Impfen bei Hausärzten

Impf-Situation entspannt sich: Trotzdem gibt es Probleme

Der Mangel an Corona-Impfstoff scheint auch in der Region Hanau überwunden – zumindest, solange man außer Acht lässt, dass nicht jeder, der möchte, Biontech bekommen kann.
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Der Mangel an Corona-Impfstoff scheint auch in der Region Hanau überwunden – zumindest, solange man außer Acht lässt, dass nicht jeder, der möchte, Biontech bekommen kann. (Archivbild)

In Hanau und im restlichen Main-Kinzig-Kreis ist es wieder leichter, an eine Corona-Impfung zu kommen. Bei Hausärzten herrscht weiter Unmut.

Main-Kinzig-Kreis – Wer Anfang Dezember nach einem Termin für die Booster-Impfung Ausschau gehalten hat, musste Geduld mit sich bringen. Oft war die ersehnte Spritze nur mit langer Wartezeit zu bekommen. Die Hausärzte konnten die enorme Nachfrage nicht zeitnah bedienen. Häufig wurde nach Alter priorisiert. Und über das Impfportal des Kreises waren zwar Termine zu bekommen, jedoch waren diese schnell ausgebucht.

Mittlerweile hat sich die Lage wieder grundlegend geändert: Das Angebot an Impfstoff übersteige momentan die Nachfrage, bestätigt der Main-Kinzig-Kreis auf Nachfrage unserer Zeitung. Auch der Hausärzteverband sieht Entspannung. Die in der Redaktion eingegangenen Offerten einiger Arztpraxen, man habe noch Impfstoff zur Verfügung und biete derzeit Termine ohne Anmeldung an, unterstreichen den Wandel.

Kreis-Sprecher Frank Walzer erläutert unserer Zeitung, den Schwerpunkt der Impfkampagne bildeten unverändert die niedergelassenen Ärzte. Sie sollen nach dem Willen des Landes Hessen und der Kassenärztlichen Vereinigung den Hauptanteil der Impfungen übernehmen. Der Kreis mache ergänzende Angebote.

Corona-Impfung: Sonderaktionen in Hanau und im Main-Kinzig-Kreis

Einen großen Teil der Nachfrage vor einigen Wochen habe man mit einer Reihe von Sonderaktionen bedienen können. Walzer erinnert etwa an den Impf-Marathon in der Hanauer August-Schärttner-Halle am 11. und 12. Dezember mit 4700 Impfungen und die Impf-Aktion im Bischofsheimer Bürgerhaus am Wochenende darauf mit 1000 Impfungen. Hinzugekommen seien viele dezentrale Sonderaktionen von Ärzten, unterstützt durch Kommunen, Vereine und Verbände.

„Die allermeisten Booster-Wünsche konnten somit binnen kurzer Zeit erfüllt werden, während sich der Anteil der Erstimpfungen weiter eher in Grenzen hält, auch in diesen ersten Januar-Tagen. Das erklärt insgesamt die Situation, dass das Angebot die Nachfrage derzeit übersteigt“, so Walzer. Warteschlangen vor den Dein-Pflaster-Impfstellen seien aktuell die Ausnahme.

Allerdings sei auch zu erkennen, dass der Bedarf nach Impfungen leider wieder zurückgegangen sei. Der Main-Kinzig-Kreis übernehme daher mit mobilen Aktionen, unterstützt durch die Städte und Gemeinden, vor Ort die wichtige Funktion, niederschwellige Angebote zu machen, die auch Menschen ansprechen, die vielleicht nicht nach Hanau in die Innenstadt kämen oder sich bisher noch keinen Termin gebucht hätten, so Walzer.

Corona-Impfstoff im Main-Kinzig-Kreis: Biontech weiterhin „extrem rar“

Stärkeres Interesse rufen die seit kurzer Zeit möglichen Impfungen für Fünf- bis Elfjährige hervor. Die Nachfrage nach Kinderimpfterminen sei hoch, bestätigt der Kreispressesprecher. Im Rahmen der Kampagne „Dein Pflaster“ biete der Kreis in Kooperation mit dem Klinikum Hanau und den Main-Kinzig-Kliniken an fünf Impfstellen im Kreisgebiet immer wieder Impftage an. „Wo es geht, werden die Kapazitäten ausgebaut“, so Walzer. Erst in der vergangenen Woche seien wieder neue Termine an den Impfstellen eingestellt worden, die noch längere Zeit danach verfügbar gewesen seien.

Der Öffentliche Gesundheitsdienst habe dieses Angebot auch in den Tagen nach Weihnachten, also auch während der Weihnachtsferien, fortgesetzt. Wenn nun nach den Ferien sämtliche Kinderarzt-Praxen wieder ihren Betrieb aufnehmen und das Impfangebot noch breiter wird, „wird sich die Situation vielleicht in Kürze schon wieder entspannen, ähnlich wie bei den Jugendlichen und den Erwachsenen“, so Walzer.

Der Hausärzteverband beurteilt die Lage ähnlich. „Im Moment läuft es gut“, sagt Dr. Renato Lomiento, Vorsitzender des Bezirks Main-Kinzig, mit Blick auf die Impf-Situation in den Praxen. Mit dem Vakzin von Moderna sei seine Praxis ausreichend ausgestattet, Biontech allerdings sei weiterhin „extrem rar“ und nur für Menschen unter 30 verfügbar. Von zu viel Impfstoff könne er daher insgesamt nicht sprechen. Er vermute, dass die Situation in anderen Praxen ähnlich sei.

Hanau/Main-Kinzig-Kreis: Wartezeiten für Corona-Impfung wieder deutlich kürzer

Die Wartezeiten für einen Termin lägen in seiner Praxis bei rund sieben Tagen, sagt Lomiento. In den Monaten zuvor seien die Wartezeiten deutlich länger gewesen. Dies habe auch daran gelegen, dass sich die Praxen zunächst auf die Zusatzarbeit einstellen hätten müssen. „Der normale Praxisbetrieb muss ja weiterlaufen“, so Lomiento.

Die aktuelle politische Diskussion zur Impfpflicht stimmt den Hausarzt unzufrieden. Es mache die Situation konfus, dass es ständig hin und her gehe, man sich nicht entscheide. „Die Politik ist nicht konsequent genug“, sagt Lomiento mit Blick auf andere Länder, in denen eine Impfpflicht bereits umgesetzt wurde. „Die Leute sterben und wir schauen zu, das ist nicht zu akzeptieren.“

Termine sind bei den Hausärzten zu bekommen sowie über das Terminportal auf der Seite „Dein Pflaster“ auf mkk.de buchbar.

Wöchentlich 15.000 Dosen möglich

Die Impfleitung des Main-Kinzig-Kreises bestellt wöchentlich für die Dein-Pflaster-Impfstellen und die mobilen Aktionen so viele Impfdosen, wie Kapazitäten vorhanden sind, erläutert Kreispressesprecher Frank Walzer. Das bedeute, dass an sämtlichen Stellen und bei allen Angeboten voll ausgelastet geimpft werden könnte. Theoretisch seien von den Kapazitäten an den verschiedenen Impfstellen des Landkreises inklusive der mobilen Aktionen pro Woche etwa 15.000 Impfungen möglich. Das müsse der Main-Kinzig-Kreis immer auch abhängig vom Impfstoff vorausplanen. Wenn an einzelnen Stellen die Impfnachfrage geringer ausfalle, werde das in den Planungen der Folgewoche entsprechend berücksichtigt. 

(Christian Dauber)

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