Bauvorhaben

Mehr als nur Fleisch: Großmetzgerei Wilhelm Brandenburg plant Produktionsstätte um

Es hat sich noch nicht viel getan: Nur die IT-Abteilung ist bereits in das ehemalige Fliegerhotel gezogen, in dem sich auch das Interimsrathaus der Stadt Bruchköbel befindet. Man sieht das Gebäude auf diesem Bild am unteren Rand.
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Es hat sich noch nicht viel getan: Nur die IT-Abteilung ist bereits in das ehemalige Fliegerhotel gezogen, in dem sich auch das Interimsrathaus der Stadt Bruchköbel befindet. Man sieht das Gebäude auf diesem Bild am unteren Rand.

Die Diskussion über den Klimawandel hat auch Auswirkungen auf ein Bauvorhaben der zur Rewegruppe gehörende Großmetzgerei Wilhelm Brandenburg im Main-Kinzig-Kreis.

Erlensee/Bruchköbel – Die Diskussion über den Klimawandel und sich verändernde Essgewohnheiten der Verbraucher haben auch einen Einfluss auf das größte Bauprojekt im Logistik- und Gewerbepark Fliegerhorst. Wie die zur Rewegruppe gehörende Großmetzgerei Wilhelm Brandenburg jetzt unserer Zeitung auf Nachfrage bestätigte, befinde man sich gerade dabei, das Projekt im Lichte dieser Entwicklung nochmals zu analysieren und gegebenenfalls anzupassen. Diese ergebnisoffene Analyse werde voraussichtlich zwölf Monate in Anspruch nehmen und habe bereits im vergangenen Jahr begonnen, so das Unternehmen.

Der Großmetzger Wilhelm Brandenburg hatte das 18 Hektar große Fliegerhorst-Areal im Jahr 2018 für gut acht Millionen Euro vom Zweckverband Fliegerhorst gekauft, um dort die beiden Produktionsstätten Frankfurt und Dreieich zusammenzuführen. Die geplante Investitionssumme wurde damals auf etwa eine Viertelmilliarde Euro geschätzt. Ursprünglich sollte mit dem Bau 2020 begonnen werden, die Fertigstellung war für 2022 geplant. 2019 hatte das Unternehmen dann erklärt, der erste Spatenstich werde sich auf 2022 verschieben. Einen neuen Termin für den Baubeginn gibt es noch nicht. Die Frage danach ließ das Unternehmen zudem unbeantwortet.

Main-Kinzig-Kreis: Wilhelm Brandenburg plant Produktionsstätte um

Die Option, das Projekt womöglich ganz zu stoppen, zieht die Rewegruppe offenbar nicht in Betracht: „Um das Projekt zu beenden, bedürfte es keiner bis zu zwölfmonatigen Überprüfung. Diese zielt ja eben darauf ab, das Projekt an die veränderten Gegebenheiten anzupassen“, hieß es.

Seit den ersten Planungen im Jahr 2017 habe sich das Markt- und Wettbewerbsumfeld deutlich verändert. Die Branche ändere sich schneller als je zuvor. Veränderte Verzehrgewohnheiten wirkten sich auf den Fleischkonsum aus, Themen wie der Klimawandel und die Rolle tierischer Produkte würden verstärkt diskutiert, neue gesetzliche Regelungen erhöhten die Kosten. All das gelte es zu berücksichtigen, so das Unternehmen.

Metzgerei Wilhelm Brandenburg: Bauvorhaben auf Fliegerhorst wird überprüft

Bei der Analyse stehe jetzt vor allem folgende Frage im Vordergrund: „Setzen wir unverändert auf die richtigen Produkte und wird der Neubau auch noch in 20 Jahren den sich ändernden Kundenbedürfnissen gerecht? Passt das geplante Produktionsvolumen noch zu den derzeitigen und zukünftigen Markttrends?“ Statt nur Fleischprodukte könnten auf dem Fliegerhorst in Zukunft demnach auch mehr Fleischersatzprodukte produziert werden. Auch der Vegan-Markt entwickele sich sehr dynamisch.

An den Stammwerken in Frankfurt und Dreieich, in denen derzeit rund 1100 Mitarbeiter beschäftigt sind, scheint eine solche Anpassung jedoch schwierig zu sein. Erst zu Beginn dieser Woche hatte der hessische Rundfunk über „eklatante Mängel“ an den Baulichkeiten bei Wilhelm Brandenburg berichtet. Zwar hätten diese laut Brandenburg keinen Einfluss auf die Produktions- und Arbeitssicherheit gehabt. Dennoch steht das Unternehmen jetzt zusätzlich unter Druck. Ein Stück von Brandenburg ist im Übrigen schon auf dem Fliegerhorst. Die IT-Abteilung hat das Obergeschoss des Gebäudes bezogen, in dem sich derzeit noch das Interimsrathaus der Stadt Bruchköbel befindet. Das Gebäude gehört zum Brandenburg-Areal, die Stadt Bruchköbel ist dort Mieter. (Holger Weber)

In Dreieich im Kreis Offenbach wurden 61 Mitarbeiter der Großmetzgerei Wilhelm Brandenburg positiv auf das Coronavirus getestet. Der Betrieb stellte die Produktion ein.

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