Großkrotzenburg: Corona hat Digitalprojekt am Franziskanergymnasium beschleunigt

Jeder Schüler hat seinen eigenen Laptop / Pilot für zwei Klassen

Schulleiter Thomas Wolf und seine Kollegin Dillenseger verteilen die Notebooks an die Schüler.
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Schulleiter Thomas Wolf und seine Kollegin Dillenseger verteilen die Notebooks an die Schüler.

Vor Kurzem hatten Schulleiter Thomas Wolf und die Klassenlehrerin Stella Dillenseger die ersehnten Pakete endlich auf dem Tisch. Der Inhalt: zwei Klassensätze nagelneuer und hochwertiger Notebooks. „Den Schülerinnen und Schülern war die große Begeisterung anzusehen, als sie endlich ausgegeben wurden“, berichtet Birgit Floeth, die Sprecherin der Schule.

Großkrotzenburg - Mit den beiden Klassen 6e und 7d ist am Franziskanergymnasium Kreuzburg ein Pilotprojekt gestartet, das einen übergreifenden Wandel einläuten soll. Ab Sommer soll jeder der 1250 Schüler ein Leihgerät bekommen. Die Convertible-Notebooks haben Tablet- und Laptop-Funktionalität sowie eine Schreibmöglichkeit mit Stift. Und ganz wichtig: Sie sind stabil für den täglichen Transport.

Die Digitalisierung der Schule war schon lange beschlossen, bevor Corona diese Entwicklung überall unabdinglich machte. „Wir haben das Großprojekt "Lernen der Zukunft" schon vor zwei Jahren in die Wege geleitet“, erläutert Floeth. Die Digitalisierung und Ausstattung mit Notebooks sei hiervon ein wichtiger Baustein.

Durch die Corona-Krise sei der Prozess aber weit schneller fortgeschritten als vermutet, erklärt sie: „Die Akzeptanz digitaler Lernmethoden ist durch den Distanzunterricht gestiegen, bei Eltern genauso wie bei den Lehrern.“ Die Klassenräume sind schon entsprechend ausgestattet, es gibt dort zum Beispiel Docking-Stationen und kabellose Beamer. Die Infrastruktur der Schule werde weiter angepasst, beispielsweise für Lademöglichkeiten in den Klassenräumen oder der Bibliothek.

Verbindliche Mediennutzungsordnung für alle Schülerinnen und Schüler

Ab jetzt werden die 6e und 7d zusammen mit ihren Lehrern das digital gestützte Lernen intensiv ausprobieren, bevor mit Beginn des kommenden Schuljahres alle Lernenden der „Kreuzburg“ mit digitalen Endgeräten ausgestattet werden. Eine Schülerhilfegruppe, die „IT-Scouts“, hatte die neuen Notebooks zusammen mit Lehrer Heiko Sauer und IT-Betreuer Jörg Müller vorinstalliert. Am Einführungstag ging es dann darum, die Geräte individuell einzurichten und auszuprobieren.

Die Schüler hatten ein umfangreiches Programm zu bewältigen: Neben der Erstanmeldung bei verschiedenen Anwendungsprogrammen wurde die schulische Cloud eingerichtet und eine Ordnerstruktur angelegt, um geräteunabhängig auf alle schulischen Daten zugreifen zu können. Die Geräte wurden in das schulische WLAN-System eingebunden, außerdem wurden verschiedene E-Books aktiviert. Auch der Umgang mit der Tastatur, dem Touchpad und dem Stift wurden geübt.

Ein besonderes Augenmerk lag auf der Einrichtung des Programmes MS Teams, über das auch weiterhin der Distanzunterricht stattfinden wird. Die Geräte werden wie Bücher oder andere Lehrmittel auch langfristig in der Schule und zu Hause benutzt. Die Pilotklassen sollen in den kommenden Wochen ausprobieren, ob der schuleigene Selbstlernkurs funktioniert, sollen erkennen, wo es bei den Unterrichtsabläufen noch hapert, oder herausfinden, welche E-Books sich gut und weniger gut eignen. Sie sollen bald einige analoge Bücher ersetzen, was auch die Schultasche gleich leichter macht.

Ein wichtiger Aspekt beim Benutzen der digitalen Geräte ist sicher der Jugend- und Persönlichkeitsschutz. „In der Schule wird eine verbindliche Mediennutzungsordnung für alle Schülerinnen und Schüler klar festgelegt“, erklärt Floeth. Auch im Unterricht wird der sichere Umgang mit digitalen Medien ständig vermittelt. Eltern hätten aber gerade mehr als zuvor die Aufgabe, ihre Kinder für Regeln und Gefahren von Internet und sozialen Netzwerken zu sensibilisieren. Deshalb soll es regelmäßige Elternabende zum Thema geben.

Klassenlehrerin Stella Dillenseger hilft den Jungen und Mädchen ihrer Pilotklasse beim Einrichten der Notebooks und Einüben der Funktionen.

Die zwei Klassensätze für das Pilotprojekt wurden über ein Bundesprogramm zur Digitalisierung zur Verfügung gestellt, sie müssen von den Schülern nach der kostenlosen Testphase wieder abgegeben werden. Ab Sommer ist dann die gemeinnützige Initiative „Mobiles Lernen“ mit im Boot, die die gleichen Geräte in verschiedenen Leasingmodellen zur Verfügung stellt, die Wartung und den Support übernimmt.

„Einmal wöchentlich ist ein Techniker vor Ort und es soll Poolgeräte an der Schule geben als Ersatz für defekte Laptops“, sagt Floeth. Eltern zahlen dann in der Regel 30 Euro Leasinggebühr im Monat. Für Geschwisterkinder oder Härtefälle gibt es Sonderregelungen. Als vergangenes Jahr der Distanzunterricht kam, mussten viele Eltern unverhofft die Technik zu Hause schon vorher aufrüsten. „Wir haben früh darauf hingewiesen, dass unsere Leasingmodelle kommen, und haben den Eltern deshalb empfohlen, sich bei uns ein Übergangsgerät zu leihen“, berichtet Floeth.

Wer aber trotzdem ein neues Gerät angeschafft habe, werde nicht gezwungen, eins der Einheitsgeräte zu leasen. „Aber wir empfehlen es“, so Floeth. „Denn wenn jeder das gleiche Gerät hat, wird der Unterrichtsablauf wesentlich einfacher.“

20 bis 40 Prozent des Unterrichts sollen bald digital ablaufen. Die Fachcurricula aller Unterrichtsfächer würden deshalb für das digitale Lernen angepasst. Die Schule stehe dabei in kontinuierlichem Austausch mit anderen Schulen, so Floeth. Das Franziskanergymnasium wird außerdem von der Heraeus-Bildungsstiftung im Projekt Innovationhub.schule begleitet. (Von Christine Semmler)

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