„Sprachgebrauch ist eines Bürgermeisters unwürdig“

„Ganz Billige Nummer“ / Fraktionschef Lenz erhebt schwere Vorwürfe gegen Großkrotzenburger Rathauschef

Thorsten Bauroth
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Bürgermeister Thorsten Bauroth

Kaum hat die neue Legislaturperiode begonnen, scheint das Tischtuch zwischen der neuen Gemeindevertretung und dem parteilosen Bürgermeister Thorsten Bauroth bereits zerschnitten. Nach harschen Worten von Bauroth im Anschluss an die jüngste Parlamentssitzung hat nun Aloys Lenz, Fraktionsvorsitzender der Initiative zukunftssicheres Großkrotzenburg (Initiative), gekontert und macht seinerseits dem Rathauschef schwere Vorwürfe.

Großkrotzenburg – Hintergrund ist, dass über die seit Jahren diskutierte Verlängerung des Pachtvertrags mit dem Betreiber entschieden wurde. Allerdings nicht so, wie es zuvor im Haupt- und Finanzausschuss (HFA) vorberaten worden ist. Da sich die Initiative, anders als zuvor im Ausschuss, schließlich der Stimme enthielt, hatten CDU und Krotzebojer Grünen die Mehrheit. Sie stimmten für das Aus. Der Pachtvertrag soll nun gekündigt werden (wir berichteten).

Zudem gab es Vorwürfe gegen Bauroth. Fraktionen warfen ihm Versäumnisse vor. Vor allem, dass es der Rathauschef nicht geschafft habe, dem Parlament den Entwurf des Pachtvertrags vorzulegen, erzürnte Initiative und Grüne. Der Bürgermeister verfasste jedoch kurz nach der Sitzung eine Pressemitteilung. Darin kritisierte er, dass die Initiative im HFA mit FDP und SPD gegen die vorzeitige Kündigung des Pachtvertrags gestimmt hatten. Für die Änderung der Meinung sei die Initiative also „offensichtlich ausreichend über den Sachverhalt informiert“ gewesen, schlussfolgert Bauroth und meint: „Die heute gegebene Begründung ist daher für mich eine ganz billige Nummer.“

Aloys Lenz; Fraktionsvorsitzender der Initiative

Gestern regierte nun Aloys Lenz in einer Pressemitteilung und kontert darin die Vorwürfe von Bauroth. „Es wird immer kurioser um Bürgermeister Bauroth in seiner Rolle als Verwaltungschef und politischer Repräsentant der Gemeinde Großkrotzenburg“, so Lenz.

In der jüngsten Sitzung der Gemeindevertretung habe der Bürgermeister „unbeteiligt auf einer Bank am Rande des Geschehens“ gesessen und habe sich „intensiv daddelnd mit seinem Handy beschäftigt und während der zweieinhalbstündigen Beratung kein einziges Mal an der Debatte beteiligt“.

In der Frage um die Kündigung oder Verlängerung des Pachtvertrags des Bürgerhauses habe sich Bauroth offenbar „einer Beteiligung an der sachlichen Auseinandersetzung verweigert“.

Das Verhalten nach der Sitzung bezeichnet der Fraktionsvorsitzende als „peinlichen neue Variante seines seit Jahren praktizierten ‘Krotzenburger Landrechts’“. Lenz weiter: „Sein abfälliger Sprachgebrauch ist eines Bürgermeisters unwürdig und beschädigt den politischen Umgang miteinander.“

Die Initiative-Fraktion habe sich zu dem Tagesordnungspunkt der Stimme enthalten, weil ihren Mitgliedern die notwendigen Unterlagen vorenthalten worden seien.

„Unerträglich, wie Bürgermeister mit gewählten Gemeindevertretern umgeht“

„Es ist für uns als Neulinge im Parlament unerträglich, wie der Bürgermeister mit den gewählten Gemeindevertretern umgeht. Im Gemeindevorstand, bei den Ausschusssitzungen und sogar im Präsidium werden Anfragen einfach nicht beantwortet oder Ausreden erfunden“, so Lenz weiter, der an die gesetzlichen Bestimmungen der Hessischen Gemeindeordnung erinnert.

Und Lenz geht noch weiter. In seiner Pressemitteilung. Er erhebt neue schwere Vorwürfe gegen Bauroth. Dieser, so Lenz, umgehe offenbar den Gemeindevorstand in Personalfragen. Zudem müssten sich Gemeindevertreter die ihnen zustehenden Informationen oft selbst besorgen. „Es wird Zeit“, so Lenz, „dass noch vor der Bürgermeisterneuwahl im kommenden Frühjahr wieder geordnete Verhältnisse in Großkrotzenburg einkehren und der Jurist Bauroth nicht nach Gutdünken Bestimmungen der Hessischen Gemeindeordnung beiseiteschiebt.“ (Thorsten Becker)

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