AUS DEM GERICHT

Vor der Anklage in Tränen ausgebrochen: Warum hat die Tochter ihre Mutter in Erlensee getötet?

Angeklagt: Mouna B., die im März ihre Mutter in Erlensee getötet haben soll, ist zum Prozessauftakt vor dem Hanauer Landgericht in Tränen ausgebrochen. Ihr Strafverteidiger Matthias Reuter steht ihr bei.
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Angeklagt: Mouna B., die im März ihre Mutter in Erlensee getötet haben soll, ist zum Prozessauftakt vor dem Hanauer Landgericht in Tränen ausgebrochen. Ihr Strafverteidiger Matthias Reuter steht ihr bei.

Anfang des Jahres hatte die 38-jährige Angeklagte ihre Mutter getötet. Nun steht sie vor Gericht.

Erlensee/Hanau – Als die Justizwachtmeisterin die Handschellen öffnet, blickt Mouna B. ängstlich von der Anklagebank aus in den Schwurgerichtssaal. Dann bricht sie in Tränen aus, schluchzt vor sich hin. Rechtsanwalt Matthias Reuter, der ihr als Pflichtverteidiger beigeordnet ist, versucht, die 38-Jährige zu trösten.

„Haben Sie Angst?“, fragt Landgerichtspräsidentin Susanne Wetzel die Angeklagte. Das scheint der Fall zu sein. Doch die Vorsitzende versucht, B. die Furcht zu nehmen: „Sie haben einen erfahrenen Anwalt an Ihrer Seite. Sie brauchen keine Angst zu haben.“

Allerdings sind die Vorwürfe, die Staatsanwältin Lisa Pohlmann kurz darauf in der Anklageschrift erhebt, durchaus beängstigend. Am 11. März soll die Frau an der Dammstraße in Erlensee ihre 79-jährige Mutter getötet haben.

Hanau: Die Staatsanwältin verliest Details der Tat in Erlensee

Die Staatsanwältin nennt die Details: Fußtritte, Faustschläge. Als Tatwaffen sollen ein Messer sowie eine Duschstange verwendet worden sein. Das Kapitalverbrechen klagt Pohlmann als Totschlag an, denn ein Motiv ist nicht erkennbar: „Sie ist ohne erkennbaren Anlass in Tötungsabsicht vorgegangen.“ Die Folgen der Torturen für die 79-Jährige sind fürchterlich. Durch die „massive Gewalt“ erlitt die alte Frau zahlreiche Brüche und Blutergüsse am gesamten Körper. Fast zwei Minuten benötigt die Anklägerin, um alle Verletzungen aufzuzählen. Gegen 20 Uhr sei die Frau an den zahlreichen schweren Verletzungen gestorben.

Zu diesem Zeitpunkt ahnen die Nachbarn in dem Mehrfamilienhaus noch nicht, was geschehen ist. Sie bemerken nur, dass Wasser aus den von beiden Frauen bewohnten Räumen fließt und entdecken die 38-Jährige, die nackt an der Eingangstür kauert.

Eine Streife der Polizeistation Hanau-Land ist schnell vor Ort. Die Beamten kümmern sich zunächst um die Frau, die sich seltsam benimmt. Doch dann machen die Beamten eine grauenvolle Entdeckung: Die Leiche der Mutter liegt im Wohnzimmer. B. lässt sich widerstandslos festnehmen.

Tat in Erlensee wird als Totschlag verhandelt

Vor diesem Hintergrund scheint der Fall recht mysteriös. B. wurde zunächst zur Untersuchung in die Psychiatrie eingewiesen, dann jedoch sehr schnell wegen des Verdachts des Totschlags in die Untersuchungshaft für Frauen eingeliefert.

Nun schluchzt sie weiter vor sich hin, als ihr die Vorsitzende erklärt, dass es auch notwendig sein wird, zur Klärung des Falls vor Gericht Fotos vom Tatort und den Untersuchungen zu zeigen. Blutige Details.

Und Wetzel kommt sofort zum Kernproblem in diesem Fall, den alle Juristen bislang nur aus dem Ergebnis der Ermittlungen in der umfangreichen Akte kennen.

Für die Richterin gibt es nach dem Tod der Mutter in Erlensee noch viele offene Fragen

„Wir wissen bislang nur zwei Dinge: Wie ihre Mutter zu Tode gekommen ist und durch wen – das ist klar“, so die Vorsitzende. Nur das Warum liegt noch völlig im Dunkeln. „Es sind noch sehr viele Fragen offen“, so Wetzel weiter.

D. sagt dann nur einen Satz. Ganz leise und mit tränenerstickter Stimme: „Ich weiß es selbst nicht.“ Daher empfiehlt die Vorsitzende der Angeklagten, noch einmal intensiv mit ihrem Verteidiger über den Fall zu sprechen, um möglicherweise die Hintergründe zu klären.

Dazu hat die Schwurgerichtskammer noch vier weitere Verhandlungstage angesetzt, an denen zahlreiche Zeugen sowie Sachverständige gehört werden sollen.

Der Prozess vor der 1. Kammer wird am Donnerstag um 9 Uhr fortgesetzt.

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