Eine Liebeserklärung an die Heimat

Lena Katzer kehrt mit dem Stück „Alles Dorf ohne dich“ an den Ort ihrer Kindheit zurück

Satirisches Schauspiel mit surrealen Wendungen: Die aus Großkrotzenburg stammende angehende Regisseurin Lena Katzer präsentierte im Bürgerhaus ein auf ihre alte Heimat zugeschnittenes Stück.
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Satirisches Schauspiel mit surrealen Wendungen: Die aus Großkrotzenburg stammende angehende Regisseurin Lena Katzer präsentierte im Bürgerhaus ein auf ihre alte Heimat zugeschnittenes Stück.

Großkrotzenburg – Der Förderkreis Kultur nutzte die vergangenen Tage nochmals für ein kleines Kulturwochenende. Extra aus Berlin angereist war die aus Großkrotzenburg stammende angehende Regisseurin Lena Katzer. Im Gepäck hatte sie ein szenisches Schauspiel und einen prämierten Film.

Lena Katzer ist in Hanau geboren und in Großkrotzenburg aufgewachsen. Seit 2017 studiert sie Theaterregie an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin. Am vergangenen Wochenende stattete sie ihrer alten Heimat einen Besuch ab. Im Gepäck hatte sie das szenische Schauspiel „Alles Dorf ohne dich“, das sie mit ihrer Kommilitonin Josephine Witt geschrieben und später extra auf Großkrotzenburg zugeschnitten hat. Für die Umsetzung angereist waren außerdem mehrere von Katzers Schauspielkolleginnen- und -kollegen.

Auf der Bühne des Großkrotzenburger Bürgerhauses traten die Freunde zum ersten Mal in dieser Kombination gemeinsam auf. Die junge Regisseurin konnte zudem ihre Geschwister Marie und Roman Katzer überzeugen, kleinere Nebenrollen zu übernehmen.

Angesichts von rund 30 Gästen, darunter weitere Verwandte von Katzer, kam bei der ersten Vorstellung am Samstagabend familiäre Stimmung auf. „Zuletzt stand ich mit sechs Jahren bei meiner Einschulung auf dieser Bühne“, bemerkte die 25-Jährige, die selbst eine der Hauptrollen in ihrem Stück übernahm.

„Alles Dorf ohne dich“ ist eine kleine Liebeserklärung an Katzers Heimat, die deren etwas schrullig anmutende Seiten wie eine gewisse „Vereinsmeierei“ in den Vordergrund stellt und sie satirisch auf die Schippe nimmt. „Herzlich Willkommen zu unserer Informationsveranstaltung“, begrüßt Katzer als Moderatorin ihre Gäste. Das Publikum wird in der Folge Zeuge der Gründung eines Häkelvereins in der „Perle an der Main-Schleife“, wie Katzer Großkrotzenburg im Stück bezeichnet.

Musiker und Schauspieler Maximilian Riethmüller, Teil der Band „Schöne Jugend“, begleitet die Vereinsgründung am Piano und hat für Großkrotzenburg gar einen eigenen Jingle kreiert. Alexander Wertmann schlüpft in die Rolle der Seniorin Alexandra Bergfrau. Josephine Witt spielt eine feministische Häkel-Expertin, die dem Publikum voller Enthusiasmus die wissenschaftlichen Aspekte des Häkelns näherbringt.

Häkeln kann die Welt bedeuten, stellen die Vereinsmitglieder fest. Mitunter kann das Hobby in Sport ausarten und hat sogar politische Aspekte – „vom Punkrock bis zur Hausbesetzung“, „Häkeln und Stricken gegen den Faschismus“, schallte es durch das Bürgerhaus.

Die jungen Künstler aus Berlin bescherten ihrem Publikum einen kurzweiligen, urkomischen Abend mit surrealen Wendungen wie der Konservierung der Dorfbewohner als saure Gurken in einem Glas. Veranstaltet wurde das Kulturwochenende mit zwei Vorstellungen von „Alles Dorf ohne dich“ und der Vorführung des Films „Mazel Tov Cocktail“ mit Alexander Wertmann in der Hauptrolle vom Förderkreis Kultur. „Mit den Corona-Regeln der vergangenen Woche, wäre das Bürgerhaus durch eine Hochzeit geblockt gewesen, mit den Regeln der kommenden Woche hätte hier gar keine Veranstaltung stattfinden können“, fasste der Vorsitzende Karl Pitterling die derzeit schwierige Lage für Kulturschaffende zusammen.

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