Digitalisierung

Franziskanergymnasium verteilt im Rahmen eines Großprojekts Tablets an alle Schüler

Jeder der rund 1200 Kreuzburg-Schüler soll im kommenden Sommer ein Tablet erhalten, um digitales Lernen zu ermöglichen.
+
Jeder der rund 1200 Kreuzburg-Schüler soll im kommenden Sommer ein Tablet erhalten, um digitales Lernen zu ermöglichen.

Das Kreuzburg Gymnasium will im Sommer nächsten Jahres einen großen Schritt in Richtung digitales Lernen und Lehren machen. Zum Schuljahr 2021/2022 will die katholische Privatschule an alle rund 1200 Schüler Tablets ausgeben.

Großkrotzenburg - Besonders bemerkenswert an diesem Prozess ist, dass die Schule nicht erst seit der Corona-Pandemie an einem Konzept für das Lernen der Zukunft arbeitet, sondern sich schon lange davor auf den Weg gemacht hat.

Schon vor drei Jahren habe sich die Schule mit der Grundsatzfrage beschäftigt, wie das Lernen der Zukunft an der Kreuzburg langfristig gestaltet werden soll, erzählte Schulleiter Thomas Wolf bei einer Pressekonferenz am Mittwochnachmittag über die Entwicklungsschritte an der Schule.

Schülerin demonstriert Vorteile der Tablets

„Uns war gleich klar, das muss aus der Schule heraus erwachsen“, sagte Wolf beim Treffen in der Schulbibliothek. Dort hatten sich zum Zeichen für die Geschlossenheit der Schulgemeinde Vertreter und Vertreterinnen der Lehrerschaft, der Schüler und der Eltern versammelt.

Chiara Sophie Batt, eine der zwei Schulsprecherinnen, hatte ihr Tablet vor sich auf dem Tisch liegen. Die Oberstufenschülerin arbeitet schon jetzt mit dem Gerät im Unterricht. „Alle meine Unterrichtsfächer habe ich dort in Ordnern“, berichtet sie, „und wenn ich im Unterricht ein Arbeitsblatt bekomme, fotografiere ich es und speichere es mir digital ab.“ Dieses Arbeiten sei zu Anfang zwar gewöhnungsbedürftig gewesen, aber mittlerweile will die junge Erwachsene das Tablet nicht mehr missen. „Meine Tasche ist tausendmal leichter und ich habe immer alle Unterlagen aller Fächer dabei.“

Technische Ausstattung ist Basis für weiteren Prozess

Wenn alle Schüler ab dem kommenden Schuljahr ein Tablet haben, sollen 20 bis 40 Prozent des Unterrichts damit stattfinden. An dem dafür notwendigen pädagogischen Konzept arbeitet die Schule bereits schon länger. Als das Kollegium vor drei Jahren begann, über das digitale Lernen und Lehren der Zukunft nachzudenken, stand schnell fest, dass dafür als Basis die technische Ausstattung die erste Konsequenz ist. Seitdem sind viele kleine Schritte hin zu mehr Digitalisierung an der Kreuzburg verwirklicht worden. Über die Benennung von drei Lehrern zu Medienbeauftragten, bis hin zur kontinuierlichen technischen Ausstattung der Klassenräume mit kabellosen Beamern, Dokumenten-Kameras und flächendeckendem Wlan an der ganzen Schule.

Die ganze Schulgemeinde steht hinter dem Konzept für das Projekt „Lernen der Zukunft“. Schulleiter Thomas Wolf (rechts) freut sich über die breite Unterstützung.

Im vergangenen Sommer wurde zum Beispiel in allen Klassen ein digitales Klassenbuch eingeführt. Noch bevor Corona Realität wurde, wurde Office 365 als Lern-Plattform für die ganze Schule angeschafft. „Zum zweiten Halbjahr 2020 hatte jeder Schüler seine eigene Email und seinen Account“, so Wolf. Gleichzeitig wurden und werden alle Lehrerinnen und Lehrer mit Fortbildungen kontinuierlich auf die Neuerungen vorbereitet.

Im März beschloss die Gesamtkonferenz, dass alle Schüler mit einheitlichen Tablets ausgestattet werden sollen. Davon würden auch diejenigen Schüler profitieren, die sich heute kein Gerät leisten könnten, so Schulsprecherin Emilia Vogt Torres.

