Ruf nach Barrierefreiheit wird immer lauter

Schleuse in der Diskussion: Rund 1800 Menschen beteiligen sich an Unterschriftenaktion

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Nur für Sportler ein leichtes Hindernis: Die Staustufe zwischen Großkrotzenburg und Hainburg soll künftig auch für Menschen mit Behinderungen besser zu überwinden sein.

Immer mehr Menschen beteiligen sich an einer Unterschriftenaktion, die das Ziel hat, den Aufgang zur Staustufe Krotzenburg barrierefrei zu gestalten. Vor Ort bekommen die Initiatoren weitere Unterstützer. Bis Ende Mai wird die Aktion fortgesetzt. 

Die Rathäuser von Großkrotzenburg und Hainburg haben bereits reagiert und planen einen Ortstermin. Sportliche Menschen haben mit dem Aufgang zur Staustufe Krotzenburg kein Problem. Für manche von ihnen sind die 40 Stufen ein willkommenes Hindernis auf ihrer regelmäßigen Tour mit dem Fahrrad oder zu Fuß. 

Jedoch zählen junge und sportliche Menschen zu einer Minderheit. Jene, die alleine mit Kind und Kinderwagen unterwegs oder weniger austrainiert sind, dürften bei der Überquerung der Schleuse schon des Öfteren geflucht haben. Für Rollstuhlfahrer und Menschen mit einer Gehbehinderung stellt die Schleuse ein unüberwindbares Hindernis dar. 

1800 Unterschriften für einen stufenfreien Zugang

In Anbetracht einer alternden Gesellschaft ist es nicht verwunderlich, dass der Ruf nach einem barrierefreien Schleusenübergang aktuell wieder lauter wird. Viele Jahre fristete diese Idee ein eher vernachlässigtes Dasein auf der politischen Agenda der betroffenen Kommunen Großkrotzenburg und Hainburg. Dabei gibt es seit bald 20 Jahren das Behindertengleichstellungsgesetz, das Menschen mit Behinderungen die gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben gewährleisten und ihnen eine selbstbestimmte Lebensführung ermöglichen soll. Die aktuelle Unterschriftenaktion, die Bürger eigeninitiativ in beiden Gemeinden durchführen, setzt die Entscheidungsträger nun unter Zugzwang. 

Rund 1800 Unterschriften für einen stufenfreien Zugang zum Schleusensteg wurden bereits gesammelt. In Zeiten von Kontaktbeschränkungen eine beachtliche Zahl. „Die Unterstützer der Aktion kommen zu jeweils 50 Prozent aus beiden Gemeinden“, beziffert Michael Ruf (Krotzebojer Grüne), der direkt an der Aktion beteiligt ist, das ungefähre Verhältnis. 

Politik bremst die Euphorie

Der Vorstoß aus der Bevölkerung trifft mittlerweile auf ein politisches Echo. Neben den Grünen, deren entsprechender Prüfungsantrag sich bereits seit April 2019 im Geschäftsgang befindet, rücken auch die Christdemokraten um ihren Fraktionsvorsitzenden Max Schad die Schleuse wieder in den Fokus. Schad, Mitglied des Landtages, habe sich bereits in Wiesbaden nach der Förderfähigkeit des Projektes erkundigt. Bis zu 80 Prozent der Maßnahme seien förderfähig, so sein Ergebnis. „Wir müssen aber wissen, was 20 Prozent für die beiden Kommunen konkret bedeuten und was genau förderfähig ist“, relativiert Schad. 

Eine etwaige Euphorie über mögliche Förderquoten bremst auch Bürgermeister Thorsten Bauroth (parteilos) mit dem Hinweis, „dass ‧verschiedene Teile eines solchen Projektes nicht förderfähig sind“, wie zum Beispiel die „Verwaltungs-, Personal- und Sachausgaben, die Kosten der Entwurfsaufstellung, der Genehmigungsverfahren, der Ausschreibung“ und einiges mehr. Gerade in der aktuell angespannten finanziellen Situation der Kommunen sei es wichtig, den eigenen Kostenbeitrag zu kennen. Die größeren Probleme bei der Planung und Umsetzung verortet Bauroth derweil auf Hainburger Seite, wo die Wohnbebauung nah an die Schleuse heranreicht. Eine benötigte Stahlrampe mit über 100 Metern Länge wäre hier freilich schwerer umzusetzen. 

Ortstermin ist für Juni angedacht

Als Paradebeispiel für eine solche Rampe und die barrierefrei Überquerung des Mains wird oft die Kilianusbrücke genannt, die rund elf Kilometer flussaufwärts zu finden ist. Das Bauwerk mit der markanten Stahlbogen-Konstruktion verbindet die Gemeinden Karlstein und Mainhausen und somit auch Bayern mit Hessen. Bei Fußgängern und Radfahrern ist sie sehr beliebt. Großkrotzenburgs Rathauschef verweist im Rahmen der aktuellen Diskussion auf den genannten Beschluss der Gemeindevertretung vom April 2019, der den Gemeindevorstand beauftragt, unter Einbeziehung diverser Behörden und Verbände die Umsetzung eines barrierefreien Schleusenübergangs zu prüfen. 

Auch Hainburg habe einen entsprechenden Prüfbeschluss gefasst. „Das Thema barrierefreier Schleusenübergang ist inzwischen bei beiden Kommunen im Geschäftsgang“, so Bauroth. Ein Ortstermin unter Einbeziehung eines Ingenieurs sei bereits für Juni angedacht.

Quelle: Hanauer Anzeiger

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