Erlensee

Messerstiche beim Hexenball: 24-jähriger Erlenseer vor Gericht

Erlensee. Der 24-jährige Erlenseer Immobilienkaufmann C. B. steht seit Donnerstag wegen versuchtem Totschlag vor der 1. Schwurgerichtskammer des Hanauer Landgerichts. Die Staatsanwaltschaft wirft B. vor, beim Hexenball am 29. Januar 2017 einen 23-Jährigen mit zwei Messerstichen schwer verletzt zu haben.

Von Rainer Habermann

Staatsanwalt Dr. Oliver Piechaczek sieht bei der Attacke gegen den Steuerfachangestellten A. K. Tötungsabsicht. So lautet die Anklage: Versuchter Totschlag mit einem gefährlichen Gegenstand, nämlich einem Messer.

In Gebüsch geschubst und mit Messer attackiert

Das Opfer sagte aus, vom Angeklagten in ein Gebüsch vor der Halle geworfen und mit dem Messer traktiert worden zu sein. Er habe die Arme schützend vor den Kopf gehalten. Er erlitt einen etwa 17 Zentimeter langen Schnitt in den Oberarm mit herausquellender Muskulatur und einen etwa vier Zentimeter tiefen Stich in den Unterarm, der nur um Millimeter einen Gefäß- und Nervenstrang verfehlte.

A. K. ist auch Nebenkläger im Prozess und wird vertreten vom Steinheimer Rechtsanwalt Peter Schmidt. Vorausgegangen sei dem Angriff eine verbale Auseinandersetzung zwischen beiden, wobei noch mindestens eine weitere, bisher unbekannte Person beteiligt gewesen sei: laut einer Zeugenaussage ein „Mann im schwarzen Kapuzenpullover mit Vollbart“.

Unterschiedliche Verseionen zum Streit

Den Streit, der zur Attacke führte, schildern Opfer und der vermeintliche Täter sehr unterschiedlich, wobei der Angeklagte sowohl zur Person als auch zur Sache bereits am ersten Prozesstag umfangreiche Einlassungen machte. Sein Verteidiger ist der Hanauer Strafrechtler Matthias Reuter aus der Kanzlei UP12.

C. B. befindet sich auf freiem Fuß, das Gericht sieht keine Flucht- oder Verdunkelungsgefahr, der in Gelnhausen geborene Erlenseer ist ein unbeschriebenes Blatt im Strafregister. Er folgt der Verhandlung ruhig und konzentriert. Und er bestreitet, das Messer geführt zu haben. „In seinem engen Superman-Kostüm, das er bei der Faschingsveranstaltung trug, hatte er gar keine Möglichkeit, ein Messer zu verstecken“, erklärt sein Verteidiger.

Täter und Opfer kannten sich nicht

Die vorhergehende Auseinandersetzung aber und auch einen Faustschlag an die Schläfe, der das Opfer ins Gebüsch beförderte, räumt der Angeklagte ein und schildert sie so: „Der A. K., den ich vorher nicht kannte, urinierte zusammen mit seiner Freundin zwischen zwei Autos auf dem Parkplatz und rief: 'Ich pinkle jetzt auf den Türgriff, dann haben die Spaß beim Anfassen'. Dann ist er auf mich zugerannt, ich war erschrocken über seine Aggressivität. Und er hatte eine Fahne.“

Das Opfer schildert die Abläufe etwas anders. Auch er will den vermeintlichen Täter vorher nicht gekannt haben. Die „Pinkel-Story“ bestätigt er ebenso wie seine damalige Freundin, die als Zeugin aussagt. Bloß habe der Angeklagte zu pöbeln begonnen und die Pöbelei auch auf dem Rückweg zur Halle fortgesetzt.

Durch Superman-Kostüm identifiziert

Dann habe der „Superman“ ihm einen Schlag gegen den Kopf versetzt, er sei ins Gebüsch gefallen. Daraufhin soll der Angreifer, so erinnert er sich, sich rittlings auf ihn gesetzt und zugestochen haben. „Bleib liegen, sonst stech' ich noch mal zu“, habe der Täter gedroht. „Ich habe das Superman-Kostüm im Blickfeld gehabt“, erklärt A. K. etwas schwammig.

Das scheint auch die Crux im Verfahren zu sein, denn bei einer ersten polizeilichen Vernehmung nach der Tat hatte das Opfer noch von einem völlig schwarz gekleideten Täter gesprochen. Mit einer „Wellensteyn“-Jacke und einer Basecap mit dem Schild in den Nacken gezogen. Doch er war wohl auch kurzzeitig ohne Bewusstsein, wachte erst im Rettungswagen teilweise auf. Auf dem „Hexenball“ seien mindestens zehn bis 15 Gäste mit einem Superman-Kostüm – oder zumindest mit einem ähnlichen – herumgelaufen, erinnern sich Opfer wie vermeintlicher Täter.

Erinnerungslücken auch bei den Zeugen

Das Gericht vernimmt weitere fünf Zeugen, die die tatsächlichen Geschehnisse aufhellen sollen. Die Widersprüche bleiben, denn Erinnerungslücken an den nun fast drei Jahre zurückliegenden Hexenball herrschen bei allen vor.

Ein Handy-Telefonat, das vermeintlicher Täter und tatsächliches Opfer auf dem Parkplatz mit einem bekannten Kick-Boxer aus der Thai-Box-Szene Erlensees führten, der zwischen den Streithähnen vermitteln wollte, spielt ebenfalls eine Rolle im Prozess; allerdings von allen Beteiligten unterschiedlich wiedergegeben und interpretiert.

Der FallAm 29. Januar 2017 hat beim „Hexenball“, einer Faschingsveranstaltung in der Erlenseer Erlenhalle, eine tätliche Auseinandersetzung stattgefunden, bei der ein heute 23-Jähriger vermutlich von einem heute 24-Jährigen mit einem Messer schwer verletzt wurde. 16. Januar 2020:Vor der 1. Schwurgerichtskammer des Hanauer Landgerichts hat das Verfahren wegen versuchten Totschlags gegen den 24-Jährigen begonnen. Der Angeklagte bestreitet, das Messer geführt zu haben, räumt die Auseinandersetzung jedoch ein.Der Prozess wird am Dienstag,21. Januar, um 9 Uhr im Saal A215 fortgesetzt. rh

Quelle: Hanauer Anzeiger

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