Bluttat in Unterkunft

Flüchtling erstochen: Wird blockierte Fluchttür zur Todesfalle?

In dieser Asylbewerberunterkunft in Großkrotzenburg (bei Hanau) kam es am Mittwoch (13. Januar 2021) zu einem tödlichen Streit.
+
In dieser Asylbewerberunterkunft in Großkrotzenburg (bei Hanau) kam es am Mittwoch (13. Januar 2021) zu einem tödlichen Streit.

Ein 25-Jähriger wird von einem Mitbewohner in Großkrotzenburg bei Hanau niedergestochen. Eine Fluchttür war blockiert, ein Sicherheitsdienst nicht da, klagen die Bewohner.

  • Großkrotzenburg bei Hanau: Flüchtling in Unterkunft niedergestochen.
  • Bewohner beklagen Missstände in Unterkunft.
  • Der Tatverdächtige ist kein unbeschriebenes Blatt.

Großkrotzenburg- Nach dem gewaltsamen Tod eines 25 Jahre alten Mannes in einer Flüchtlingsunterkunft in Großkrotzenburg bei Hanau fordern die Bewohner der Einrichtung von den Behörden Aufklärung. In einem offenen Brief, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, berichten die 38 Unterzeichner unter anderem von einer defekten und blockierten Fluchttür, durch die der 25-Jährige vor seinem Angreifer habe entkommen wollen.

Zudem sei am Tag der Bluttat kein Sicherheitsdienst in der Einrichtung gewesen. „Es waren mehrere Bewohner, die den Täter überwältigten“, heißt es in dem an den Landrat des Main-Kinzig-Kreises, Thorsten Stolz (SPD), und Bürgermeister Thorsten Bauroth (parteilos) adressierten Schreiben.

Bluttat in Großkrotzenburg bei Hanau: Massenunterkünfte sind „ein strukturelles Problem“

Bauroth kündigte eine „lückenlose Aufklärung“ der Hintergründe an. Die Strafverfolgungsbehörden könnten sich „jedweder Unterstützung durch die Gemeinde Großkrotzenburg sicher sein“. Der Staatsanwaltschaft in Hanau ist der Brief nach eigener Darstellung bekannt. Er werde bei den noch laufenden Ermittlungen „selbstverständlich berücksichtigt“, sagte ein Sprecher der Behörde. Details dazu nannte er aus „ermittlungstaktischen Gründen“ nicht.

Der Hessische Flüchtlingsrat, über dessen Mail-Verteiler der offene Brief unter anderem verbreitet wurde, forderte kleinere Unterkünfte für Flüchtlinge und Asylsuchende. Gemischte Massenunterkünfte seien „ein strukturelles Problem“, sagte Geschäftsführer Timmo Scherenberg in Frankfurt. Der Main-Kinzig-Kreis kritisierte, dass in Flüchtlingsunterkünften auch Menschen „zwischen einer Haftstrafe und der angekündigten Abschiebung“ untergebracht werden. „Hier müssten aus dem Vorfall die Konsequenzen gezogen werden und auf Landesebene das Verfahren geändert werden“, sagte ein Sprecher. Auch die Mitglieder der Ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe Großkrotzenburg drücken in einer Mitteilung ihre Trauer und ihr Entsetzen über die tödliche Messerattacke in der Asylbewerberunterkunft bei Hanau aus.

Bluttat in Großkrotzenburg bei Hanau: Tatverdächtiger fiel schon vorher negativ auf

Der 25 Jahre alte Bewohner der Unterkunft war Mitte Januar mutmaßlich von einem Mitbewohner im Streit erstochen worden. Der 33 Jahre alte Somalier wurde festgenommen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Hanau war er bereits 2014 wegen versuchten Totschlags zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Er hatte damals im benachbarten Maintal eine ähnliche Tat begangen. Die Haftstrafe saß der Mann den Angaben zufolge komplett ab. (tom/dpa)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare