Hammersbach

Bodengutachten am Limes: Landwirte bekommen Unterstützung

Am Horizont sieht man die Logistikhallen: Bio-Bauer Christoph Förster und die Langen-Bergheimer Landwirtin Irmgard Beck (von links) ärgern sich mit den betroffenen Kollegen Thorsten Bopp und Karl-Heinz Hauler über die Diffamierung ihres Berufsstandes. Foto: Jan-Otto Weber

Hammersbach. Keine zwei Wochen ist es her, dass Tausende Bauern in Bonn gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung demonstriert haben. „Wir sind derzeit der Sündenbock für alles“, ärgert sich Karl-Heinz Hauler, der einen Betrieb in Himbach bewirtschaftet. „Und jetzt auch noch diese Anschuldigungen.“

Von Jan-Otto Weber

Die Landwirte haben sich an diesem Nachmittag gemeinsam mit Vertretern des Bauernverbands und des Wetter‧aukreises auf dem Hofgut Marienborn gegenüber dem interkommunalen Gewerbegebiet Limes getroffen, um ihrem Ärger Luft zu machen. Und um klarzustellen, dass sie sich bei der Bewirtschaftung ihrer Ackerflächen nichts vorzuwerfen haben. Dies hat inzwischen auch der zuständige Pflanzenschutzdienst beim Regierungspräsidium Gießen eindeutig bestätigt.

Die Zweifel am ordnungsgemäßen Umgang mit Pflanzenschutzmitteln hatte eine „gutachterliche Stellungnahme“ im Auftrag der Dietz AG aufgeworfen. Der Großinvestor aus Bensheim hatte die Ackerflächen beproben lassen, da er gemeinsam mit dem Zweckverband der Kommunen Hammersbach, Limeshain und Büdingen dort eine Erweiterung des Gewerbegebiets plant. „Die Beprobung fand ohne das Wissen der Landwirte statt“, betont Florian Dangel, Geschäftsführer des Regionalbauernverbands Wetterau-Frankfurt. „Das ist Hausfriedensbruch.“

SPD Limeshain schloss landwirtschaftliche Nutzung aus

In den Proben wurde der zugelassene Wirkstoff Terbuthylazin in unbedenklichen Mengen nachgewiesen. Das von der Dietz AG beauftragte Hagener Büro MundP Ingenieurgesellschaft zog jedoch unsachgemäß Grenzwerte aus der Trinkwasserverordnung heran und stellte aus nicht nachvollziehbaren Gründen einen Bezug zum seit 1982 verbotenen Wirkstoff Aldrin her.

Inzwischen haben die Behörden und auch ein von den Landwirten beauftragtes Gegengutachten festgestellt, dass bei der Bewirtschaftung alles mit rechten Dingen zuging. Die SPD-Fraktion Limeshain hatte jedoch bereits zuvor in einem Flugblatt behauptet, eine weitere landwirtschaftliche Nutzung der Flächen sei aufgrund der angeblich hohen Schadstoffbelastung ausschlossen. Eine gewerbliche Bebauung hingegen könne das Problem lösen.

„Wir haben keinen Fall“

„Hinter unserem Rücken wird nun geredet“, berichtet Landwirt Hauler, der wie sein Langen-Bergheimer Berufskollege Thorsten Bopp befürchtet, dass aufgrund der Gerüchte ihre Pachtverträge gekündigt werden könnten.

Hermann Götz und Dr. Hendrik Kamps vom Fachdienst Landwirtschaft des Wetteraukreises stärkten am Donnerstag den Bauern den Rücken. „Wir haben keinen Fall“, betonte Kamps, der auf zahlreiche fachliche Mängel an der von Dietz beauftragten gutachterlichen Stellungnahme hinwies. „Ich habe hier zudem zwei Trinkwasserproben dabei, die absolut einwandfrei sind.“

Politiker seien weit weg von den Bürgern

Andrea Rahn-Farr, Vorsitzende des Regionalbauernverbands Wetterau-Frankfurt, vermutet politische Gründe hinter dem Vorgehen der Befürworter des Gewerbegebiets. „Wir als Verband wehren uns gegen Flächenfraß. Wir haben das Gefühl, das ist jetzt eine Art Retourkutsche. Das ist eine Rufschädigung – nicht nur für die betroffenen Landwirte, sondern für den gesamten Berufsstand.“

Gastgeber Christoph Förster, der das Hofgut Marienborn als Biobetrieb führt und selbst gar keine Pflanzenschutzmittel einsetzt, schließt sich dem an. „Wir Bauern werden zu Unrecht diffamiert. Das können wir nicht stehen lassen. Deshalb habe ich gemeinsam mit Karl-Heinz Hauler und Thorsten Bopp das Gegengutachten beauftragt.“ Er habe auch versucht, mit Vertretern der SPD Limeshain zu sprechen, so Förster. Doch von Einsicht keine Spur. „Es ist wirklich traurig, dass diese Kommunalpolitiker inzwischen so weit weg sind von den Bürgern.“

Man behalte sich rechtliche Schritte vor

Immerhin, erklärte Rahn-Farr, habe Limeshains Bürgermeister Adolf Ludwig (SPD) ein Gespräch zugesagt, wenn auch erst in einigen Tagen. Und Florian Dangel vom Regionalbauernverband betonte: „Sollte die SPD-Fraktion Limeshain die Sache nicht klarstellen und weiter falsche Behauptungen verbreiten, werden wir uns rechtliche Schritte vorbehalten.“

Angemerkt: SPD-Fraktion braucht ZeitVon Jan-Otto WeberUm Missverständnissen vorzubeugen: Unsere Redaktion hat den Limeshainer SPD-Fraktionsvorsitzenden Andreas Bäcker von der heutigen Berichterstattung in Kenntnis gesetzt und angesichts der großen Vorwürfe um eine offizielle Stellungnahme zu verschiedenen Fragen gebeten. Denn inzwischen fordern neben den betroffenen Landwirten auch die Limeshainer Grünen und die Bürgerinitiative Schatzboden eine Gegendarstellung der im SPD-Flugblatt aufgestellten Behauptungen zur Qualität der Ackerböden. Herr Bäcker hat aufgrund der „Komplexität der Fragestellung“ um Zeit gebeten, damit er sich mit seiner Fraktion abstimmen kann. Dies ist von ehrenamtlich tätigen Kommunalpolitikern nicht immer von heute auf morgen zu leisten. Wir werden berichten.

Quelle: Hanauer Anzeiger

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