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Eltern protestieren im Ausschuss gegen einen Umzug

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Von: Monica Bielesch

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Das Container-Dorf an der Georg-Büchner-Schule sollte nur vorübergehend als Horthaus dienen. Mittlerweile steht es seit vier Jahren, die Kita-Kinder sollen nun umziehen.
Das Container-Dorf an der Georg-Büchner-Schule sollte nur vorübergehend als Horthaus dienen. Mittlerweile steht es seit vier Jahren, die Kita-Kinder sollen nun umziehen. © Monica Bielesch

Normalerweise gibt es bei Ausschusssitzungen nicht viele Zuschauer, obwohl diese als städtische Gremiensitzungen öffentlich sind. Aber am Mittwochabend, als der Haupt- und Finanzausschuss im großen Saal der Erlenhalle tagte, musste der Hausmeister eilig noch mehrere Dutzend Stühle für die rund 30 Bürgerinnen und Bürger aufstellen, die gekommen waren.

Erlensee – Es waren überwiegend Eltern von Kindern, die die Kitagruppen des Horthauses besuchen samt Erzieherinnen von dort und sie waren gekommen, um ihren Unmut auszudrücken. Denn auf der Tagesordnung stand ein Antrag des Magistrats, der unter anderem vorschlägt, dass die 1,5 Kita-Gruppen des Horthauses im kommenden Jahr in die Kita Leipziger Straße umziehen sollen.

Kita Am Rathaus und Kitagruppen des Horthauses wären betroffen

Die Magistratsvorlage mit dem Titel „Grundsatzbeschluss zum Betrieb der Kindertagesstätten Leipziger Straße und Am Rathaus“ sieht drei Punkte vor. Erstens, dass keine Ausschreibung zum Betrieb der Kita Leipziger Straße erfolgen soll. Damit würde auch ein Parlamentsbeschluss vom 20. Mai aufgehoben werden. Zweitens sollen die vier Gruppen der Kita Am Rathaus in die neue Kita Leipziger Straße umziehen, deren Fertigstellung für Spätsommer kommenden Jahres erwartet wird. Und drittens sollen die 1,5 Kita-Gruppen des Horthauses ebenfalls in die Leipziger Straße umziehen.

Für den Magistrat begründete Bürgermeister Stefan Erb (SPD) die Vorlage damit, dass sich die Bedarfszahlen geändert hätten. In den Fachabteilungen der Verwaltung sei die Lage ausführlich diskutiert worden und am Ende würden praktische und wirtschaftliche Gründe für die Auflösung der Kita-Standorte Am Rathaus und im Horthaus sprechen, so Erb.

Die Kita Am Rathaus in der gleichnamigen Straße sei Baujahr 1975 und der Sanierungsstau mittlerweile sehr hoch, führte der Bürgermeister aus. „Diese Kita ist am baufälligsten.“ Im Falle einer Sanierung erwartet Erb einen Investitionsbedarf von mindestens einer Million Euro, denn vor allem das Dach, aber auch die Gründung und die Außenanlagen seien in die Jahre gekommen. Würden aber die vier dortigen Gruppen in die Leipziger Straße ziehen, hätte die Stadt ein großes Grundstück in der Ortsmitte zur Verfügung. Entweder zur Veräußerung oder im Rahmen der Gestaltung der Ortsmitte für andere Ideen. Der Umzug der Kita-Gruppen vom Rathaus und vom Horthaus würde erst in 2022 anstehen, wenn die neue Kita Leipziger Straße fertiggestellt sei.

Eltern kritisieren weite Wege aus der Innenstadt zur Leipziger Straße

Insgesamt stehen laut Betriebserlaubnis Am Rathaus 100 Kita-Plätze und am Horthaus 35 zur Verfügung, in ganz Erlensee inklusive der konfessionellen Kitas 765 Plätze. Allerdings machte Erb darauf aufmerksam, dass die realen Zahlen davon abweichen, da in den vergangenen Jahren die Zahl der Integrationskinder, die einer speziellen Förderung bedürfen, gestiegen ist, und sich dadurch die Platzkapazität reduziere.

Renate Tonecker-Bös von den Grünen konnte trotz Erbs Ausführungen die Logik der Magistratsvorlage nicht nachvollziehen. Wenn Eltern aus der Innenstadt ihre Kinder nach Rückingen an die Leipziger Straße bringen müssten, wäre eine Wohnortnähe nicht mehr gegeben, so Tonecker-Bös. Eltern müssten ihre Kinder mit dem Auto zur Kita bringen.

