Landrat a. D. wird 80

Eyerkaufer feiert und hilft auf Sri Lanka – Partnerschaft mit Beruwala wirkt auch über die große Distanz

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Hilfe für ein würdiges Leben: Eines von 17 neuen Häusern ist übergeben worden. Daneben befinden sich noch elf Häuser im Bau, Insgesamt wurden bis jetzt 325 Häuser errichtet.

Mehr als 15 Jahre nach der Tsunami-Katastrophe am 26. Dezember 2004 in Südostasien, die alleine in Sri Lanka 50 000 Tote gefordert hatte, sind Landrat a.D. Karl Eyerkaufer und seine Frau Marion kürzlich zur bereits 27. Hilfsreise nach Beruwala gereist, der Partnerregion des Main-Kinzig-Kreises.

Zur Delegation gehörten der frühere Kreisbeigeordnete Matthias Zach, die Kreistagsabgeordnete Ursule Conen, der Kreisbeigeordnete Jens Feuerhack, Erlensees Bürgermeister Stefan Erb mit Frau Vanessa sowie weitere 20 Sponsoren. „Alle haben selbstverständlich die Kosten der Reise selbst getragen“, heißt es in einer Pressemitteilung des Landratsamtes. Parallel zum Besuch fand auch der dritte Schüleraustausch der Albert-Einstein-Schule Maintal mit der Partnerschule in Beruwala statt. Die Gruppe mit zwölf Schülern wurde geleitet von Schulleiter Claus Wörn und Stufenleiterin Claire Lambrecht. 

Während des rund zweiwöchigen Aufenthalts lernten die Schüler eine gänzlich andere Kultur und weltanschauliche Unterschiede kennen, die nach eigener Aussage „zu einer Bereicherung ihres Lebens“ führen. 

Viele Projekte wurden in den letzten 15 Jahren umgesetzt

Die Partnerschaft wirke auch über die große Distanz, wie die Kreistagsabgeordnete Ursule Conen berichtet. In Sri Lanka gilt inzwischen wegen der Corona-Pandemie eine totale Ausgangssperre – soziale Absicherung oder staatliche Hilfe gibt es nicht. Das treffe vor allem die armen Familien, die keine umfangreichen Vorräte besitzen. „Wir haben uns nun mit dem Betreiber des Waisenhauses Pahalage verständigt, dass er sich mit unserer finanziellen Unterstützung um rund 40 hungernde Familien kümmert“, so Conen weiter. 

Der Betreiber verfüge über die polizeiliche Genehmigung zum Einkaufen, weil er die Waisenkinder versorgen muss. Anfang März war die Situation noch relativ normal, so dass die Delegation aus dem Main-Kinzig-Kreis ihr Programm planmäßig absolvieren konnte. Im Mittelpunkt des Aufenthalts stand vor allem die Sicherstellung der Nachhaltigkeit der vielen Projekte, die über die Aktion „Main-Kinzig-Kreis hilft Beruwala“ in den vergangenen 15 Jahren umgesetzt wurden. Dabei ging es vor allem um die klimatisch bedingt notwendige Grundsanierung der Frauenklinik im Stadtteil Maradana. Diese wurde vom Tsunami im Dezember 2004 völlig zerstört und ein Jahr später durch Spenden aus dem Main-Kinzig-Kreis neu errichtet. 

Großzügige Spende zu Gunsten eines Mädchenheims

Jetzt hat es eine großzügige Spende des Facharztes für Neurochirurgie Dr. med Sonchai Tiyaworabun in Schlüchtern ermöglicht, dass die Klinik innen und außen saniert wurde und erstmals eine Klimaanlage erhielt. Mit dem Erlös vom Verkauf von Bildern bei Ausstellungen des Künstlerehepaars Edith Arnold und Engelbert Fischer aus Rodenbach wurde zusätzlich ein Generator angeschafft, der die häufig ausfallende Stromversorgung überbrückt. Die Zahnklinik der Stadt wurde wieder mit wichtigen Utensilien ausgestattet. So gab es Zahnbürsten, einen elektrischen Mikromotor für den Betrieb der Zahnbohrer, zwei Bildschirme für Prophylaxe-Filme in den Wartezimmern sowie weitere zahnärztliche Instrumente. Besonders engagiert haben sich hier vor allem Dr. Sybille Keller von der Organisation „Zahnärzte ohne Grenzen“ sowie Dr. Maximilian Klee aus Schöneck. 

