Jugendliche und Kinder können bestimmte Angebote nutzen

Kreativ und flexibel: Jugendarbeit im TKJE trotz Beschränkungen

Greta übergibt eine Tüte mit einem Bastelprojekt an der Tür der Fallbachhalle. Die Basteltüten-To-Go ersetzen die ausgefallenen Osterferienspiele.
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Greta vom Helfer-Team des TKJE übergibt eine Tüte mit einem Bastelprojekt an der Tür der Fallbachhalle. Die Basteltüten-To-Go ersetzen die ausgefallenen Osterferienspiele.

„Wir waren begeistert, dass überhaupt etwas angeboten wird in den Ferien.“ Der Vater, der an diesem Mittag mit seinem kleinen Sohn zu den Räumen des Teams Kinder- und Jugendarbeit in Erlensee (TKJE) kommt, ist sehr dankbar. Sein Sohn hat gerade eine Basteltüte für Zuhause am Seiteneingang der Fallbachhalle erhalten, wo das TKJE seit einigen Monaten vorübergehend ansässig ist. Zur Auswahl gibt es bei den Basteleien für diesen Ferientag einen Pompon oder ein Glas in Regenbogen-Farben.

Erlensee - „Jeden Tag in den Ferien werden wir andere Bastelangebote in die Tüten packen“, erzählt Sozial- und Theaterpädagoge Christian Fonzetti. Eigentlich wollte das TKJE in den Osterferien Ferienspiele anbieten – selbstverständlich corona-konform. Aber diese Pläne mussten wegen der steigenden Inzidenz-Zahlen abgesagt werden. Also haben Fonzetti, sein Kollege Mike Herrmann und Nina Bader, die seit kurzem das Betreuer-Team des TKJE ergänzt, kurzfristig umgeplant. „In diesem Job sind wir es gewohnt, uns immer wieder neu zur erfinden“, sagt denn auch Mike Herrmann. Die Jugendlichen vom ehrenamtlichen Helfer-Team sind es auch. In kürzester Zeit hat sich das Team die Basteltüten-To-Go ausgedacht. Außerdem gibt es jeden Tag eine Schnitzeljagd. Und: Die älteren Jugendlichen können in bestimmten Zeitslots zu Einzelgesprächen mit den Sozialpädagogen kommen. Genutzt werden diese Slots mal zum Reden, mal zum Spielen, so Fonzetti. Das Klientel des TKJE ist zwischen sechs und 27 Jahre alt. Trotz Corona haben die Sozialpädagogen weiterhin viel zu tun, denn vor allem die Jugendlichen und jungen Erwachsenen suchen regelmäßig den Kontakt zum TKJE. „Wir profitieren nun von unserer jahrelangen Beziehungsarbeit“, sind sich Herrmann und Fonzetti einig. „Und wir versuchen immer schon sehr bedarfsorientiert zu arbeiten“, betont Hermann. Wenn ein Jugendlicher Hilfe oder Ansprache brauche, dann seien die Betreuer zur Stelle. Herrmann: „Da sein, wenn es gilt.“ Diese Zuverlässigkeit danken ihnen die Jugendlichen mit Vertrauen. So fällt es beim TKJE auch in Pandemiezeiten leicht, Kontakt zu den Jugendlichen zu halten. Bei den jüngeren Kindern werde es allerdings schwieriger, so Herrmann.

Tägliche Zeitfenster ermöglichen Einzelbesuche in den Räumen des TJKE

Seit November vergangenen Jahres ist das TKJE in der Fallbachhalle untergebracht, bis der Neubau des Familienzentrums in der Fröbelstraße fertiggestellt ist. In der kleinen Fallbachhalle ist der Aufenthaltsraum, dort stehen ein Tischkicker, eine Tischtennisplatte, Sofas und Tische. Alles kann nach Bedarf hin- und hergeschoben werden. Die großen Fenstertüren zum Garten hin erlauben ein gutes Durchlüften. Das Außengelände der Fallbachhalle, das im vergangenen Sommer für mehr als ein halbes Jahr durch große Zelte für die Jugendarbeit genutzt wurde, steht aktuell noch nicht zur Verfügung. Ein großes Baugerüst belegt den Garten, notwendig wegen der Sanierung der maroden Decke der Halle.

Als ehrenamtliche Helfer unterstützen Greta (von links), Louis, Louis und Charlotte schon lange das TKJE. In Zeiten von Corona eine willkommene Abwechslung für sie.

In normalen Zeiten nutzen bis zu 40 Kinder und Jugendliche regelmäßig die Angebote. Ergänzt von einem großen ehrenamtlichen Team von jungen Helfern. Es gibt den Kinder- und Offenen Treff, die Jungen- und Mädchen-Gruppe, Konfirmations- und Theatergruppe und jährlich noch 30 bis 40 Sonderveranstaltungen. Viel Engagement stecken die Betreuer auch in das Projekt TKJE Offensive, bei dem Jugendliche in die Ausbildung geholfen wird. Und das erfolgreich: Fonzetti berichtet von rund 150 jungen Menschen, denen seit Beginn des Projekts vor zehn Jahren geholfen werden konnte. Dafür ist das TKJE auch mit Computerplätzen ausgestattet.

Jugendliche Helfer freuen sich über Abwechslung

Besonders beliebtet sind allerdings die Ferienfreizeiten. So waren die Plätze für die geplante Osterfreizeit schon vergeben. Auch die Teamer haben sich gefreut. So wie Greta. Die Zwölftklässlerin ist 17 Jahre alt und erzählt, dass sie in den Präsenzunterricht muss. „Das ist anstrengend, weil wir keinen Ausgleich mehr zur Schule haben, etwas worauf man sich freuen kann.“ Ihr fehlt es, Freunde zu treffen oder im TJKE mit allen zusammen zu kochen. Der 16-jährige Louis meint: „Ich bin seit sechs Monaten nur Zuhause und sehe meine Freunde nur noch online.“ Für ihn ist die Mithilfe bei der Vorbereitung der Ferienspiele eine seltene Möglichkeit, andere Gleichaltrige live zu treffen.

Charlotte, 16 Jahre, meint, dass ihr die Freizeit fehle, weil die Schule in den geteilten Gruppen des Präsenz-Unterrichts anstrengender als früher ist. „Darum macht es Spaß, hier ewas zusammen zu machen und damit auch jüngeren Kindern ein bisschen Freude zu geben.“ Und der 16-jährige Louis ergänzt, dass es immer schwerer falle, sich für den Präsenzunterricht zu motivieren. „Man fühlt sich träge.“

Die vier jugendlichen Helfer, die schon Stunden vorher mit den Vorbereitungen begonnen haben, freuen sich darum umso mehr, als um punkt 12 Uhr die ersten Kinder Schlange stehen, um eine Basteltüte abzuholen.

Infos im Internet

Unter www.tkje.de gibt es die Unterlagen für die tägliche Schnitzeljagd in den Ferien.

(Von Monica Bielesch)

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