fachstelle sitzt in Erlensee beim Bürgerverein Soziales Erlensee, die Zweigstelle in Rodenbach ist im Rosentreff.

Da ist die Bundestagswahl am 26. September quasi ein Pflichtthema für die Gruppe. Schon im Sommer sammelten sie daher Ideen, was sie im Vorfeld der Wahl machen wollen. So entstand das Projekt „Bundespolitik vor Ort greifbar machen“, erzählt der 18-jährige Yilli. Für ihn, den 21-jährigen Niklas, den 22-jährigen Ronaldo und die 23-jährige Sara ist es das erste Mal, dass sie bei einer Bundestagswahl ihr Kreuz setzen dürfen. Das sei etwas Besonderes, sagen sie unisono. „Ich freue mich darauf, freue mich zu sehen, was sich in Zukunft ändern wird“, so Yilli, der vor dem Abitur steht.

Für sie alle ist die Ära Angela Merkel, die 16 Jahre Kanzlerin war, prägend gewesen. „Ich kenne nur Angela Merkel im Kanzleramt“, sagt Sara. Das sei darum ihrer Meinung der Knackpunkt bei dieser Bundestagswahl: „Es ist eine Richtungswahl, ich werde ganz bewusst wählen.“ Die junge Frau hat sogar orientiert an ihren individuellen Schwerpunkt-Themen die Wahlprogramme durchgearbeitet und ihre persönliche Parteien-Tabelle erstellt.

Alle Wahlprogramme der Parteien durchgearbeitet

Die Analyse der Wahlprogramme war auch eine Vorarbeit für die Videos der neun Direktkandidaten. Ihr Ziel sei gewesen, die Parteien mit ihren Kandidaten und Wahlprogrammen sichtbar zu machen, erzählt Yilli. In Kleingruppen haben sie einen Fragenkatalog erarbeitet, die Politiker kontaktiert und die Videodrehs geplant. „Wir haben uns an den Sommerinterviews des ZDF orientiert“, so Ronaldo, der aus einer sozialdemokratisch geprägten Familie stammt und für die SPD im Rodenbacher Gemeindeparlament sitzt.

„Weil es eine richtungsweisende Wahl ist, haben wir versucht, ein inhaltlich tiefer gehendes Angebot für Jung und Alt zu machen“, so Ronaldo. Sprich: Die Videos sind in ihrer Machart nicht nur auf Jugendliche zugeschnitten. „Jung und Alt können sie zusammen anschauen und sich austauschen“, meint Ronaldo. So werden sie sogar ihrem generationsübergreifenden Anspruch gerecht. Das Team habe zudem versucht eine Balance zwischen jugendspezifischen Themen und Fragen, die eher die ältere Generation interessieren, zu finden.

„Wir versuchen Pluralitätskompetenzen zu entwickeln und es als Bereicherung zu sehen, wenn andere anders denken als wir“, erklärt Anita Losch von der Koordinierungs- und Fachstelle.

Professionelle Dreharbeiten

Und so werden Erich Albrecht (AfD), Alexander Kuhne (Die Linke), Katja Leikert (CDU), Ralf Haußels (Die Basis), Lennard Oehl (SPD), Peter Rehbein (parteilos), Henrik Statz (FDP), Marcus Bocklet (Grüne) sowie Christian Clauß (FW) mit Fragen zu Umwelt und Klima, Verkehr und Mobilität, Rassismus und Integration befragt. Interviewer ist Niklas Beick, ein Kommilitone von Ronaldo. Ganz bewusst hat sich die Gruppe dafür entschieden, einen Außenstehenden als Moderator zu gewinnen, um die Interviewrunden so unparteiisch wie möglich zu gestalten. Es sei ihnen auch wichtig gewesen, dass sich die Kandidaten in den Videos wiedererkennen, so Ronaldo.

Aufgenommen wurden die Gespräche im Hanauer Coworking-Space Brick 37. Und weil das Team schon bei der Erlenseer Bürgermeisterwahl sowie der diesjährigen Kommunalwahl Erfahrungen mit dem Produzieren von Videos sammeln konnte, sind die neun aktuellen Beiträge sowohl von der Kamera- als auch Schnitttechnik sehr professionell.

Warum sie sich für Politik interessieren? Dazu erzählt Sara von ihrem Schülerpraktikum bei der Bundestagsabgeordneten Bettina Müller in Berlin. „Da waren nur alte Menschen im Bundestag. Und ich dachte, es kann nicht sein, dass nur alte Menschen meine Meinung repräsentieren. Es müssen viel mehr junge Menschen dort mitmischen.“

Die meisten aus dem Team machen schon seit Jahren bei Projekten von PfD mit, sind beispielsweise über Theater-Workshops reingekommen. Oder haben sich bei der Schülervertretung engagiert, so wie Yilli. „Da zählt jede Stimme, jeder kann seinen Teil beitragen. Und hiermit kann ich meinen Teil beitragen“, sagt er und meint das Engagement in der PfD. Die 25-jährige Berrin berichtet, dass sie und ihre Familie viel Ungerechtigkeit in der Türkei erfahren haben. Sie setzt sich vor allem gegen Rassismus ein. Und Niklas, der auch für die SPD im Rodenbacher Gemeindeparlament sitzt, hat über die Fridays-for-Future-Bewegung den Weg in die politische Arbeit gefunden.

Klare Meinung zur Senkung des Wahlalters

Alle fünf haben eine klare Meinung zur Senkung des Wahlalters auf 16 Jahre. „Politische Mündigkeit hängt nicht vom Alter ab“, findet Ronaldo. Sara sagt, dass schon 16-Jährige über eine Berufsausbildung entscheiden. „Dann kann ich auch eine demokratische Entscheidung treffen.“ Und Berrin meint, dass die aktuelle Jugend-Generation sich mehr für Politik interessiere. „Dann wäre es auch gut, wenn sie mit 16 Jahren wählen dürfen.“

Losch, die die Koordinierungsstelle schon viele Jahre betreut, betont, dass bei allen Projekten die Sichtweise und Expertise von jungen Menschen im Mittelpunkt stehen sollen. Und der Zugang von jungen Menschen zu Politik gefördert werden soll. Das ist mit den Videos mehr als gelungen.

Aktionen und Projekte von Partnerschaft für Demokratie

Die neun Video-Interviews sind ab sofort online zu sehen. Auf der Homepage der PfD unter www.demokratie-erlensee-rodenbach.de. Dort sind die Videos unter dem Menü-Punkt „Bundestagswahl“ zu finden. Sowie auf dem Youtube-Kanal „PfD Erlensee und Rodenbach“. Zusätzlich hat das Team für Erst- und Jungwähler ein Erklärvideo produziert, das auch auf der Homepage zu finden ist.

Und auf der Instagram-Seite „jugendfuerdemokratie“ haben sie Übersichten zu den Standpunkten der Parteien zu verschiedenen Themen zusammen geballt gegenüber gestellt.

Am Sonntag, 19. September, findet ab 10.30 Uhr am Limespark in Erlensee ein Fußballturnier statt, um diesen Bürgerpark als sozialen Treffpunkt für Jung und Alt immer mehr ins Bewusstsein zu rücken.

Am Mittwoch, 22. September lädt das Team zu einer Präsenzveranstaltung ins Bürgerhaus Rodenbach, Hanauer Landstraße 3, ein. Unter dem Motto „Politik süß und salzig!“ soll es eine Art Speed-Dating geben, bei dem die Besucher in einem abwechslungsreichen Format über die Positionen der Parteien diskutieren können.

(Von Monica Bielesch)

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