Händler fühlen sich aus ausgebremst

Frust auf der Zulassungsstelle: Autohäuser klagen über lange Wartezeiten - Amtsleiter klärt auf

Schild zur Zulassungsstelle des Main-Kinzig-Kreises in Hanau
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Die Hanauer Zulassungsstelle des Main-Kinzig-Kreises liegt gut erreichbar an der Dörnigheimer Straße.

Region Hanau – Das Auto ist des Deutschen liebstes Kind – das gilt auch in Zeiten von Corona. So haben nicht nur die Autohändler die Lockerung der Maßnahmen und die Öffnung ihrer Häuser herbeigesehnt. Auch so mancher Privatkunde oder auch Handwerksbetrieb fieberte seinem bestellten Neu- oder Firmenwagen entgegen.

Doch auch Wochen nach der Wiedereröffnung der Autohäuser läuft die Auslieferung der Fahrzeuge offenbar nicht so flott wie gewünscht. Einige Autohändler und Zulassungsdienste in der Region machen unter anderem die Zulassungsstellen dafür verantwortlich, wie eine stichprobenartige Umfrage unserer Zeitung ergeben hat.

„Wir müssen teilweise bis zu einer Woche warten“, berichtet ein Geschäftsführer, der namentlich nicht genannt werden möchte. „Vor Corona hatten wir unsere Zulassung am nächsten Tag, auch in Urlaubszeiten. Jetzt, wo sich die Infektionslage überall entspannt hat, ist das für uns und unsere Kunden nicht mehr nachzuvollziehen.“

Händler klagen über Abläufe auf Zulassungsstelle in Hanau

Ein anderer Händler klagt über die neuen Abläufe, die nun auf der Zulassungsstelle in Hanau gelten würden. „Vor dem Händlerschalter steht nun ein Tisch, auf dem wir unsere Unterlagen samt Fahrzeugbrief und Ausweisdokumenten ablegen müssen. Wir dürfen die Sachen nicht mehr persönlich ins Büro bringen. Dadurch hatten wir schon Probleme, weil angeblich die Schilder nicht abgegeben wurden.“

Auch die Zulassungsdienste haben derzeit alle Hände voll zu tun. Dadurch, dass Privatleute in der Hochphase der Pandemie mehrere Wochen auf einen Termin warten mussten, beauftragen sie Dienstleister mit der Zulassung ihrer Autos. Diese wiederum werden ebenfalls am Großkundenschalter bedient.

„Dadurch kommt es auch bei der Bearbeitung für die Händler zu Verzögerungen“, so die Vermutung des Geschäftsführers eines Hanauer Autohauses. „Genaue Auskünfte bekommen wir ja nicht. Corona ist das große Schlagwort. Unseren Kunden können wir das nicht vermitteln, die warten auf ihre Autos.“

Zulassungsstelle in Hanau wehrt sich gegen Vorwürfe

Silvio Franke-Kißner will das so nicht stehen lassen. Der zuständige Amtsleiter des Main-Kinzig-Kreises hat unsere Zeitung kurzerhand auf die Hanauer Zulassungsstelle eingeladen, um die Abläufe vor Ort zu erklären. „Ich habe den Eindruck, dass hier Informationen von den Angestellten der Autohäuser verzerrt an die Geschäftsführungen weitergegeben werden“, meint Franke-Kißner.

Er zeigt den angesprochenen Tisch vor dem Großkundenschalter, der im Übrigen nicht nur für Händler, sondern auch für Zulassungsdienste oder große Logistikbetriebe zuständig sei. „Der Kunde klopft, die Tür geht auf und die Mitarbeiterin nimmt die Unterlagen vom Tisch.“

Zulassungsstelle Hanau stellt klar: Alles läuft nach Plan

Der Tisch diene quasi nur als Zwischenablage, damit der Abstand zur Mitarbeiterin gewahrt bleibe. „Es trifft jedoch nicht zu, dass die Händler hier ihre Unterlagen unbeaufsichtigt zurücklassen müssen.“ Dass Schilder vermisst würden, komme gelegentlich vor, bestätigt der Amtsleiter. In 95 Prozent der Fälle läge die Ursache dafür jedoch aufseiten der Kunden.

