Grundschulen im Kreis wieder offen: So reagieren die Eltern nach dem ersten Tag

Seit Montag findet wieder Regelbetrieb in den Grundschulen statt. So reagieren die Eltern im Kreis. 

  • Seit Montag findet wieder Regelbetrieb in den Grundschulen statt
  • Einige Eltern fühlen sich entlastet
  • Viel Stress für die Lehrer

Thorsten Stuckmann ist froh, dass sein Sohn seit Montag wieder fünf Tage die Woche in die Schule gehen kann. „Es ist nicht nur für uns Eltern eine Entlastung, auch für ihn ist es wichtig, dass er wieder normal mit seinen Mitschülern zusammenkommen kann“, sagt der Vater. Sein Sohn besucht die erste Klasse der Johan-Hinrich-Wichern-Schule in Nidderau-Ostheim, eine Sprachheil-Schule, an der die Klassen mit zwölf Schülern grundsätzlich schon kleiner sind als üblich. 

Stuckmann gehört zur Risikogruppe und trotzdem schicken er und seine Frau, die im Einzelhandel arbeitet, den Filius in die Schule, denn die Zeit der Heimbeschulung war lang und anstrengend. „Es war schwierig, jeden Tag mit ihm die vielen Arbeitsaufträge zu erledigen und ihn immer wieder zu motivieren“, so Stuckmann. An den 82 Grundschulen im Kreis gilt seit gestern wieder der normale, tägliche Schulunterricht. Zumindest für die nächsten zwei Wochen bis zu den Ferien. 

Main-Kinzig-Kreis: Eltern der Viertklässler von Bruchköbeler Grundschule sehen die Situation differenziert

„Das ist aktionistisch“, findet darum auch eine Mutter, deren Tochter in die vierte Klasse der Haingartenschule in Bruchköbel geht. Denn für zwei Wochen müssen Kinder, Eltern und Lehrer sich wieder auf neue Stundenpläne und Planungen einstellen. Allerdings sei es zumindest für die Viertklässler schön, dass sie zum Ende ihrer Grundschulzeit die Schulkameraden wiedersehen könnten, ergänzt die Mutter. Und die meisten Eltern machen wie Familie Stuckmann keinen Gebrauch von der Möglichkeit, ihr Kind nicht in die Schule schicken zu müssen. 

Matthias Doebel, Schulleiter der Haingartenschule und Vorsitzender des Interessenverbandes Hessischer Schulleiter, meint in einem Interview mit dem Hessischen Rundfunk zu den Zahlen, wie viele Kinder zuhause bleiben: „Die Zahlen, die uns vorliegen, variieren zwischen fünf und 25 Prozent der Gesamtschülerschaft einer Schule, wobei Werte von über 15 Prozent bereits sehr hoch sind.“ 

Öffnung der Grundschulen: Entlastung für Eltern

Er spricht darum auch von einer hohen, doppelten Belastung für die Lehrer. Denn die müssten den Regelunterricht vorbereiten und abhalten und parallel das Homeschooling mit Wochenplänen und Videokonferenzen organisieren. Er weiß aber auch: „Für viele Arbeitnehmer allerdings, auch dessen sind wir uns bewusst, ist der Schritt der Öffnung eine große Entlastung, eine Perspektive für das kommende Schuljahr.“ 

Doebel spart aber auch nicht mit Kritik: Aus Sicht aller hessischer Schulleitungsverbände habe erneut die Kurzfristigkeit der Bekanntgabe der Entscheidung des Gesetzgebers, die Grundschulen und Grundstufen zum 22. Juni zu öffnen, für Unmut und Unverständnis gesorgt. „Die Schulleitungen zum wiederholten Mal eine Stunde vor der offiziellen Verlautbarung im Fernsehen zu informieren, sorgte für berechtigte Verärgerung.“ Auch sorge es bei Familien und Lehrern für Verunsicherung, wenn die Schulen als künftige Corona-Versuchslabore bezeichnet würden. Die mehr oder weniger ständige Unsicherheit sei für alle „hoch belastend“, so Doebel. 

Öffnung der Grundschulen: Für Lehrer eine große Herausforderung

Nicht nur die Familien müssen sich neu organisieren, auch in den Schulen werde viel Aufwand betrieben. Doebel: „Man muss sich klarmachen, dass Schulleitungen, seit den Schulschließungenam 13. März in der Regel acht Stundenpläne erstellt haben. Das ist für unser Bildungssystem eine unvorstellbar hohe Anzahl. Darüber hinaus befinden wir uns aktuell in der Endabwicklung des laufenden Schuljahres. Mit dem Schuljahresbeginn sind das die beiden herausfordernsten Zeitpunkte im gesamten Schuljahr. Aus der Sicht vieler Schulleitungen kann es von daher keinen ungünstigeren Zeitpunkt geben.“ Und auch wenn der Vorsitzende des Interessenverbandes die Sorgen und Nöte der berufstätigen Familien sieht und versteht, betont er stellvertretend für die 800 Verbandsmitglieder von Grund- und Förderschulen sowie integrierten Gesamtschulen, dass die Schulöffnung der Grundschulen bis nach den Ferien Zeit gehabt hätte.

Quelle: Hanauer Anzeiger

Rubriklistenbild: © Patrick Seeger/dpa

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