Ein nicht ganz rundes Jubiläum

Jugendzentrum feiert „45+1 Jahre“: Rückblick auf eine bewegte Geschichte

Mit bunten Graffiti haben die Jugendlichen ihr Domizil verschönert.
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Mit bunten Graffiti haben die Jugendlichen ihr Domizil verschönert.

Das Jugendzentrum wurde im Oktober des vergangenen Jahres 45 Jahre alt. Die Jubiläumsfeier konnte damals aber nur im kleinen Kreis stattfinden. Eine große Geburtstagsparty wird nun am morgigen Samstag nachgeholt.

Großkrotzenburger Jugend in den 70ern: Das Juz war auch damals schon ein wichtiger Rückzugsort.

Unter dem Motto „45+1 Jahre Juz“ hat der Förderverein des Jugendzentrums ein umfangreiches Programm vorbereitet. Neben einer großen Tombola mit mehreren hundert Einzelpreisen im Wert von über 1500 Euro soll es zahlreiche Sport- und Spielangebote für Kinder und Erwachsene geben.

Teil der Jubiläumsfeier ist zudem eine Ausstellung mit zahlreichen großformatigen Bildern aus der bewegten Geschichte des Jugendzentrums. Jugendpfleger Reiner Uftring freut sich auf die verspätete Jubiläumsfeier: „Es ist schön, unter den gegebenen Umständen zahlreiche aktuelle und ehemalige Besucherinnen und Besucher des Jugendzentrums und ihre Familien begrüßen zu dürfen.“

Seit je her beliebter Rückzugsort

Die Jugendeinrichtung im Keller des Bürgerhauses an der Schulstraße öffnete am 1. Oktober 1975 zum ersten Mal ihre Tür. Für viele Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene ist sie seit jeher ein beliebter Rückzugsort. Verwaltet wurde das Jugendzentrum zuerst durch die zwei Jahre zuvor gegründete Jugendinitiative Großkrotzenburg (JIG).

Die Phase der Selbstverwaltung endete allerdings abrupt nach nur drei Monaten. Der Gemeindevorstand war damals der Auffassung, dass die Nutzung der Jugendräume auf eine andere Basis gestellt werden müsse. In der Folge wurde das Juz vorerst wieder geschlossen. Enttäuscht über die Entscheidung der Politik kam es 1975 zu einem Demonstrationszug der JIG.

Trotz einer Verhärtung der Fronten zwischen JIG und Politik wurde das Jugendzentrum im Frühjahr 1976 wieder geöffnet und zeitweise durch Angestellte der Gemeinde betreut. Der Versuch, eine gruppenorientierte Jugendarbeit mit eingeschränkter offener Jugendarbeit zu etablieren, schlug allerdings fehl -– nicht zuletzt aufgrund des Widerstands der Jugendlichen.

Die Jugendinitiative im Ort musste vor 46 Jahren um ihr Zentrum kämpfen.

Die Konsequenz war die komplette Einstellung der offenen, nicht vereinsgebundenen Jugendarbeit für einen Zeitraum von neun Jahren. In dieser „Eiszeit“ des Jugendzentrums wurden die Jugendräume nur noch an organisierte Gruppierungen von Vereinen und Parteien vermietet.

Erste Wärmestrahlen trafen auf das Jugendzentrum im Dezember 1985, als über einen Antrag der neu gegründeten Partei Die Grünen die Wiederaufnahme der offenen Jugendarbeit unter hauptamtlicher Betreuung gefordert wurde. Die Initiative der Partei war nicht verwunderlich, trafen sich bei den Grünen einige ehemalige Aktive der JIG auf der politischen Bühne wieder.

1988 fing erster festangestellter Sozialarbeiter an

Es sollte allerdings noch bis Mitte 1988 dauern, bis mit Ullrich Gremm der erste festangestellte Sozialarbeiter der Gemeinde die kommunale Jugendarbeit aufbauen konnte. Mit der Weiterführung der Stelle durch den Diplom-Pädagogen Reiner Uftring im Oktober 1990 profilierte sich das Haus wieder verstärkt durch eine offene Jugendarbeit.

Das Jugendzentrum entwickelte sich in den darauffolgenden Jahren zu einem wichtigen Bestandteil der sozialen Infrastruktur der Gemeinde. Uftring feierte im vergangenen Jahr bereits sein 30. Dienstjubiläum.

Reiner Uftring leitet das Juz seit 1990. Unter seiner Regie konnte sich die Jugendarbeit in der Gemeinde etablieren.

Der 61-Jährige wird in absehbarer Zeit in Rente gehen. „Spätestens in vier Jahren wird eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger gefunden worden sein“, stellt Uftring klar. Er hält es für wichtig, dass sich die Politik „zunächst zu einer Fortführung der inhaltlichen Ausrichtung der Jugendarbeit bekennt“.

Die große Jubiläumsfeier „45+1 Jahre Juz“ im Jugendzentrum an der Schulstraße findet am morgigen Samstag, 2. Oktober, von 10 bis 18 Uhr statt. Die Ziehung der Tombola-Preise ist für zirka 15 Uhr geplant. Es gilt die so genannte 3G-Regel. (Per Bergmann)

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