In diese Kerbe schlugen auch einige Eltern, die ans Rednerpult traten, nachdem der Ausschuss den Zuschauern ein Rederecht eingeräumt hatte. Die Kinder seien an die Erzieherinnen und die Umgebung im Horthaus gewöhnt, meinte ein Vater. Dass die Kinder nun umziehen müssten sei unverständlich. Eine Mutter, die ein Kind in der Wichtelgruppe im Horthaus hat, übergab 19 Unterschriften an Bürgermeister Erb von Eltern, die ihre Kita-Kinder weiter im Horthaus betreut wissen wollen. „Zehn von diesen Eltern haben kein Auto“, so die Mutter. Die müssten einen Fußmarsch von 20 Minuten oder mehr auf sich nehmen, um zur Leipziger Straße zu kommen. Das wäre für berufstätige Eltern oder Eltern mehrerer Kinder schwer zu schaffen.

Bürgermeister: Stadt bemühe sich um Übergangslösungen

Dr. Barbara Griemert, die Elternbeiratsvorsitzende des Horthauses, trat ebenfalls ans Mikrofon. Sie bedauerte, dass der Bürgermeister von den Plänen bezüglich des Horthauses beim Treffen der Verwaltung mit den Elternbeiratsvorsitzenden aller Kitas in der vergangenen Woche nichts erwähnt hätte. Und sie bat die Verwaltung darum, die jetzigen Kita-Gruppen im Horthaus auslaufen zu lassen, anstatt alle im kommenden Sommer umzuziehen. Eine Mutter erinnerte daran, dass die Kinder schon genug unter der Pandemie zu leiden hätten. Es dürfe nicht schon wieder auf dem Rücken der Kinder Entscheidungen getroffen werden.

Bürgermeister Erb betonte, dass die Stadt bemüht sei, Übergangslösungen für die Kita-Kinder des Horthauses zu schaffen. „Die Erzieherinnen ziehen ja auch mit in die Leipziger Straße“, versuchte er die Elternsorgen zu beruhigen. Er machte aber auch deutlich, dass ein Auslaufen-lassen der Kita-Gruppen an der Langendiebacher Straße nur bis zu einem gewissen Punkt Sinn mache. Denn die Stadt hätte nicht genug pädagogische Fachkräfte, um zu kleine Kita-Gruppen weiter zu betreiben. Außerdem verwies er darauf, dass das Horthaus, das seit September 2017 in Containern auf dem Schulhof der Georg-Büchner-Schule untergebracht ist, eigentlich nur ein Provisorium ist. Und dass die Fläche vom Main-Kinzig-Kreis vielleicht auch nicht unbegrenzt zur Verfügung gestellt werde.

Die Kita Am Rathaus ist stark sanierungsbedürftig. Die vier Gruppen sollen nach dem Willen des Magistrats 2022 in die Leipziger Straße ziehen.
Die Kita Am Rathaus ist stark sanierungsbedürftig. Die vier Gruppen sollen nach dem Willen des Magistrats 2022 in die Leipziger Straße ziehen. © monica bielesch

Auf Vorschlag von Renate Tonecker-Bös stimmten die sieben Ausschussmitglieder die drei Punkte einzeln ab. Horst Pabst (CDU) erklärte vorher den vielen Zuschauern, dass der Ausschuss lediglich eine Empfehlung an die Stadtverordnetenversammlung abgibt. Über diese Magistratsvorschläge werden letztendlich am kommenden Donnerstag, 16. Dezember, die Stadtverordneten in der Stadtverordnetenversammlung befinden.

Dass Bürgermeister Erb mit der Vorlage dieses Grundsatzbeschlusses auch seine eigenen Parteifreunde überrascht hat, ließ Uwe Laskowski (SPD) durchblicken. Der Stadtverordnetenvorsteher versicherte den Eltern jedoch, dass sich die Stadtverordnetenversammlung sehr um das Wohl der Kinder in Erlensee bemühe.

Die sieben Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses stimmten am Ende mehrheitlich dafür, den Betrieb der Kita Leipziger Straße nicht auszuschreiben. Drei Mitglieder stimmten dagegen, die vier Gruppen der Kita Am Rathaus umzuziehen, vier Parlamentarier enthielten sich.

Das weitläufige Gelände der Kita Am Rathaus könnte im Zuge der Innenstadt-Entwicklung genutzt werden.
Das weitläufige Gelände der Kita Am Rathaus könnte im Zuge der Innenstadt-Entwicklung genutzt werden. © Monica Bielesch

Und auch der Plan die Kita-Gruppen des Horthauses umzuziehen, fand keine Befürworter im Ausschuss: Keiner stimmte dafür, drei waren dagegen und vier enthielten sich. Nun wird die Vorlage im Stadtparlament wieder diskutiert. Die Eltern, so Horthaus-Elternbeiratsvorsitzende Dr. Griemert, wollen dann wieder auf den Zuschauerstühlen in der Erlenhalle Platz nehmen.

Weitere Infos:

Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag, 16. Dezember, 19.30 Uhr, großer Saal der Erlenhalle. Diese Versammlung ist öffentlich.

(Von Monica Bielesch)

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