Treff ist frisch renoviert

Die Hammersbacher Seniorenbeirats-Vorsitzende Ursula Fladerer ist nah an den Menschen

Sie steckt voller Elan und Ideen: Ursula Fladerer, Vorsitzende des Seniorenbeirats Hammersbach, vor der neu eingerichteten Bibliothek des Seniorentreffs an der Hauptstraße 2 in Marköbel.
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Sie steckt voller Elan und Ideen: Ursula Fladerer, Vorsitzende des Seniorenbeirats Hammersbach, vor der neu eingerichteten Bibliothek des Seniorentreffs an der Hauptstraße 2 in Marköbel.

Mitten im Marköbeler Fachwerkensemble, dicht gedrängt neben dem imposanten Untertor, befindet sich der Hammersbacher Seniorentreff. Beinahe könnte man das Gebäude achtlos passieren, wäre da nicht der Schaukasten am Hoftor, in dem seit geraumer Zeit ein gelber Zettel hängt. „Unsere üblichen Aktivitäten liegen auf Eis, aber Nichtstun bringt einen bekanntlich auch nicht weiter“, steht dort geschrieben. „Nachdem in unserem Seniorentreff ja nun gar nichts stattfinden durfte, haben wir uns dran gemacht, den Seniorentreff zu verschönern.“

Hammersbach – Und tatsächlich: Beim Betreten des Häuschens eröffnen sich dem Besucher freundliche Räume mit hellen Farben in Gelb und Beige, gepflegtes Laminat, einladende Holzmöbel. In der Küche im Erdgeschoss ist der Kaffeetisch gedeckt. Wann sich hier wieder Senioren zum Plausch treffen werden, ist jedoch noch ungewiss.

„Nachdem wir alles aufgeräumt und aussortiert hatten, haben die Bauhofmitarbeiter im Dezember die Räume renoviert“, erläutert Ursula Fladerer zur Begrüßung. Die 72-Jährige gehört dem Seniorenbeirat seit dem Jahr 2016 an. 2019 wurde sie zur Vorsitzenden des Gremiums gewählt, das sich um die Belange der über 65-Jährigen in Langen-Bergheim, Marköbel und Hirzbach kümmert.

Jung und Alt zusammenbringen

Doch der Seniorentreff steht nicht nur älteren Menschen offen. Als wir die schmale Treppe hinaufsteigen, fällt der Blick auf ein Regal im Flur mit zahlreichen Kinder- und Jugendbüchern: Astrid Lindgren, Andersens Märchen – und im unteren Fach eine Reihe mit Karl-May-Bänden. „Es ist mir ein Anliegen, Jung und Alt zusammenzubringen“, erklärt Fladerer. So würde sie beispielsweise auch gern im Advent einen Bastelnachmittag für Großeltern und Enkel veranstalten.

Früher, als der Weihnachtsmarkt im Ort noch am Untertor begann und der Seniorentreff gut eingebunden war, habe sich der Seniorenbeirat unter anderem mit einem Bücherflohmarkt beteiligt. Bei der jetzigen Umgestaltung des Treffs kam dann die Idee auf, die gelagerten Bücher in einer Bibliothek kostenlos zugänglich zu machen.

Und so erstreckt sich nun im großen geschmackvoll eingerichteten Raum im Obergeschoss eine beachtliche Büchersammlung über die hintere Wand. Davor steht ein langer Holztisch mit Stühlen. In einer Nische hinter dem freigelegten Fachwerk befinden sich ein weinrot gepolsterter antiker Sessel und ein Tischchen mit Leselampe. In diesem Raum ist Platz für gemütliche Zusammenkünfte.

„Engagement macht mir einfach unheimlich Spaß“

„Größere Veranstaltungen finden allerdings im Martin-Luther-Haus statt, wo es auch barrierefrei ist“, erläutert Ursula Fladerer. Und sie hat mit ihren sieben weiteren Beiratskollegen bereits einige Aktionen geplant, die demnächst auch im „Herbstblatt“, der Informationsbroschüre des Gremiums, veröffentlicht werden (siehe auch Infokasten). Zudem wird dem „Herbstblatt“ ein Umfragezettel zur weiteren Programmgestaltung beiliegen, auf dem die Senioren die von ihnen bevorzugten Aktivitäten ankreuzen können. Dazu gehört die Wiederaufnahme der Spielenachmittage, ein Malkurs, die beliebten Kinovorstellungen im Martin-Luther-Haus, Vorträge zu Themen wie Pflegeversicherung und Einbruchssicherheit oder auch die seit vielen Jahren beliebten Theaterfahrten. Diese entstammen zwar nicht ursprünglich dem Seniorenbeirat, aber Ursula Fladerer hat vor einer Weile auch deren Organisation übernommen.

„Das Engagement im Seniorenbeirat macht mir einfach unheimlich Spaß“, erklärt die Vorsitzende. „Ich habe immer schon gern mit Menschen zu tun gehabt, auch beruflich.“ Ursprünglich stammt Ursula Fladerer aus Heidelberg. 1983 kamen sie und ihr Mann über dessen berufliche Tätigkeit in die Region. Sie kauften sich in Langen-Bergheim einen alten Hof an der Kirche – mit zwei Kindern, zwei Haflingern, einem Hund und dem Garten hatte Ursula Fladerer gut zu tun.

„Damals habe ich beim Bauern bei der Heuernte geholfen und bekam dafür Futter für die Pferde“, gesteht sie ihre Liebe zur Landwirtschaft. „Schon als Kind in Heidelberg habe ich gern Rasen gemäht“, lacht sie.

Geburtsatagsbesuche sollen wieder aufgenommen werden

Zudem eröffnete die Physiotherapeutin bald eine eigene Praxis, in der sie heute noch für ihren Nachfolger die Buchführung macht. „Das ist wirklich schön, man sieht und hört noch was.“

Erst kürzlich war sie für einige Wochen in Karlsruhe, wohin ihre Tochter gezogen ist. Dort unterstützte sie die junge Familie bei der Eingewöhnung der Zwillinge in den Kindergarten. Ihr Sohn lebt in Hammersbach, weitere Verwandte sind von Heidelberg bis Österreich verstreut.

„Das ist das Tolle an Hammersbach. Hier leben die Familien noch im Ort zusammen, es gibt richtige Clans“, lacht Fladerer. Über das „Herbstblatt“, das mit einer Auflage von über 1000 Exemplaren verteilt wird, werden alle über 65-Jährigen angesprochen. Teilweise nehmen auch Bewohner der benachbarten Senioren-Dependance an Veranstaltungen im Martin-Luther-Haus teil. Sobald Corona es zulässt, will der Seniorenbeirat auch die Geburtstagsbesuche in der Gemeinde wieder aufnehmen.

Pläne und Ideen gibt es also viele. Die Seniorenbeiratsmitglieder hoffen nun aber erst einmal auf niedrige Inzidenzen auch nach der Urlaubszeit, damit die Seniorenarbeit wieder Fuß fassen kann. Doch von der Pandemie mal abgesehen, wünscht sich Ursula Fladerer grundsätzlich etwas mehr Beteiligung vonseiten der Senioren. Zur Beiratswahl im kommenden Jahr will sie aber gern wieder antreten. Wie gesagt: In der Küche im Erdgeschoss des frisch renovierten Seniorentreffs ist der Kaffeetisch bereits gedeckt. „Jetzt fehlen nur noch die Besucher.“ (Jan-Otto Weber)

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