Corona zwingt die Kreuzberg zum schnelleren Handeln

Dann kam am 16. März der Corona-Lockdown aller Schulen und des gesamten Landes. Zwar sah sich die Kreuzburg aufgrund ihrer Vorarbeiten für das Homeschooling sehr gut aufgestellt, aber: „Der gesamte Prozess musste dann schneller gehen als geplant“, berichtete Wolf. Und plötzlich waren grundsätzliche Bedenken oder Grundsatzdiskussionen über Vor- und Nachteile von digitalem Lernen „obsolet“, so der Schulleiter. Insofern wurden die laufenden Konzeptionierungen an der Kreuzburg vom Corona-Virus befeuert.

Im laufenden Schuljahr werden an pädagogischen Tagen die nächsten Schritte in der Schulgemeinschaft erarbeitet, um gerüstet zu sein für die Ausstattung mit den Geräten im kommenden Sommer. Insgesamt sei dies ein langfristiger Prozess über viele Jahre hinweg. Denn entsprechend müssten nun die Lehrmethoden und die Didaktik angepasst werden.

Individualisiertes Lernen durch Tablets

Der Einsatz der Tablets ermögliche viel mehr individualisiertes Lernen. Beispiel Sprachen: Jeder Schüler kann seinem Niveau entsprechend auf dem Tablet unterschiedlich schnell lernen. Der Schulleiter: „Wir machen jetzt Erfahrungen, die anderen Schulen helfen können, die sich ebenfalls auf diesen Weg machen.“

Mit „mobiles lernen“ aus Nordrhein-Westfalen hat die Kreuzburg einen erfahrenen und gleichzeitig gemeinnützigen IT-Anbieter gefunden. „mobiles lernen“ ist eine Initiative der gemeinnützigen Gmbh „Arbeit für Menschen mit Behinderung“ (AfB). Dieser Aufbereiter für Computer will laut Eigenwerbung durch das IT-Remarketing einen Beitrag zur CO2 -Reduktion, Energie-Effizienz sowie zur Ressourceneinsparung leisten. Gleichzeitig würden Arbeitsplätze für Behinderte geschaffen, erläuterte Yahya Bolat von „mobiles Lernen“ auf der Pressekonferenz. Insbesondere diese sozialen Aspekte seien bei der Auswahl dieses Anbieters ein Kriterium gewesen, betonte Bernward Bickmann, Geschäftsführer der gemeinnützigen Gesellschaft des Franziskanergymnasiums.

Tablets sind geleast und werden von den Eltern bezahlt

Die Privatschule hat sich für ein elternfinanziertes Leasing-Modell entschieden. Dabei müssen die Eltern 30 Euro monatlich für das Tablet bezahlen. Inbegriffen ist ein technischer Support, auch mit einem Techniker vor Ort. Nach drei Jahren werden die Geräte gegen neue ausgetauscht.

„Was brauchen die Schüler für die Zukunft?“, sei die grundlegende Fragestellung bei dem Prozess gewesen, berichtete Medienbeauftragter Philipp Bauer, der aber auch betonte, dass die persönlichen Interaktionen zwischen Lehrern und Schülern weiterhin den höchsten Stellenwert hätten.

Gabriele Tomerius, Fachbereichsleiterin im Schulleitungs-Team, hob hervor, dass das pädagogische Konzept für das digitale Lernen auf Grundlage der Leitsätze des Franziskanergymnasiums fußen würde. Daran orientiert wird an pädagogischen Tagen eine fachliche Ausgestaltung des Konzepts für die einzelnen Fächer erfolgen.

Elternbeirat begrüßt den Weg des Franziskanergymnasiums

Für die Eltern meinte Elternbeiratsvorsitzende Anja Sattler, dass der nun eingeschlagene Weg ein folgerichtiger für die Kreuzburg sei, wenn es darum gehe, die Schüler bestmöglich auf die kommende Berufswelt vorzubereiten. „Uns ist wichtig, dass die Geräte nicht einfach nur Ersatz für Stift und Papier sind.“

Abschließend sagte Schulleiter Wolf, dass der gesamte Prozess langwierig sei. „Es wird fünf Jahre dauern, bis das digitale Lernen und Lehren als Selbstverständlichkeiten etabliert sind.“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare