Gelnhausen

Der erste Unverpackt-Laden im Main-Kinzig-Kreis hat eröffnet

Neue Idee für Inklusion umgesetzt: Insgesamt werden künftig 18 Menschen im „Mittendrin“, dem neuen Unverpackt-Laden des Behindertenwerks Main-Kinzig in der Gelnhäuser Innenstadt, eine Beschäftigung haben. Foto: Andrea Euler

Gelnhausen. Die Behälter blitzen und glänzen. Reis, Nudeln, Hülsen- und Trockenfrüchte oder Buchweizenflakes, Gerstenflocken und fertige Mischungen wie Crunchy Granola Zimt und Apfel liegen bereit.

Von Andrea EulerUnd zwar so, dass die Kundschaft selbst entscheiden kann, wie viel von welchem Produkt sie möchte: Der erste Unverpackt-Laden im Main-Kinzig-Kreis hat eröffnet.

Und das neue Geschäft in der Barbarossastadt erfüllt soziale und ökologische Zwecke gleichermaßen: Menschen mit Handicap finden Arbeit und zeigen, wie sich Inklusion mit Nachhaltigkeit verbinden lässt.

Und ökologisch orientierte Menschen haben die Chance, plastikfrei einzukaufen. 250 Produkte umfasst das Sortiment des neuen Geschäfts, das vom Behindertenwerk Main-Kinzig (BWMK) betrieben wird. Neben Lebensmitteln sind im „Mittendrin“ auch unverpackte Reinigungs- und Waschmittel sowie Seife im Angebot. Vieles ist nach Bio-Richtlinien und in der Region erzeugt.

Behindertenwerk bringt soziale und ökologische Zwecke in Einklang

Gebinde zwischen fünf und 25 Kilogramm werden von den Betreibern eingekauft und in die Verkaufsbehälter in der Gelnhäuser Bahnhofstraße 17 umgefüllt. „Aktuell haben wir zwölf Lieferanten, und 90 Prozent unserer Produkte sind Bio-Artikel.

Unsere Lieferanten sind regionale Anbieter wie Hofgüter und Bauern aus dem Odenwald und Großhändler“, sagt Christa Hummel, die mit ‧diesem Projekt ihren Abschied vom Behindertenwerk nimmt. Sie zerstreut motiviert die Bedenken der einen oder anderen Hygienefrage, die ihr im Zusammenhang mit dem Unverpackt-Laden zu Ohren kommt: „Im Trockensortiment, das wir führen, gibt es lange Mindesthaltbarkeitsvorschriften“, sagt sie.

Die Schüttware ist in speziellen Schöpfbehältern mit kleinen Öffnungen untergebracht. „Unverpackt heißt nicht, dass die Dinge offen im Laden liegen“, so die Projektleiterin, die ihren Posten nun an Paul Hellmann übergibt. Alle Details seien bereits im Vorfeld mit der Lebensmittelaufsicht besprochen worden – etwa die räumliche Trennung von Reinigungs- und den Lebensmitteln.

Martin Berg bringt die Idee aus Kiel mit

Ideengeber für das neue Angebot sei Martin Berg, der Vorstandsvorsitzende des BWMK, gewesen: Dieser habe den ersten deutschen Unverpackt-Laden in Kiel besucht und sei seither von dem Gedanken beseelt gewesen, das BWMK könne einen solchen auch führen.

Als Hummel die Idee an ihn herantrug, mit Mitteln der hauseigenen Bio-Imkerei Tüten herzustellen, die mit Wachs- und Kokosöl getränkt werden und dazu dienen, Plastikmüll zu vermeiden, kam er erneut auf die Idee des „Zero-Waste-Ladens“ zurück. Und dann ging alles ganz schnell: Im Dezember 2018 wurde die Idee konkret, nun wurde Eröffnung gefeiert.

Der Unverpackt-Bereich nimmt nun die Hälfte des Ladengeschäfts in Gelnhausens Stadtmitte ein, die zweite Hälfte ist den Produkten der „Gläsernen Manufaktur“ vorbehalten.

"Gläserne Manufaktur" stellt Gelnhausen-Souvenirs her

Hier werden mit Hilfe eines Lasergeräts spezielle Gelnhausen-Souvenirs hergestellt. Oder auch individuelle Geschenke, die die Kunden bestellen. Der Clou: „Die Kunden dürfen zu sehen, wie Menschen mit Behinderungen diese Produkte herstellen.“

Aktuell werden letzte Details im Laden noch umgestellt: Die Postkarten, die in Plastikhüllen verpackt sind, werden noch abverkauft. „Bis gestern haben wir sogar Geschenke noch in Zellophan verpackt“, räumt Hummel ein. Doch damit ist jetzt Schluss. Mit dem Lasergerät werden ganz spezielle Papp-Geschenketräger hergestellt, die auf Wunsch sogar mit einer persönlichen Widmung versehen werden können. „Auch bei uns selbst hat ein Umdenken stattgefunden“, räumt Hummel ein.

Insgesamt arbeiten künftig 18 Menschen im „Mittendrin“. Einer von ihnen ist Patrick Willert (34). Er hat schon in der Gastronomie gearbeitet, auch den Einzelhandel schon kennengelernt – und er freut sich darauf, künftig regelmäßig Kundenkontakt zu haben.

Informationen: Die Öffnungszeiten des Unverpackt-Ladens: Dienstag bis Donnerstag von 10 bis 18 Uhr, Freitag von 10 bis 19 Uhr, Samstag von 10 bis 16 Uhr

Quelle: Hanauer Anzeiger

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