Live-Stream aus der Scheune sorgt für Spaß und Geselligkeit in den Gärten

Virtuelle Kerb im Garten gefeiert

Das Tablet verbindet: Die virtuelle Kerb garantiert Stimmung im Ort.
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Das Tablet verbindet: Die virtuelle Kerb garantiert Stimmung im Ort.

Großkrotzenburg – „Kerb muss soi“ – sogar im Corona-Jahr 2020. Die Initiative „Rettet die Kerb“ stellte deshalb am Wochenende einen Live-Stream auf die Beine. Mit dabei war auch Familie Blasek, die den interaktiven „Kerbgaudi“ in ihrem heimischen Garten genoss.

Pünktlich um 17 Uhr, zum offiziellen Bieranstich am Samstag, war alles eingerichtet: Die engsten Freunde hatten Platz genommen, das Tablet stand auf dem Tisch, und daneben das eigene Bierfass. Mutter Claudia hatte einen Quetschekuchen gebacken. Außerdem wird Leberkäs’ mit Kartoffelsalat zubereitet.

Live wurde die traditionelle Zeremonie zum Start der Kirchweih auch in den Garten von Familie Blasek übertragen.

Der offizielle Anstich fand nur einige hundert Meter weiter in der Scheune von Familie Bergmann statt. Von dort aus leitete Ralf Eltner vom Heimat- und Geschichtsverein durch den offiziellen Teil, wie es in den vergangenen Jahren üblich war.

Eigentlich alles wie immer, nur war der Schauplatz ausnahmsweise nicht das Kerbzelt auf dem Festplatz.

Auch Tochter Clarissa Blasek und ihr Freund Lukas Koltermann begleiteten die Kerb im Garten der Eltern.

Für Hund Anton wurde das Kerbwinktuch kurzerhand zum Halsband umfunktioniert. Koltermann ist Teil der Hanauer Band „Banjoory“, die von den Organisatoren der Kerb bereits für dieses Jahr gebucht wurde. In einer Videobotschaft kündigte er an, dass die Band auch im kommenden Jahr zur Verfügung stehe.

Als alteingesessene Großkrotzenburger sind die Blaseks besonders heimatverbunden, was sich in einem vielfältigen ehrenamtlichen Engagement in ihrer Gemeinde widerspiegelt. Als treibende Kraft im Fastnachtsverein „Giggelnarr’n“ waren sie in den vergangenen Jahren fester Bestandteil des Kerbumzuges.

Zugeschaltet wurde am Samstag auch der katholische Pfarrer Christian Sack und sein evangelisches Pendant Manuel Goldmann, die ursprünglich einen ökumenischen Gottesdienst geplant hatten.

Die Übertragung im Internet bot dafür keinen passenden Rahmen, „wir werden das aber im kommenden Jahr nachholen“, kündigte Goldmann in seiner kurzen Ansprache an. Das Blasorchester des Turnvereins Großkrotzenburg sowie die Band „4kantrohr“, die ebenfalls zu den Stammgästen der Kerb zählt, hatten ihre musikalischen Beiträge im Vorfeld auf Video aufgezeichnet.

Es stellte sich heraus, dass die virtuelle Kirchweih eher etwas für echte Kerb-Enthusiasten ist. Kleinere Ton- und Übertragungsprobleme wurden dabei spätestens nach dem ersten Bier leicht verziehen.

Den Live-Stream im Netz verfolgten laut Organisator Michael Bergmann von der Aktionsgruppe „Rettet die Kerb“ rund 30 Gruppen mit zusammengerechnet etwa 120 Personen.

Die virtuelle Kerb ist „keine Alternative auf Dauer“, da war sich Familie Blasek am Samstag einig, „obwohl der Heimweg angenehm kurz ist“, wie Tochter Clarissa feststellte.

Was vor allem aber fehle sei „die Geselligkeit, das Wiedersehen alter Freunde“, denn für viele Großkrotzenburger – auch jene, die ihren Heimatort bereits verlassen haben – ist die Krotzebojer Kerb nach wie vor ein ganz wichtiger Termin im Jahreskalender.

Von Per Bergmann

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