Immer noch viel Elend: Auch mehr als 15 Jahre nach dem Tsunami finden sich noch notdürftige Unterkünfte.

Im Waisenhaus „Mama und Papa“ für geistig und körperlich behinderte Kinder und Jugendliche wurden eine neue Küche gebaut, Dachschäden beseitigt und die Abwassersituation verbessert. Außerdem wurden 17 zerschlissene Matratzen durch neue ersetzt, heißt es in der Reisebilanz der Delegation. Fortgesetzt wurde ebenso die Sehhilfe-Aktion, bei der rund 800 gebrauchte Brillen verteilt wurden. „Eine im vergangenen Jahr initiierte Spendenaktion zu Gunsten des Mädchenheims Pahalage, um die Ernährung der 20 Kinder zu gewährleisten, hat es ermöglicht, dass wir diese bis August 2020 sicherstellen können“, berichtet Eyerkaufer. „So benötigen wir pro Kind einen Euro Spende am Tag, um drei Mahlzeiten sicherzustellen.“ 

Diverse Gratulanten für Karl Eyerkaufer

Und der ehemalige Landrat vermeldet weiter: „Während unseres Aufenthalts konnten 17 Familien ihre Elendshütten verlassen und in ein menschenwürdiges Haus ziehen, dazu sind noch elf Häuser im Bau.“ Die Kosten eines Hauses mit Toilette, Stromversorgung und einem Wassertank liegen bei jeweils 1500 Euro. Insgesamt erhielten bis jetzt 325 Familien durch die Hilfe der Menschen, Institutionen und Unternehmen aus dem Main-Kinzig-Kreis ein neues Zuhause in Beruwala. Und dann gab es auch im Rahmen des Aufenthalts noch etwas zu feiern: Eyerkaufer wurde 80 Jahre alt. Dazu hat er persönlich rund 300 Menschen eingeladen, Freunde des Sun-Rise-Sports-Club Beruwala, die ihn seit 40 Jahren begleiten, dazu arme Familien, Kinder und Jugendliche aus Waisenhäusern, Kindergärten und Schulen, die die Geburtstagsfeier mit Gesängen und Tänzen gestalteten. 

Unterstützung, die ins Rollen kommt: Auszubildende des Technical Trainings Instituts, die weit entfernt wohnen, erhielten Fahrräder, um ihre Ausbildungsschule zu erreichen.

Zu den Gratulanten zählte ebenso der Deutsche Botschafter in Sri Lanka, Jörn Rohde. Außerdem gratulierten viele Abordnungen der sozialen Projekte, die „Main-Kinzig-Kreis hilft Beruwala“ in den vergangenen 15 Jahren geschaffen hat – und nicht zu vergessen 40 deutsche Gäste. „Ein Fest für alle Gesellschaftsschichten in einem Land feiern zu dürfen, das von einem jahrzehntelangen Bürgerkrieg, einer Naturkatastrophe und dem Terroranschlag im vergangenen Jahr gezeichnet ist, das war mein schönstes Geschenk zum 80. Geburtstag“, resümiert Eyerkaufer nach seiner Rückkehr. Auch nach dieser nunmehr 27. Hilfsreise gilt sein großer Dank den Helfern vor Ort. „Sie tragen mit ihrem Einsatz dazu bei, dass die vielen armen Menschen in der Region Beruwala mit Würde an der Gesellschaft teilnehmen können“, so der ehemalige Landrat, der das Projekt auch weiter aktiv begleiten will.

Die Spendenkonten 

Zur Unterstützung der Aktion „Main-Kinzig-Kreis hilft Beruwala“ steht das Konto 9 99 94 bei allen Sparkassen des Kreises zur Verfügung. Als Verwendungszweck ist „Spende“ anzugeben, eine Bescheinigung wird ausgestellt. Dazu sollte die Adresse angegeben werden. Die Konten: Sparkasse Hanau, DE47 5065 0023 000 0999 94; Kreissparkasse Gelnhausen DE56 5075 0094 0000 0999 94; Kreissparkasse Schlüchtern DE27 5305 1396 0000 0999 94

Quelle: Hanauer Anzeiger

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