Der Amtsleiter geht ein Büro weiter und bleibt vor einem Regal stehen. Jedes Fach ist mit einem Namen beschriftet. „Wenn die Zulassung bearbeitet ist, legen wir die Unterlagen zur Abholung wieder hier in die Händler-Schließfächer. Jeder Händler hat ein eigenes Fach, an das er vom Flur aus dran kommt. Einige Händler schließen die Fächer allerdings nicht ab, damit Kollegen die Unterlagen mitbringen können. Dafür übernehmen wir keine Haftung.“

Schließfächer sorgen für Sicherheit in Zulassungsstelle in Hanau

Wie aufs Stichwort öffnet sich in diesem Moment von außen eines der Schließfächer. Die Unterlagen werden entnommen, die Tür schließt sich, der Schlüssel dreht sich vorschriftsmäßig im Schloss.

Zwei Fächer darunter schiebt Franke-Kißner die darin abgelegten Nummernschilder nach vorn. Die Schließfachtür öffnet sich. „Nicht abgeschlossen“, kommentiert der Amtsleiter augenzwinkernd. „Wir kennen unsere Pappenheimer.“

Abstandsregeln nicht einzuhalten: Zulassungsstelle in Schlüchtern geschlossen

Zurück am Schreibtisch erläutert Franke-Kißner die grundsätzliche Arbeitssituation, die sich durch Corona auch auf der Zulassungsstelle verschärft habe. Die Außenstelle Schlüchtern sei geschlossen, weil dort aufgrund der räumlichen Situation die Abstandsregeln nicht hätten eingehalten werden können.

Die Mitarbeiter seien nun in Linsengericht eingesetzt. Kollegen von dort dürften allerdings nicht in Hanau und umgekehrt eingesetzt werden, um die jeweilige Belegschaft für einen eventuellen Quarantänefall getrennt zu halten.

Zulassungsstelle: Mitarbeiter gelten nicht als systemrelevant

„Hier in Hanau unterstützen sich natürlich alle Mitarbeiter gegenseitig“, erläutert der Amtsleiter. Allerdings seien Personalreserven der Kreisverwaltung im Gesundheitsamt eingesetzt. Auch seine Mitarbeiter hätten Überstunden am Corona-Bürgertelefon gemacht. Von den insgesamt 46 Bediensteten auf den drei Dienststellen seien sechs oder sieben Kollegen während Corona ausgefallen, weil sie einer Risikogruppe angehörten oder sich um die Betreuung der Kinder kümmern mussten.

„Unsere Mitarbeiter gelten eben nicht als systemrelevant“, so Franke-Kißner. Zudem mussten drei Mitarbeiter der Zulassungsstelle aus Quarantänegründen im privaten Umfeld zu Hause bleiben. „Hinzu kamen die Feiertagswochenenden“, so der Amtsleiter. „Das alles hat dazu geführt, dass wir durchaus Engpässe hatten.“

Seit Juni wieder Normalbetrieb auf Zulassungsstelle

Seit Juni laufe die Zulassung für Großkunden aber wieder weitgehend normal, versichert der Amtsleiter. Beschwerden über tagelange Wartezeiten könne er nicht nachvollziehen. „Eventuell haben die Zulassungsdienste Probleme bei der Abwicklung mit den Kunden, weil sie überlastet sind“, so seine Vermutung. Für private Zulassungen würden nach wie vor Termine vergeben. Aber auch hier habe sich der Vorlauf auf etwa eine Woche verkürzt.

Wer nur eine Adressänderung innerhalb des Main-Kinzig-Kreises, eine Außerbetriebsetzung oder eine Umschreibung nach Umzug vornehmen wolle, könne auch ohne Termin vorbeikommen. Wenn sich die Corona-Lage weiter entspanne, könne die Zulassungsstelle ab September wieder den Normalbetrieb aufnehmen.

„Allgemein gilt: die Leute müssen mit uns kommunizieren“, so das Fazit von Franke-Kißner. „Am besten per E-Mail. Wenn es bei einem Händler oder einem Gewerbetreibenden klemmt, können wir auch mal einen Termin dazwischenschieben. Man kann über alles reden. Nur telefonisch sind wir derzeit wirklich sehr schlecht zu erreichen.“

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