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Gegen Katja Leikert: Christian Reichardt aus Maintal kandidiert für den Bundestag

Möchte für die CDU in den Bundestag: Christian Reichardt aus Maintal hat seine Kandidatur am Donnerstag öffentlich gemacht. Im Gespräch beim HANAUER ANZEIGER erzählt er vn sich und seiner Motivation.
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Möchte für die CDU in den Bundestag: Christian Reichardt aus Maintal hat seine Kandidatur am Donnerstag öffentlich gemacht. Im Gespräch beim HANAUER ANZEIGER erzählt er von sich und seiner Motivation.

Lange Zeit war es nur ein Gerücht, jetzt ist es amtlich: Es gibt einen weiteren CDU-Kandidaten für die Bundestagswahl 2021.

Maintal/Region - Am Donnerstag hat Christian Reichardt seine Bewerbung um die Kandidatur im Wahlkreis 180 per E-Mail an die Kreisvorsitzende Dr. Katja Lekert, die er vorab telefonisch informiert hatte, und den Kreisvorstand geschickt, mit der Bitte, das Schreiben an die Mitglieder der Stadt- und Gemeindeverbände zu schicken.

Hatte man 2013 noch getitelt: „Katja wer?“, könnte man diese Überschrift erneut bemühen: Christian wer? Der 50-Jährige lebt seit 20 Jahren in Maintal. Als Mitglied des Stadtverbands hat er seine Kandidatur im Rahmen der Mitgliederversammlung am Donnerstagabend öffentlich gemacht, sich vorgestellt. Reichardt, geschieden und Vater von zwei erwachsenen Kindern, steht für die CDU zwar auf der Liste zur Kommunalwahl, ist bisher sonst aber öffentlich nicht in Erscheinung getreten.

CDU-Mitglied seitdem er 19 ist

Dabei gehört er der CDU schon seit seinem 19. Lebensjahr an. Damals trat der gelernte Bankkaufmann, dessen Interesse an Politik mit der deutschen Wiedervereinigung anfing, in die Junge Union seiner Heimatstadt Lippstadt ein.

1996 übernahm der Westfale den Vorsitz seines Ortsverbandes. „Ich habe in diesen fünf Jahren die Parteiarbeit auf Stadt- und Ortsverbandsebene kennengelernt“, erzählt Reichardt am Freitagnachmittag im Gespräch im Verlagshaus, „ich weiß, was ehrenamtliche Basisarbeit bedeutet.“

Unternehmer Reichardt beschäftigt 40 Mitarbeiter

Beruflich hat sich Reichardt nach Lehre und einigen Jahren in der Bank noch einmal neu erfunden und ein Studium der Anglistik, Germanistik und Pädagogik in Münster absolviert. Als ihm die Europazentrale der Sprachschule Berlitz eine Schulleiterstelle in Frankfurt anbot, zog der frisch gebackene Vater mit Frau und Kind nach Maintal um. Hier widmete er sich ab dem Jahr 2000 seinem eigenen Unternehmen.

Das Institut mit Sitz in Maintal organisiert bundesweit Sprach- und Nachhilfekurse, Klassenfahrten und Sprachreisen. „Unsere Kunden kommen aus dem Rein-Main-Gebiet und dem gesamten Main-Kinzig-Kreis“, erzählt Reichardt, der rund 40 Mitarbeiter beschäftigt. Reichardts Firma ist von Corona genauso betroffen wie viele andere Unternehmen. Kurzarbeit, Entlassungen – Dinge, mit denen sich der Geschäftsführer in den vergangenen Monaten auch auseinandersetzen musste. Das Geschäft läuft trotzdem, Pharmafirmen, Entwickler – sie alle haben weiter Schulungsbedarf.

Kandidat hat sich schon als Stadtrat in Langenselbold beworben

Reichardt hat sich schon im vergangenen Jahr nach und nach aus dem operativen Geschäft zurückgezogen. Sohn und Tochter, 20 und 18, gehen mittlerweile ihren eigenen Weg. Für den 50-Jährigen der richtige Zeitpunkt, wieder Politik zu machen. „Wenn man einmal dabei war, kommt man davon nicht mehr los“, sagt er.

Christian Reichardt im Gespräch mit HA-Redaktionsleiterin Yvonne Backhaus-Arnold.

Bevor der Wahl-Dörnigheimer seine Bundestagskandidatur bekannt gegeben hat, ist sein Name schon einmal aufgetaucht, denn Reichardt war einer von zehn Bewerbern um das Amt der hauptamtlichen Stadtrats in Langenselbold. Will er unbedingt in die Politik? „Nein“, sagt Reichardt. Er sei darauf aufmerksam gemacht worden, dass sich die CDU hier einen externen Bewerber wünsche.

„Ich kandidiere, weil ich Politik machen möchte“

Die Bundestagskandidatur hat der selbstständige Unternehmer nicht über Nacht erdacht. Er habe mit der Familie, mit Freunden, mit politschen Weggefährten gesprochen, sich gefragt: „Kann ich das?“ Die Frage nach dem Können hat er für sich mit Ja beantwortet, und dem Können noch das Wollen hinzugefügt. „Ich bin finanziell nicht auf ein Amt angewiesen“, erklärt er im Gespräch, „ich kandidiere, weil ich Politik machen möchte.“

Den Delegierten der CDU Main-Kinzig möchte er mit seiner Kandidatur eine Auswahl anbieten. „Sonst ist es ja keine Wahl“, sagt er. „Außerdem zeigt es, dass wir eine lebendige Partei sind.“ Reichardt spricht in seinem Anschreiben von offener und ehrlicher Kommunikation. Er erklärt auch, dass Parteipolitik „immer nur von unten nach oben funktionieren kann und nicht umgekehrt.“ Reichardt wirkt authentisch, beschreibt sich selbst als ehrlich und offen.

Positive Reaktionen auf die Kandidatur

Aus dem Kreisvorstand habe es am Freitag positive Reaktionen auf seine Kandidatur gegeben. In den kommenden Wochen will er sich in den Stadt- und Gemeindeverbänden vorstellen, hat dafür alle beruflichen Termine gestrichen oder an Mitarbeiter vergeben. Die aktuellen Corona-Auflagen machen es ihm natürlich alles andere als einfach. Dennoch: Durchsetzungsraft und Ausdauer bringt der ehemalige Marathonläufer und Karatekämpfer beim TV Hochstadt auf jeden Fall mit.

Neben einer großen Portion Lebenserfahrung kann Reichardt sowohl in wirtschaftspolitischen als auch in pädagogischen Fragen mitreden. Er weiß, was Corona für ein Unternehmen bedeutet, weiß, wie wichtig Breitbandausbau ist.

CDU-Duell: Reichardt gegen Leikert

Reichardt tritt gegen die Bruchköbelerin Katja Leikert an. Die 45-Jährige ist 2012 in die CDU eingetreten und wurde unmittelbar im Anschluss als Bundestagskandidatin der CDU Main-Kinzig nominiert, nachdem sie zuvor ein Praktikum bei Dr. Peter Tauber absolviert hatte. 2013 gewann sie mit 44,3 Prozent, 2017 mit 35,3 Prozent der Erststimmen das Direktmandat im Wahlkreis 180.

Bei der letzten Bundestagswahl gab es keinen weiteren Kandidaten, der seinen Hut für die CDU und gegen Katja Leikert in den Ring geworfen hatte. „Letztendlich“, sagt Christian Reichardt, „entscheiden die Delegierten, aber die haben jetzt wenigstens eine Wahl.“

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