Wasserbüffel in Erlensee: Künstlerin übergibt Brunnen an die Stadt

Mit Blick zum Rathaus: Der Bulle 007 und das Büffelkalb prägen jetzt den Platz.
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Mit Blick zum Rathaus: Der Bulle 007 und das Büffelkalb prägen jetzt den Platz.

Lange hatte sie dafür gekämpft: Mit der offiziellen Übergabe der Wasserbüffelskulpturen an die Stadt Erlensee geht für Sabine Pabst jetzt ein Projekt zu Ende, das zumindest in ihrem Kopf schon vor zwei Jahren begonnen hatte.

Erlensee –„Fast zu Ende“, korrifiert die Initiatorin der Brunnenumgestaltung auf dem Rathausplatz. Denn die Erlenseer Künstlerin will noch so viel Geld zusammenbringen, dass der Stadt am Ende keinerlei Kosten verbleiben und die ursprünglich 13 000 Euro, die zur Zwischenfinanzierung in den Haushalt eingestellt worden waren, für andere Zwecke ausgegeben werden können. „Da bin ich sehr ehrgeizig“, sagt Pabst, die Hälfte der Summe habe sie bereits zusammen.

Ohne diesen Ehrgeiz und den Biss hätte sie das Projekt wohl auch nicht vollendet. Denn zwischendurch war nicht nur im Stadtparlament Kritik laut geworden an der Idee der Künstlerin. Unter anderem, weil lange Zeit niemand genau wusste, wie der Brunnen vor dem Rathaus einmal aussehen würde.

Pabst: Keine Hinterzimmerabsprachen bei den Wasserbüffeln

Im Parlament wurden mitunter Hinterzimmerabsprachen zwischen der Künstlerin und dem Bürgermeister kolportiert. „Das ging oft unter die Gürtellinie“, sagt sie. Bürgermeister Stefan Erb sei über alle ihre Schritte informiert und auch im Schriftverkehr in „cc“ gesetzt worden. Im Nachhinein kann Pabst die Kritiker auch verstehen. Es habe jedoch nie einen Entwurf geben können, weil sich das Projekt erst mit zunehmender Planung entwickelt habe, sagt sie.

Ursprünglich sollten der Bulle 007 und das Kälbchen beispielsweise mitten in der Brunnenschale stehen. Doch mit Rücksicht auf örtliche Begebenheiten wie wichtige unterirdisch verlaufende Kabel sowie die Brunnenschale, die durch die Verankerung der Skulpturen undicht zu werden drohte, habe man sich letztlich für die Variante entschieden, in der die Tiere am Rande stehen. Glücklicherweise, sagt die Künstlerin jetzt mit Blick auf das Werk, das insgesamt nun einen Durchmesser von neun statt wie früher sechs Meter aufweist. Gestaltet hat Pabst den Brunnen mit ihren Kolleginnen aus dem Kunstraum, einer Erlenseer Künstlervereinigung. Rosemarie Lewandrowski, Miroslava Seidel sowie Corina Redlin haben nicht nur ihre Kreativität mit eingebracht, sondern der Initiatorin auch den Rücken gestärkt in den besonders schwierigen Phasen.

Bis zu 80 Helfern haben Pabst bei den Wasserbüffeln unterstützt

Freut sich beim Anblick ihrer Skulpturen: die Künstlerin und Initiatorin Sabine Pabst.

„Ohne sie hätte ich wahrscheinlich irgendwann nicht mehr weitergemacht“, sagt die Künstlerin. Ihren Dank richtet sie an viele Menschen. Sie hat in den letzten Tagen eine Auflistung der Personen gemacht, die sich im vergangenen Jahr für das Projekt engagiert haben und ist auf 80 Helfer gekommen.

Sponsoren, Verwaltungsmitarbeiter, besonders hervor hebt sie dabei die Mitarbeiter des Bauhofs, die gerade eine große Leidenschaft für das Projekt entwickelt hätten und jederzeit mit Rat und Tat beiseite gestanden hätten. Pabst sagt, sie habe während des vergangenen Jahres, in dem das Ganze von einer Idee zu einem richtigen Projekt gewachsen ist, viel gelernt. Unter anderem auch, dass es mit Emanzipation in Gesellschaft noch nicht weit her ist. Bei der Akquise von Spendengeldern blieb Pabst, früher einmal Außendienstmitarbeiterin einer Versicherung und somit mit einer gewissen Hartnäckigkeit ausgestattet, meist in der Warteschleife oder in den Vorzimmern der Entscheidungsträger hängen. Kaum einmal sei sie zu den Chefs durchgedrungen.

Wasserbüffel: Pabst sei von ihrem Mann unterstützt worden

Erst als ihr Mann für sie die Kontaktaufnahme übernommen habe, sei die Akquise gut gelaufen. Horst Pabst, seines Zeichen Fraktionsvorsitzender der CDU, sei dann auch bei den ersten Gesprächen mit dabei gewesen und habe sie als Projektleiterin eingeführt. „Eigentlich ist das ja sehr traurig“, sagt Sabine Pabst, aber das Ergebnis hat sie mit den Umständen versöhnt. Mehr als 25 000 Euro haben Sabine und Horst Pabst am Ende gesammelt, weit mehr Geld als die Herstellung der Skulpturen am Ende gekostet hat.

Die Kunsträumerinnen: Miroslava Seidel (von links), Rosemarie Lewandrowski und Sabine Pabst hatten bei der Gestaltung des Brunnens viel Freiheit.

In die Tat umgesetzt wurden die Büffel von der Münchener Firma Brontique, auf die die Pabsts im Internet aufmerksam geworden waren. „Ein echter Glücksfall“, sagt Pabst, denn die Münchener Bildhauer hätten von Anfang an die notwendige Begeisterung für die Büffel gezeigt, die von einem Unternehmen in Portugal gegossen worden sind.

Pabst: Wasserbüffel seien für Erlensee ein Alleinstellungsmerkmal

Den Lohn für ihre Arbeit hat Sabine Pabst in den vergangenen Tagen für ihre Mühen und ihre Hartnäckigkeit bekommen. Immer dann, wenn sie erfahren konnte, dass der Brunnen von den Menschen in Erlensee angenommen wird, wenn Kinder in dem Becken planschen und die Menschen sich an dem neuen Brunnen erfreuen. Aus einem freudlosen und kahlen Ort vor dem Rathaus sei nun ein lebendiger Platz geworden. Und Sabine Pabst ist sich sicher, dass mit den gegossenen Tieren nun auch die echten Büffel in den Erlenseer Weideswiesen eine noch größere Bedeutung für die Stadt erhalten haben. Manch ein Kritiker hatte angemerkt, dass Wasserbüffel keine heimischen Tiere seien und deshalb auch kein Wahrzeichen für die Stadt sein könnten. Dazu die Künstlerin: „Auch Störche hätten ein Motiv sein können. Aber die haben andere Kommunen um uns herum ja auch. Mit Wasserbüffeln haben wir doch ein Alleinstellungsmerkmal.“ Und durch das seit Jahren regelmäßig stattfindende Wasserbüffelfest seien die Tiere doch schon im städtischen Leben etabliert findet sie.

Angst, dass sie nach Fertigstellung ihres Herzensprojekts in ein tiefes Loch fallen könnte, hat Pabst nicht. Sie habe schon eine neue Idee, wie sie, die sich selbst als eine Ästhetin bezeichnet, ihrer Stadt zu mehr Glanz verhelfen könne. Doch darüber will sie erst sprechen, wenn die Idee in einem verwertbaren Konzept festgehalten worden ist. Man darf gespannt sein.

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