Kultur

Geschmeidig wie Erdnussbutter: Hirzbacher Kapelle startet mit Pindakaas-Quartett in eingeschränkte Saison

Mit Abstand auf engem Raum: Die vier Musiker des Pindakaas-Quartett freuten sich über ihren ersten Auftritt nach der Corona-Pause in der Hirzbacher Kapelle.
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Mit Abstand auf engem Raum: Die vier Musiker des Pindakaas-Quartett freuten sich über ihren ersten Auftritt nach der Corona-Pause in der Hirzbacher Kapelle.

Schon in normalen Zeiten fasst die Hirzbacher Kapelle, die von Künstlern und Besuchern wegen ihrer Akustik und Intimität als Veranstaltungsort hoch geschätzt ist, nur ein ausgewähltes Publikum. Am Sonntagnachmittag verteilten sich im kühlen Innenraum 20 Zuhörer auf Bänken und Stühlen mit Abstand, und vor der geöffneten Tür konnten dank des stabilen Sommerwetters noch einige Gäste im Garten mit Mund-Nasen-Schutz sitzen und den geschmeidigen Saxophonklängen lauschen, die das alte Gemäuer erfüllten. Hier war zum coronabedingt verspäteten Start der Konzert-Saison das Pindakaas-Quartett aus dem Ruhrgebiet auf Einladung des Fördervereins zu Gast und bot im Rahmen eines einstündigen Konzertes ohne Pause Auszüge aus seinem vielschichtigen Programm „America!“ dar.

Hammersbach – Eigentlich sollte es im Mai bereits mit dem Hirzbacher Kulturprogramm weitergehen. Angesichts der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie war das leider nicht möglich. Einige der ursprünglich geplanten Konzerte, die nun als Live-Auftritt auf das kommende Jahr verschoben wurden, wie das der Harfenistin Nadia Birkenstock, wurden im Studio gefilmt und sind online abrufbar.

„Aber nun trauen wir uns wieder an die Live-Veranstaltungen unter Einhaltung aller Abstands- und Hygienevorschriften. Die Veranstaltungen im August und September finden wie geplant statt“, sagte Silvia Behnke vom Förderverein Hirzbacher Kapelle am Sonntag. Freilich ohne einschätzen zu können, welche Einschränkungen durch die aktuell steigenden Infektionszahlen in der Region eventuell noch zu befürchten sind. Sie bat jedenfalls ausdrücklich darum, Plätze zu reservieren, da das Platzangebot sehr begrenzt sei, wenn man nicht ins Freie ausweichen könne.

Auch die vier Pindakaas-Musiker freuten sich über ihren ersten Auftritt nach einer langen Pause, feiere man doch 2020 das 30-jährige Bestehen des Quartetts, das man sich etwas anders vorgestellt habe, erklärte Baritonsaxophonist Matthias Schröder, der humorvoll und informativ durch das Programm führte. Zum Ensemble gehören ebenso Thorsten Floth (Sopran- und Altsaxophon), Guido Grospietsch (Altsaxophon) und Anja Heix (Tenorsaxophon). Seit 1990 tritt das Klassikensemble europaweit auf, sei es in Kammer- und Kirchenmusikreihen, sei es bei renommierten Festivals. Beim internationalen Meisterkurs „Kammermusik mit Saxophonen“ wurden die Musiker mit dem „Kulturpreis“ ausgezeichnet. Das Ensemble gab Konzerte in Kuwait und Schottland, in Italien und in der Schweiz, in den Niederlanden und in Luxemburg.

Mit einem guten Schuss Humor tauften sich die Musiker auf den niederländischen Namen Pindakaas (Erdnussbutter). Erdnussbutter zeichnet sich durch eine geschmeidige Streichfähigkeit und cremige Konsistenz mit individuellem Geschmack von süß bis salzig aus. Im übertragenen Sinne lassen sich diese Eigenschaften auch auf das Bläserquartett übertragen. Denn Pindakaas zeigte mit der Auswahl seiner Stücke für das Hirzbacher Konzert die Wandlungsfähigkeit des Instruments, unterstrichen von enormer Virtuosität, mit der die Musiker die Werke präsentierten.

Den Auftakt gestaltete das Quartett mit einer „faszinierenden Neuentdeckung“, einer Suite für Saxophon-Quartett des Chicagoer Komponisten Leon Stein aus dem Jahre 1967. Das weitere Kammermusikprogramm „Amerika!“ des Quartetts bot ebenfalls Musik aus der „Neuen Welt“. Amerikanische Klassiker wie die Filmmusik „Our Town“ von Aaron Copland ebenso wie Chick Coreas „Children’s songs“.

So führte die anregende und farbtonreiche Reise durch den amerikanischen Kontinent natürlich auch zu George Gershwins Klassikern wie „Summertime“, „O Lady be good“ und „The Man I love“ und abwechslungsreicher Weltmusik von Igor Strawinsky mit einem Tango und Astor Piazzollas „Milonga Picaresque“. Als Zugabe konnte sich das Publikum schließlich noch über einen schwungvollen Marsch aus Leonard Bernsteins „West Side Story“ freuen.

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