Großkrotzenburger Parlament beschließt, Vertrag mit dem Betreiber nicht zu verlängern

Bürgerhaus-Pächter erhält die Kündigung

Die Zukunft des Bürgerhauses in Großkrotzenburg ist immer noch ungewiss. Eins aber ist jetzt klar: Der langjährige Pächter Milijenko Prskalo bekommt seine Kündigung. Archivfoto: Per Bergmann
+
Die Zukunft des Bürgerhauses in Großkrotzenburg ist immer noch ungewiss. Eins aber ist jetzt klar: Der langjährige Pächter Milijenko Prskalo bekommt seine Kündigung. Archivfoto: Per Bergmann

Die große Überraschung hoben sich die Gemeindevertreter bis zum Schluss ihrer Sitzung auf. Als neunter Tagesordnungspunkt, nach gut zwei Stunden „business as usual“, kam das Thema Bürgerhaus auf den Tisch. Und entgegen aller Vorzeichen beschloss das Parlament mit knapper Mehrheit, den Pachtvertrag von Bürgerhaus-Betreiber Milijenko Prskalo nicht weiter zu verlängern.

Großkrotzenburg – Nach jahrelangem Hin und Her scheint die Diskussion um das Bürgerhaus nun eine entscheidende Wende zu nehmen: Der Vertrag von Prskalo, der seit über 20 Jahren das Restaurant „Midas“ im Bürgerhaus betreibt und das gesamte Gebäude seit 2006 für einen symbolischen Zins pachtet, läuft am 31. Dezember 2022 endgültig aus.

In der Vergangenheit hat die Gemeinde bereits viele Szenarien für das rund 7000 Quadratmeter große Areal diskutiert: Zur Debatte hatte etwa ein Erbpachtvertrag gestanden, mit dem sich Prskalo hätte verpflichten müssen, die aufgelaufenen Modernisierungskosten in inzwischen siebenstelligem Umfang zu übernehmen. Auch der Abriss und Neubau sowie der Verkauf des Areals an einen Wohnbauinvestor ist im Gespräch.

Doch eine Entscheidung gab es nicht. Stattdessen wurde Prskalos Vertrag immer wieder kurzzeitig verlängert. Die Gebäudesubstanz verfiel zusehends. Im April gab es einen Regenwasserschaden, weil das von der Bauverwaltung notdürftig geflickte Dach immer noch undicht ist. Es müsste für rund 300 000 Euro grundhaft saniert werden.

Die Gemeindevertretersitzung, die normalerweise im Bürgerhaus tagt, muss wegen dieses Schadens noch immer auf die Halle des TV Großkrotzenburg ausweichen. Das Bürgerhaus ist die einzige größere Versammlungsstätte im Ort. Außerdem ist es seit 40 Jahren Heimat des Jugendzentrums.

Schlussstrich wurde ganz plötzlich gezogen

Dass der Schlussstrich für den Pächter jetzt so plötzlich gezogen werden würde, hatten wohl wenige erwartet: Die Empfehlung aus dem Haupt- und Finanzausschuss (HFA) lautete nämlich anders: Nur zwei von sieben Ausschussmitgliedern hatten sich klar gegen eine Verlängerung des Vertrags ausgesprochen, mit der Begründung, es müsse endlich eine solide Lösung für das Haus gefunden werden (wir berichteten). Vier hatten die Verlängerung befürwortet, um nochmals Zeit zu gewinnen und die jährlichen Unterhaltungskosten von der Gemeinde abzuwenden. Hinzu kam eine Enthaltung.

Bei der Abstimmung im Parlament aber erzielten CDU und Krotzebojer Grüne mit nur neun Stimmen die Mehrheit für die Kündigung. Grund: Die Fraktionsmitglieder der Initiative Zukunftssicheres Großkrotzenburg (Initiative) ließen die Sitzung für zehn Minuten zur Beratung unterbrechen und verkündeten dann die Kehrtwende: Sie hätten beschlossen, sich zu enthalten. Im HFA hatte sich die stärkste Großkrotzenburger Fraktion noch für die Verlängerung des Vertrages mit Prskalo ausgesprochen.

„Uns fehlt zur Beurteilung die Grundlage“, begründete der Fraktionsvorsitzende der Initiative, Aloys Lenz, diesen Entschluss. Der Fraktion läge der Pachtvertrag nicht vor, obwohl sie mehrmals bei der Verwaltung angefragt habe. Lenz bekräftigt damit seine anhaltende, harsche Kritik an Bürgermeister Thorsten Bauroth (parteilos), die weitgehend von Grünen und SPD geteilt wird. Informationen würden nur spärlich und oft gar nicht rechtzeitig fließen, „Wir bekommen keine Unterstützung von der Verwaltung“, so Lenz.

Der Bürgermeister hielt sich in der Sitzung zurück, verfasste aber noch am selben Abend ein Schreiben an die Presse: Im HFA, so Bauroth, hätten „die Vertreter der Initiative noch mit FDP und SPD gegen die vorzeitige Kündigung des Pachtvertrages gestimmt. Offensichtlich ausreichend über den Sachverhalt informiert, denn es gab keinerlei Einwand dahingehend, dass man noch zusätzliche Informationen benötigen würde. Die heute gegebene Begründung ist daher für mich eine ganz billige Nummer.“ (Von Christine Semmler)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare