50 Jahre Hammersbach

Marköbel und Langen-Bergheim fusionierten 1971

Der HANAUER ANZEIGER berichtete am 2. Januar 1971 über die kreisübergreifende Fusion der Dörfer Marköbel (Hanau) und Langen-Bergheim (Büdingen).
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Der HANAUER ANZEIGER berichtete am 2. Januar 1971 über die kreisübergreifende Fusion der Dörfer Marköbel (Hanau) und Langen-Bergheim (Büdingen).

2000 neue „Untertanen“ bescherte die Fusion von Marköbel und Langen-Bergheim am 1. Januar 1971 dem Hanauer „Landvogt“ Martin Woythal (SPD). Diese Formulierung im Bericht des HANAUER mag auch für damalige Leser sehr eigentümlich geklungen haben. Der ironische Ton begründete sich in den hitzigen Verhandlungen, die der Fusion vorangegangen waren.

Hammersbach – Denn vor allem im Büdinger Kreistag und in der Gemeindevertretung Langen-Bergheim gab es verbreitete Zweifel, ob man das Dorf an den Landkreis Hanau abtreten sollte.

Vielerorts wurden vor 50 Jahren solche Debatten im Rahmen der Gemeindegebietsreform geführt, die in mehreren Phasen zwischen 1969 und 1979 in Hessen durchgeführt wurde. Ziel dieser Gebietsreform war es, mittels größerer Verwaltungseinheiten leistungsfähigere Gemeinden und Landkreise zu schaffen. Den Gemeinden wurden Anreize für einen freiwilligen Zusammenschluss durch Vergünstigungen im Kommunalen Finanzausgleich gesetzt. Eine Zwangszusammenlegung drohte ab dem 1. Juli 1974.

Dörfer kamen Zwangseingemeindung zuvor

So weit kam es in Hammersbach nicht. Wie in der Chronik des SPD-Ortsvereins zu lesen ist, drohte am Ende der 60er Jahre beiden Dörfern der Anschluss an größere Flächengemeinden, in denen sie „aufgrund ihrer Randlage sicherlich auch nur eine Randrolle hätten spielen können“. Die Auseinandersetzung mit dieser „Bedrohung“ habe in der SPD bereits im April 1967 begonnen, als Heinz Benker in einem Schreiben an den Ortsvereinsvorsitzenden Emil Köth zur Gründung eines Arbeitskreises aufrief, der sich mit der weiteren Entwicklung der Gemeinde beschäftigen sollte. „Kümmern wir uns nicht intensiv um die Stellung und Entwicklung der Gemeinde, kann es passieren, dass die Entwicklung über uns hinweggeht.“

Knapp vier Jahre später fand die „Geburtsfeier“ der neuen Gemeinde auf der ehemaligen Kreisgrenze zwischen den beiden Ortschaften statt. Laut Bericht des HANAUER umrahmten der Spielmannszug des Turnvereins Marköbel und der Gesangverein Langen-Bergheim die Feierstunde auf der Anhöhe zwischen den beiden Dörfern, zu der die Bürgermeister Konrad Wahl aus Marköbel und Heinrich Kuhn aus Langen-Bergheim zuvor ausdrücklich alle Vereine und die Bevölkerung eingeladen hatten.

Versöhnliche Einladung nach Zwist

„Wir wollen nun – über manches Trennende der letzten Zeit hinweg – mit dem Aufbau und der Entwicklung der neuen Gemeinde beginnen“, heißt es in einem Schreiben der beiden vom 28. Dezember 1970, das der heutige Hammersbacher SPD-Fraktionsvorsitzende Wilhelm Dietzel in der Parteichronik aufbewahrt hat.

„Es wird auf uns Alle ankommen, dass wir die Zeichen der Zeit verstehen und unsere neue Gemeinde so entwickeln helfen, wie wir Bürger und die nachwachsende Jugend uns das vorstellen“, heißt es in der Einladung weiter. „Stehen Sie der neuen Gemeinde bereits zu Beginn zur Seite, indem Sie besonders zahlreich an der kleinen "Geburtsfeier" teilnehmen.“

Die Übergabe der Fusionsurkunde an Bürgermeister Konrad Wahl (rechts) durch Landrat Martin Woythal (links) im Beisein von Heinz Benker (Mitte).

Fusionsfeier auf ehemaliger Grenze der Landkreise Büdingen und Hanau

Die Einladung kam an. „Überraschend viele Menschen“ seien laut HA-Bericht hinausgewandert, um sich auf der einstigen Grenze „symbolisch zu vereinen“, wo ein großes Holzfeuer entfacht wurde, vor dem Landrat Woythal im Namen der Landesregierung und im Beisein des Bundestagsabgeordneten Gerhard Flämig (SPD) die Fusionsurkunde überreichte.

„Heinz Benker gab als Vorsitzender der Kommission für den Zusammenschluss einen kurzen Rückblick auf die nicht leichten Verhandlungen, die schließlich doch, als man schon nicht mehr daran glauben wollte, zum Erfolg führten“, berichtet der HA. Konrad Wahl, ehemaliger Bürgermeister von Marköbel, mahnte abschließend zur Zusammenarbeit und bat um die Hilfe aller, das begonnene Werk jetzt erst richtig zu vollenden. „Die Vereinigung wird nicht mit der Überreichung der Urkunde vollzogen, sondern sie beginnt erst jetzt“, wird Wahl im damaligen HA-Bericht zitiert. „Lasst uns nun allen Hader vergessen.“ Jan-otto Weber

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