Gelnhausen/Hasselroth

Frau an Haaren gezogen: Erneute Bewährungsstrafe für den Täter

Symbolfoto: pixabay

Gelnhausen/Hasselroth. Der laute Schrei einer jungen Frau mitten in der Nacht in Neuenhaßlau hat im August des vergangenen Jahres zunächst Anwohner aufgeschreckt und dann einen Polizeieinsatz ausgelöst. Ein 29-jähriger Mann soll die Frau an den Haaren gezogen und sich anschließend heftig gegen seine Festnahme gewehrt haben.

Von Andreas ZiegertDa er nur auf Bewährung auf freiem Fuß war, forderte die Staatsanwaltschaft Hanau vor dem Amtsgericht Gelnhausen eine Gefängnisstrafe für den Staplerfahrer, der vom Gericht allerdings eine letzte Chance bekam.Tatort war am 12. August die Hasselbachstraße: Gegen 3.50 Uhr hörte ein 43-jähriger Zeuge zunächst einen Schrei, „wie ich ihn so noch nicht gehört hatte“. Er rannte auf die Straße und traf auf den Angeklagten und eine 22-jährige Frau.

Beide hatten zuvor gemeinsam ganz in der Nähe einen Polterabend besucht. „Bitte nehmen sie mich weg von ihm“, soll die Frau immer wieder gesagt haben, woraufhin sie der Zeuge in einen Hausflur führte. Der 29-jährige Angeklagte folgte beiden, stellte den Fuß in die Tür.

Weitere Bewohner geweckt

Die Tumulte weckten auch weitere Bewohner. Zwei Männer griffen ein, fixierten den Angeklagten schließlich auf dem Boden. Als zwei Polizeistreifen eingetroffen waren, wollte sich der 29-Jährige nicht beruhigen. Er leistete erheblichen Widerstand, stürzte gemeinsam mit einer Polizisten gegen ein geparktes Auto, beleidigte Beamte sowie Anwohner und musste schließlich in Hand- und Fußfesseln auf die Polizeistation in Gelnhausen gebracht werden. Eine dortige Blutentnahme brachte eine Alkoholisierung von rund 1,6 Promille zum Vorschein, außerdem hatte er Cannabis konsumiert.

In der Verhandlung schwieg er nun, das Motiv für sein Verhalten blieb damit unklar. Die Körperverletzung an der jungen Frau ließ er über seinen Verteidiger bestreiten, der in seinem Plädoyer den Einsatz von zwei Polizeistreifen zudem als „völlig überzogen“ bezeichnete.

Anwohner berichteten in der Verhandlung allerdings von einer völligen Eskalation des Angeklagten in jener Nacht, die 22-jährige Frau wirkte bei ihrer Aussage eingeschüchtert. Kurz nach der Tat hatte sie noch erklärt, dass der Angeklagte sie an den Haaren zu Boden gerissen habe, in der Verhandlung sagte sie aus, dass sie gestürzt sei. Möglicherweise spielte dabei auch eine Nachricht, die sie wenige Tage vor dem Prozess vom Angeklagten erhalten hatte, eine Rolle.

Vorwürfe als erwiesen angesehen

Gericht und Staatsanwaltschaft sahen auch so die Vorwürfe der vorsätzlichen Körperverletzung gegen die Frau und der versuchten Körperverletzung gegen die Polizisten sowie Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Beleidigung als erwiesen an.

Da der 29-Jährige vorbestraft ist und nach einer Verurteilung wegen Körperverletzung noch bis 2021 unter Bewährung steht, forderte die Staatsanwaltschaft eine sechsmonatige Haftstrafe ohne Bewährung. Das Gericht folgte zwar der Argumentation, gab dem Angeklagten, allerdings noch eine letzte Chance: Er wurde zu einer achtmonatigen Gefängnisstrafe verurteilt, die für vier Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird. Zudem muss an einem Anti-Aggressionstraining teilnehmen.

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