Renaturierung des Krebsbaches

Hammersbach will Biotope schaffen und vernetzen

Der Krebsbach soll sich wieder durch Hammersbach schlängeln: In den kommenden Wochen sollen die Uferbereiche laut Bürgermeister Michael Göllner (rechts) abgeflacht, Windungen eingegraben und das Bachbett abgeflacht werden.
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Der Krebsbach soll sich wieder durch Hammersbach schlängeln: In den kommenden Wochen sollen die Uferbereiche laut Bürgermeister Michael Göllner (rechts) abgeflacht, Windungen eingegraben und das Bachbett abgeflacht werden.

Im Dezember haben die umfangreichen Arbeiten zur Renaturierung des Krebsbaches begonnen. Bereits vor etwa 15 Jahren wurden einige Teilbereiche des Krebsbaches und seiner Nebenbäche in einen ursprünglichen Zustand versetzt. Dies wird nun auf weiten Strecken des Krebsbaches fortgesetzt.

Hammersbach – Wie Bürgermeister Michael Göllner (SPD) mitteilt, soll dem Krebsbach wieder mehr Platz gegeben werden, er soll sich schlängeln können, und Pflanzen und Tieren soll die Möglichkeit gegeben werden, sich dauerhaft wieder anzusiedeln.

Eine große Hürde bei diesem Plan sei allerdings die Verfügbarkeit der dazu benötigten Flächen. Deshalb wurde laut Göllner in den letzten Jahren ein Flurbereinigungsverfahren vorgeschaltet, das es der Gemeinde ermöglichte, Eigentum am Rande des Gewässers zu erwerben.

Vor Jahrzehnten wurden die Bachläufe meist begradigt, um einen schnellen Wasserablauf zu schaffen und Flächen trocken zu legen.

„Die Bäche wurden in ein enges Korsett gezwängt und die Felder bis an den Gewässerrand bewirtschaftet“, heißt es in der Mitteilung. „Seit einigen Jahren ist man aber dabei, diese Entwicklung wieder umzukehren, denn die Renaturierung dient sowohl der Ökologie als auch dem Hochwasserschutz.“ Durch eine sogenannte Mäandrierung, das heißt so viel wie „In-Schleifen-Legung“, soll der Bachlauf verlängert werden. Zudem soll das Bachbett ausgeweitet werden, um mehr Wasser zu fassen.

Die Uferbereiche werden dabei so abgeflacht, dass das Gewässer in den Auebereichen wieder über die Ufer treten kann. Dies führe dazu, dass an den Unterläufen der Gewässer die Hochwasserspitzen gebrochen werden. Naturnahe, strukturreiche Gewässer seien darüber hinaus in einer intensiv landwirtschaftlich genutzten Landschaft wichtige Lebensräume für die heimische Flora und Fauna. In einer Studie des Regierungspräsidiums Darmstadt wurden vor einigen Jahren auch für den Bereich des Krebsbaches strukturverbessernde Maßnahmen als dringend eingestuft. Diese Bewertung begründe sich aus der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie, die verlangt, dass Maßnahmen zu treffen sind, um einen guten ökologischen und chemischen Zustand der Gewässer zu erreichen. Daher wurden in Hammersbach Strecken ausgewählt, an denen die Renaturierungsprojekte als Ausgleichsmaßnahmen für das Gewerbegebiet Limes durchgeführt werden können. Auch an den Einleitestellen des Abwasserverbandes Oberes Krebsbachtal bei der Kläranlage Marköbel gab es im Zuge der Einleitegenehmigungen entsprechende Auflagen, denen nun nachgekommen werden könne. Hierdurch wird die Finanzierung dieser ökologisch wichtigen Maßnahmen erst ermöglicht.

In den kommenden Wochen sollen nun in mehreren Bereichen die Arbeiten weitergeführt werden. Insbesondere die Geländemodellierung sei dabei sehr aufwendig und anspruchsvoll.

Der Bürgermeister freut sich, dass es nun am Krebsbach vorangeht: „Die Renaturierung unserer Fließgewässer ist eine sehr wichtige Aufgabe. Wir können so in unserer Landschaft wieder naturnahe Strukturelemente einbringen und entlang der Gewässer Biotope neu schaffen und vernetzen“, wird er in der Mitteilung zitiert. „Ich bin froh, dass wir nach den vielen Jahren der Vorarbeiten nun in die konkrete Umsetzung kommen. Enttäuscht bin ich aber vom Land Hessen, das eigentlich für die Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie verantwortlich ist.“ Das Land habe das Gutachten seinerzeit bezahlt und durch sein Amt für Bodenmanagement auch die Flurbereinigung erst ermöglicht. „Auf den landeseigenen Flächen, die im Bereich der benachbarten Domäne Marienborn in Eckartshausen liegen, ist man bisher aber nicht bereit, diese Maßnahmen umzusetzen oder uns die Gewässerrandstreifen zum Verkehrswert zu verkaufen, damit wir die Maßnahmen durchführen können“, so Bürgermeister Göllner. Daher bleibe ausgerechnet auf dem Boden des Landes Hessen der schlechte Gewässerzustand erhalten.  jj

Bürgermeister Michael Göllner (rechts) macht sich vor Ort ein Bild von den Arbeiten am Krebsbach.

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