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Kraftwerk Staudinger: Erdgas-Fernwärme statt Asphaltanlage

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Was wird aus dem Standort Großkrotzenburg, wenn die Kohleverstromung endet? Kraftwerksbetreiber Uniper hat jetzt seinen "Masterplan Staudinger" geändert: Anstelle einer Recyclinganlage für Alt-Asphalt sollen jetzt weitere Anlagen zur Energieerzeugung gebaut werden. Archivfoto: Mike Bender
Was wird aus dem Standort Großkrotzenburg, wenn die Kohleverstromung endet? Kraftwerksbetreiber Uniper hat jetzt seinen "Masterplan Staudinger" geändert: Anstelle einer Recyclinganlage für Alt-Asphalt sollen jetzt weitere Anlagen zur Energieerzeugung gebaut werden. Archivfoto: Mike Bender

Großkrotzenburg. Betreiber Uniper hat seine Pläne begraben, eine Aufbereitungsanlage für Altasphalt auf dem Staudinger-Werksgelände anzusiedeln.

Von Robert Göbel

Stattdessen prüft die Kraftwerksleitung jetzt den Bau einer Kraft-Wärme-Kopplungsanlage, die mit Erdgas betrieben wird und die helfen soll, die Fernwärmeversorgung für die Region dauerhaft zu sichern. Matthias Hube, Leiter des zur Eon-Abspaltung Uniper gehörenden Kraftwerks, teilte diese Änderung im „Masterplan Staudinger“ der Öffentlichkeit am Mittwoch per E-Mail mit. Die Ansiedlung einer Alt-Asphalt-Aufbereitungsanlage hatte der Kraftwerksbetreiber erst im September des Vorjahres zur Zukunftssicherung des Standorts ins Gespräch gebracht.

Die damalige Ankündigung hatte bei einigen Umweltschutzverbänden Protest hervorgerufen, weil sie bei der für den Recyclingprozess notwendigen Verbrennung von Alt-Asphalt eine Schadstoffbelastung erwartet hatten. Gebaut worden wäre diese Anlage von einem Investor. „Mittlerweile hat sich herausgestellt, dass der ursprüngliche Investor aufgrund der allgemeinen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen das Projekt derzeit nicht mehr verfolgt“, schreibt Kraftwerksleiter Hube. Die Realisierung sei deshalb nicht mehr möglich.

Masterplan entworfen

Zudem hätte Uniper immer deutlich gemacht, dass der Kraftwerksbetreiber sein Gelände für eine solche Recyclinganlage nur dann zur Verfügung stellen würde, wenn sowohl das Land als auch die örtliche Gemeinde und der Landkreis voll hinter dem Projekt stehen würden, erklärte Hube weiter.

Der „Masterplan Staudinger“ war entworfen worden, weil der Uniper-Konzern die Zukunft seines Industriestandorts Großkrotzenburg weiterentwickeln und sichern möchte. Dies vor dem Hintergrund, dass die dort am Main erfolgende Kohleverstromung wegen des weiterhin fehlenden Leitungsbaus von Nord nach Süd unter dem Aspekt der Versorgungssicherheit zwar weiterhin höchst relevant ist, gleichzeitig aber aufgrund der politischen Beschlüsse zum Kohleausstieg auch endlich.

Erhöhter Strombedarf in Hanau

Ein zweites Ziel des Masterplans war die Ansiedlung eines Rechenzentrums auf dem Kraftwerksgelände, das auf dem Areal der stillgelegten Blöcke 1 bis 3 entstehen sollte. Rechenzentren gelten schon deshalb als ideale „Partner“ von Kraftwerken, weil sie einen enormen Energiebedarf haben. Daran hält Uniper weiter fest, auch nach der Ankündigung aus Hanau, dass auf dem benachbarten, rund 250 000 Quadratmeter großen Gelände der Großauheim-Kaserne ein gigantisches Rechenzentrum entstehen wird. Dort baut der Projektentwickler P3 ab Herbst einen Daten Center Campus, der nach seinem Endausbau einen Strombedarf von 180 Megawatt haben soll. Dies entspräche dem doppelten Strombedarf von ganz Hanau.

Uniper arbeitet für die Ansiedlung eines weiteren Rechenzentrums auf seinem Kraftwerksgelände mit einer Spezialfirma aus Karlstein zusammen. Nicht zuletzt angesichts der eigenen und der Pläne im benachbarten Hanau möchte Uniper den Standort Großkrotzenburg „langfristig energiewirtschaftlich weiterentwickeln“ und analysiere derzeit, welche Anlagen zur Energieerzeugung dort angesiedelt werden könnten.

Im Mittelpunkt der Überlegungen stünde dabei aktuell der Bau einer Erdgas-Kraft-Wärme-Kopplungsanlage, um die Fernwärmeversorgung in der Region dauerhaft zu sichern. Auch die Installation von Solarkollektoren auf dem nördlichen Kraftwerksgelände ist laut einer früheren Mitteilung ein Thema.

Mit Stadtwerken im Gespräch

Was den Bau einer Erdgas-Kraft-Wärme-Kopplungsanlage angeht, befinde sich die Werksleitung „derzeit mit unseren langjährigen Wärmekunden Stadtwerke Hanau und GWG in Arbeitsgesprächen, um ein langfristiges zukunftsfähiges Konzept zu entwickeln“, erklärte Standortleiter Matthias Hube. Die Größenordnungen dieser oder einer alternativen Anlage soll bis zum Jahresende geklärt sein.

„Wir sind zuversichtlich, dass wir im Laufe der kommenden zwölf Monate Fortschritte bei der weiteren Entwicklung des 'Masterplans Staudinger' verkünden können, und werden, sobald nennenswerte Neuigkeiten vorliegen, hierüber auch gerne informieren“, heißt es abschließend.

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