Gastronomie

Traditionslokal „Taunusstuben“ macht dicht - Aus für den „Schnitzelgustav“ 

Eine Institution verschwindet: Den „Schnitzelgustav“, kennt in Großkrotzenburg und Umgebung jeder.
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Eine Institution verschwindet: Den „Schnitzelgustav“, kennt in Großkrotzenburg und Umgebung jeder.

Jeder, der aus der Gemeinde stammt, dürfte mindestens einmal in den „Taunusstuben“ gewesen sein. Vor genau 50 Jahren übernahmen die Geschwister Elke Geist und Jürgen Hessler das Lokal von ihren Eltern. Trotz des runden Jubiläums ist die Stimmung gedämpft, denn Ende diesen Jahres schließt die Gaststätte für immer.

Großkrotzenburg – Etwas Wehmut ist dabei, wenn die Geschwister Ende des Jahres endgültig die Rollläden runter lassen. Sie machen Schluss. „Aus gesundheitlichen Gründen“, erklärt Hessler.

„Viele Widrigkeiten in den vergangenen Jahren“, nicht zuletzt die Corona-Pandemie, hätten die Familie in ihrer Entscheidung bekräftigt, das Lokal trotz der langen Tradition aufzugeben.

Das diesjährige Weihnachtsgeschäft werden sie ganz bewusst außen vor lassen. „Am 20. Dezember ist Schluss.“ Im Gastgewerbe drei Monate im Voraus zu planen, sei aktuell schwierig, „weil sich die Maßnahmen von Woche zu Woche ändern können“, gibt der Wirt einen Einblick.

Die nächste Nachricht der IHK, die Gastwirte über entsprechende Neuerungen informiert, könne jeden Morgen im E-Mail-Postfach eingehen.

Freude über jeden Gast, der zum Abschied kommt

Trotz allem will die Familie ihre letzten Wochen im eigenen Betrieb genießen. „Wir freuen uns über jeden Gast, der uns zum Abschied in den kommenden Wochen noch unterstützt und besucht“, stellt Elke Geist klar. Als Bedienung hat sie zu vielen Gästen eine persönliche Beziehung aufgebaut. Wegen ihrer Art und der Fähigkeit, beim Aufnehmen von Bestellungen auf Stift und Zettel verzichten zu können, wird ihr seit jeher viel Bewunderung entgegengebracht.

Dass Geists direkte Art nicht jedem gefällt, nimmt sie mit Humor. „Hier kommt die rustikale Bedienung“, greift sie selbst eines der Attribute auf, das ihr von Gästen zugeschrieben wird.

Vor allem seien es aber „Wertschätzung und Respekt“, die sie im Rahmen ihrer Arbeit erfahre – sei es im eigenen Familienunternehmen, als Verkäuferin in einer Bäckerei oder beim morgendlichen Austragen des HANAUER ANZEIGER. Letztere Aufgabe und die damit verbundene „Ruhe am Morgen“ bereite ihr aktuell die größte Freude.

Taunustuben heißen im Volksmund „Schnitzelgustav“

„Familiär und qualitätsbewusst“ – das seien die Attribute, die sich die „Taunusstuben“ selbst seit jeher auf die Fahnen geschrieben haben, erklärt Hessler.

Abschied angekündigt: Elke Geist und Jürgen Hessler schließen am 20. Dezember ihre „Taunusstuben“ für immer.

Vater und Gründer Gustav Hessler wurde von seinen Gästen auf den Namen „Schnitzelgustav“ getauft. Im Volksmund wird das Wirtshaus an der Taunusstraße bis heute so genannt.

Serviert wird „vorwiegend deutsche Küche und Gutes aus der Region“. Fleisch- und Wurstwaren kommen aus der eigenen Fleischerei.

Für ihre „hausgemachte Küche zu bürgerlichen Preisen“ wurde die Gasstätte lange auch von auswärtigen Gästen geschätzt.

Sperrung der Brücke sorgte dafür, dass weniger Gäste von außerhalb kamen

Doch „seit der Sperrung der Brücke am Kraftwerk Staudinger“ vor rund fünf Jahren, die ein Dreivierteljahr andauerte, seien immer weniger Gäste von außerhalb gekommen. „Die Straße ist zwar wieder offen, aber das Publikum hat sich verlaufen“, so Hessler.

Trotz aller Widrigkeiten konnte sich der Familienbetrieb über fünf Jahrzehnte in Großkrotzenburg halten. Ab dem kommenden Jahr wollen die Geschwister neue Wege gehen: Jürgen Hessler ziehe es dabei in die Röhn, Elke Geist will hingegen in ihrer Heimat bleiben. „Wir haben viele schöne Zeiten erlebt“, da sind sich beide einig.

Bis zum Sonntag, 20. Dezember, läuft die Abschiedstour in den „Taunusstuben“ zu den bekannten Öffnungszeiten.

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