Großkrotzenburger Projekt an der Kahler Straße wird konkret

Baustart für das Ärztehaus in Großkrotzenburg

Das „Medzentrum“ mit Arztpraxen und Gesundheitsdienstleistern (links im Modell) soll am südöstlichen Ortsrand an der Kahler Straße entstehen.
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Das „Medzentrum“ mit Arztpraxen und Gesundheitsdienstleistern (links im Modell) soll am südöstlichen Ortsrand an der Kahler Straße entstehen.

Großkrotzenburg – Der Baustart für das Ärztehaus in Großkrotzenburg an der Kahler Straße steht bevor. Das teilt der Bauherr und Investor Ideenwelt Gesundheitsmarkt (IWG) mit Sitz in Gießen mit. Im Oktober soll es losgehen: Bis auf eine Fläche von 223 Quadratmetern im ersten Obergeschoss sei das Haus mit seinen vier Vollgeschossen komplett vermietet.

Die Inbetriebnahme des „Medzentrums“ sei für Sommer 2023 geplant.

Eigentlich hätte der Bau nach Plänen der Gemeinde bereits in diesem Frühjahr beginnen sollen, auch um entsprechenden Mietverträge mit Medizinern gerecht zu werden. Allerdings wurde erst Ende 2020 bekannt, dass für die Vorbereitung des Bauplatzes rund 300 000 Euro zusätzliche Kosten auf die Kommune zukommen.

Kanalarbeiten im August

Die Gemeinde will nun voraussichtlich im August mit der Verlegung eines Kanals, der unter dem Grundstück an der Kahler Straße verläuft, beginnen. Erst wenn diese Arbeiten abgeschlossen seien, könne der Bau des Ärztehauses starten, so die IWG.

„Ich freue mich, dass das Projekt nun in Kürze nach einer langen und konstruktiven Planungsphase auch sichtbare Gestalt annimmt“, erklärt Bürgermeister Thorsten Bauroth. Es entstehe ein „Meilenstein“, der der ärztlichen Versorgung in Großkrotzenburg eine vollkommen neue Dimension verleihe.

Die Großkrotzenburger Hausärztin Dr. Angela Kaus-Grammel, die eine treibende Kraft bei der Realisierung des Vorhabens ist, wird mit ihrer Praxis in das Ärztehaus ziehen und in diesem Schritt noch zwei weitere hausärztliche Sitze übernehmen. Lars Bergmann, seit Beginn der Projektierung ein Wegbegleiter der IWG, zieht mit seiner Praxis für Osteopathie und Naturheilkunde in die neue Immobilie ein. Hinzu kommt „Korpeo“-Physiotherapie und Aufbautraining, das sich das komplette zweite Obergeschoss gesichert hat. Im dritten Obergeschoss wird der Güven Pflegedienst eine Intensivpflege für Beatmungspatienten etablieren und es wird dort zudem eine noch nicht näher benannte Facharztpraxis geben. Güven wird mit der Tagespflege und einem mobilen Pflegedienst auch im Erdgeschoss vertreten sein. Mit dem Hörgeräteakustiker „Audeplus“ zieht ein neuer Gesundheitsspezialist nach Großkrotzenburg. Komplettiert wird das Angebot mit der Eröffnung einer Apotheke durch die Apothekerin Viola Mangelmann. Zukünftig werde es dabei möglich sein, vorbestellte Produkte auch nach Geschäftsschluss an einer sogenannten „Pick-up-Station“ abzuholen.

Letzte freie Fläche im Obergeschoss

Im ersten Obergeschoss neben dem Hausarztzentrum und der Osteopathie- und Naturheilkunde-Praxis befindet sich die letzte freie Fläche.

Insgesamt, so die IWG, werde eine Mietfläche von 3500 Quadratmetern entstehen. Fachärzte oder weitere Gesundheitsspezialisten, die sich niederlassen möchten, ihre Praxis verlegen, vergrößern oder auch eine Anstellung anstreben, können sich mit der IWG, z 0641 94886485, direkt in Verbindung setzen.

Die Entwicklungsgeschichte der Ärztehaus-Projektierung begann im Jahr 2017 mit einer Versorgungsanalyse, die die IWG im Auftrag der Gemeinde Großkrotzenburg durchgeführt hatte. Ihr Analyse-Ergebnis: Zur Sicherung der medizinischen Versorgung in Großkrotzenburg sei die Schaffung neuer, kooperativer Strukturen unumgänglich. Darüber hinaus sollten moderne, großzügige Räumlichkeiten geschaffen werden, da die bestehenden Praxisräume sich als nicht zukunftsfähig erwiesen.

Kritische Stimmen aus der Bürgerinitiative

Kritische Stimmen hatte es unter anderem aus den Reihen der Bürgerinitiative „Quo Vadis“ gegeben: Das Ärztehaus liege zu weit außerhalb der Neuen Mitte, wo es ebenfalls geeignete Gebäude gegeben hätte.

Stattdessen habe die Gemeinde eins der letzten noch unverbauten eigenen Grundstücke veräußert. Der Kaufpreis sei im Nachhinein durch die nötige Kanalsanierung gemindert worden sowie durch die Verpflichtung der Gemeinde, Parkplätze auf eigene Kosten zu errichten.

Auch sei laut der Initiative dahingestellt, ob wie angekündigt, tatsächlich eine Reihe von Fachärzten ins Haus einziehe, auch vor dem Hintergrund, dass eine gynäkologische Fachpraxis im Ort nicht neu besetzt werde. (Christine Semmler)

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