Erster Schritt zum Neubaugebiet

Gemeindevertretung von Großkrotzenburg kauft zwei Grundstücke

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Die neuen stellvertretenden Gemeindebrandinspektoren Michael Thieroff und Patrick Looß bei ihrer Vereidigung durch Bürgermeister Thorsten Bauroth (von links).

Seit mehreren Jahren wird in den Gremien über die Entwicklung des Neubaugebietes „SGK 25.3“ nördlich der Straße Eichelacker am westlichen Rand der Kommune diskutiert. Mit dem Ankauf von zwei Grundstücken in diesem Bereich soll nun der erste Schritt zur Umsetzung gemacht werden.

Gegen die Stimmen der CDU und bei Enthaltung der SPD setzte die Mehrheitskoalition aus Grünen und FDP den Vorstoß durch. Kritik äußerte Christdemokrat Erich Fischer am verhandelten Preis für die beiden Teilstücke. 

Eines der Grundstücke erhält die Gemeinde zum Quadratmeterpreis von zehn Euro, das andere soll 60 Euro pro Quadratmeter kosten. Diese 60 Euro seien deutlich zu teuer, findet Fischer. Michael Ruf (Grüne) erinnerte daran, dass die Gemeinde in der Vergangenheit Grundstücke für Bauland für mehr als das Doppelte gekauft habe. Insgesamt sollen nun 111 000 Euro für die ersten Teilstücke des zukünftigen Wohngebietes investiert werden. 

Kritik, Forderungen und Meinungen von Seiten der Politik

Daniel Protzmann (FDP) erklärte, dass eine Art „Bodenbevorratungspolitik“ grundsätzlich nicht gut sei. „Wir brauchen Flächen, wenn wir die Gemeinde entwickeln wollen.“ Kritik am Ton, der im Rahmen des von Grünen und FDP beantragten Disziplinarverfahrens gegen Bürgermeister Thorsten Bauroth (parteilos) Einzug in die politischen Diskussionen gehalten hatte (wir berichteten), äußerten alle Gemeindevertreter. 

Max Schad (CDU) forderte eine Mäßigung in der Wortwahl, vor allem von Seiten des Bürgermeisters. Dieser habe sich im Ton vergriffen, als er den Antragsstellern öffentlich den Krieg erklärt habe. Ruf erneuerte die Kritik der Grünen, Bauroth habe mehrere Beschlüsse nicht umgesetzt. Als „Feierabendpolitiker“ könnten Gemeindevertreter „nur Impulse setzen, dafür stellen wir Anträge“. Seine Partei habe aber niemandem den Krieg erklärt, es habe sogar „Friedensangebote“ gegeben. Vor ihrem Antrag hätten sich die Grünen zunächst per E-Mail an die Kommunalaufsicht gewandt, den Sachverhalt erläutert und um eine Stellungnahme gebeten. 

Auch Uwe Bretthauer (SPD) sprach von einer Vielzahl von Anträgen, die nicht umgesetzt wurden und erinnerte an die Sanierung des Oberwaldstadions, bei dem sich seit 2016 nicht viel getan habe, „obwohl das Thema eigentlich politisch geklärt war“, so Bretthauer. Die für die Sanierung zugesagten 400 000 Euro KIP-Mittel des Landes, „werden Ende des Jahres verfallen“, befürchtet Bretthauer. Er plädierte für die Überweisung des Antrags zum Disziplinarverfahren ins Präsidium. 

Max Schad (CDU) ermahnt, dass man sich an die Regeln halten müsse

Gleichzeitig sei eine „Mediation“ mit der Kommunalaufsicht dringend nötig. Auch Schad zeigte sich dankbar für einen Tagesordnungspunkt, „der uns schon ein Stück weit bewegt“. CDU-Anträge seien von einer ausbleibenden Umsetzung der Verwaltung ebenfalls betroffen. „Wir leben davon, dass wir die Spielregeln, die uns aufgetragen sind, einhalten“, so Schad. Daniel Protzmann (FDP) sieht „Verwaltungsgeschäfte, die nicht so laufen, wie sie laufen sollten“, das sorge für Politikverdruss. Bauroth erklärte, er sei „aufgebracht“ gewesen, als er „mehr oder weniger über die Presse“ vom Vorstoß der Koalition erfahren habe. 

Die Vorwürfe seien teilweise „an Dreistigkeit nicht zu überbieten“ gewesen. Aussagen wie jene, dass sich in Sachen Oberwaldstadion nichts getan habe, seien schlicht falsch. Er habe sich nichts vorzuwerfen und sehe deshalb auch „überhaupt kein Problem“ mit der von Bretthauer vorgeschlagenen Unterhaltung im Präsidium. Dies sei jedoch kein Geständnis im Sinne des Antrages, „weil es nichts zu gestehen gibt“, so Bauroth. Lucas Bäuml (Grüne) bezeichnete den Antrag abschließend als „drastischen aber notwendigen Schritt“. 

Michael Thieroff und Patrick Looß sind neue stellvertretende Gemeindebrandinspektoren

In der Hoffnung, dass sich durch den öffentlichen Vorstoß etwas verändert und weil selbst der Koalitionspartner FDP seine Unterstützung für den gemeinsam gestellten Antrag verweigerte, zogen die Grünen den Antrag zurück. Die Forderung eines Disziplinarverfahrens gegen den Bürgermeister bleibt somit nur ein Schuss vor den Bug. Für ihre Ernennung und Vereidigung als stellvertretende Gemeindebrandinspektoren waren Michael Thieroff und Patrick Looß zu Gast im Gemeindeparlament. Bauroth bedankte sich für das Engagement der beiden Feuerwehrmänner und beglückwünschte sie zu ihrer neuen Position. 

Mit dem Amt sei ein enormer Zeitaufwand verbunden. Thieroff als erstem und Looß als zweitem Stellvertreter von Oliver Groß komme eine sehr wichtige Aufgabe zu. Sie seien jetzt „Repräsentanten der Feuerwehr, Organisatoren, Redner, Ausbilder“ und einiges mehr. Wegen dieser vielfältigen Aufgaben seien dem Gemeindebrandinspektor auch gleich zwei Stellvertreter zur Seite gestellt worden. Bauroth dankte abschließend dem bisherigen Stellvertreter Thomas Möller, den private Gründe in eine neue Heimat verschlagen haben.

Quelle: Hanauer Anzeiger

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