Erlenseer Haushalt

Weniger Bußgelder und Steuern: Bürgermeister Erb beziffert Corona-Verluste auf rund drei Millionen Euro

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Rückschlag für die in den letzten Jahren enorm gewachsene Stadt Erlensee: Durch Corona muss die Stadt, die wie hier durch das Neubaugebiet Büchensaal gewachsen ist, Mindereinnahmen verkraften.

Erlensee trifft die Pandemie wie alle Kommunen hart. Auf drei Millionen Euro schätzt Bürgermeister Stefan Erb die Mindereinnahmen durch die Corona-Krise. Für den Haushalt 2020 waren ursprünglich Überschüsse von rund einer halben Million Euro errechnet worden.

Erlensee liegt in seiner Pandemie-Kalkulation etwa auf dem gleichen Level wie die Nachbarstadt Bruchköbel. Auch dort geht man von Mindereinnahmen in Höhe von rund drei Millionen Euro aus (wir berichteten) Im Rahmen der Stadtverordnetenversammlung hat der Verwaltungschef jetzt grob aufgedröselt, wo der Stadt die Einnahmen wegbrechen. Vor allem bei den Gewerbesteuern seien die Ausfälle mit geschätzten 1,1 Millionen Euro besonders hoch. 800 000 Euro weniger wird voraussichtlich der Anteil sein, der der Stadt Erlensee an den Einkommenssteuern zusteht, so Erb. 

Die Spielapparatesteuer, die die Stadt durch die eine Vielzahl von Spielsalons in die Kasse spülen, sinkt den Berechnungen zufolge um rund 400 000 Euro. Und auch die Einnahmen aus Einrichtungen, die derzeit nur in eingeschränktem Maße oder überhaupt nicht laufen, fehlen im Säckel. Dazu gehören das seit Ausbruch der Krise geschlossene Hallenbad und die Sauna. 

Kita-Gebühren sollen ab Juni wieder erhoben werden

Weil seit dem Beginn des Lockdowns weniger Autos auf Erlensees Straßen unterwegs sind, habe man auch weniger Geschwindigkeitsverstöße und somit weniger Einnahmen durch Bußgelder registriert, führte Erb weiter aus. Zudem könnten die Ortspolizisten keine mobilen Messungen mehr vornehmen, weil sie durch die Überwachung der Corona-Maßnahmen voll ausgelastet seien. „Dadurch brechen uns rund 150 000 Euro weg, schätzt Erb. 

Die ausgesetzten Kitagebühren schlagen in der Bilanz mit 300 000 Euro zu Buche. Zumindest was diesen Bereich betrifft, ist eine baldige Wende absehbar. Ab dem 15. Juni sollen wieder Gebühren erhoben werden – zumindest für diejenigen, die die städtische Betreuung wieder in Anspruch nehmen können. Derzeit werden in den städtischen Einrichtungen nur 80 Kinder betreut. Ab der kommenden Woche soll auch in Erlensee der sogenannte eingeschränkte Regelbetrieb umgesetzt werden, für den das Land Hessen jetzt die Hygiene-Vorgaben gemacht hat, die Erb im Rahmen der Stadtverordnenversammlung kritisierte. 

Es fehlt an Personal in der Kinderbetreuung

„Ich bin keiner, der vorschnell Kritik übt, aber die Vorgaben des Landes waren nicht sehr gut durchdacht“, so der Bürgermeister. Es fehlen der Stadt vor allem Erzieherinnen. 38 Prozent der städtischen Belegschaft in den Kitas war bisher befreit, weil die Mitarbeiterinnen zur Risikogruppe zählten. Diese sollen in der kommenden Woche ihren Dienst wieder aufnehmen. 

Weil die Gruppen jedoch auf nur 15 Kinder reduziert worden sind, fehlt es immer noch an Personal. Der eingeschränkte Regelbetrieb ermöglicht 60 Prozent der Kinder die Rückkehr in die Kitas. Ziel sei es, die Quote in den Sommermonaten peu à peu auszubauen. Linderung verspricht sich Erb unter anderem durch den Einsatz von Praktikantinnen. Und auch neue Konzepte sollen dabei helfen, mehr und mehr Kinder zurückzuholen. So könnten Kinder in einem Waldkindergarten wegen der geringeren Infektionsgefahr draußen unter freiem Himmel betreut werden. Damit würde auch Platz in den Einrichtungen geschaffen. 

Eine Lösung für die verbleibenden 40 Prozent, die bisher noch nicht in die Kitas zurückkehren können, seien sogenannte Betreuungsgemeinschaften, die jetzt gebildet werden können. „Das heißt, Familien können sich für die Betreuung der Kleinen zusammenschließen.“

Quelle: Hanauer Anzeiger

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