Naturschutz

Hammersbach: Pflegemaßnahmen an Weiher in Marköbel stoßen auf Unverständnis

Naturfotograf Dieter Maisch kann die Pflegemaßnahmen im Auftrag der Naturlandstiftung am Weiher in der Nähe des Marköbeler Fischteichs nicht nachvollziehen.
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Naturfotograf Dieter Maisch kann die Pflegemaßnahmen im Auftrag der Naturlandstiftung am Weiher in der Nähe des Marköbeler Fischteichs nicht nachvollziehen.

Dieter Maisch ist sauer. Kopfschüttelnd gleitet sein Blick vom Feldweg, der Richtung Marköbeler Fischteich führt, über die von Baggerspuren durchfurchte Wiese hinüber zum Weiher am Klöppelstein. Am matschigen Uferrand liegen Äste von gerodeten Sträuchern. Ein klägliches Bild.

Hammersbach – „Die haben hier ganz schön Tabula rasa gemacht“, kommentieren zwei Frauen, die mit ihren Nordic-Walking-Stöcken vorbeimarschieren. „Ich bin restlos enttäuscht“, sagt auch Dieter Maisch. „Von einem Biotop kann hier keine Rede mehr sein.“

Vor zweieinhalb Jahren ist der 80-Jährige von Mittelbuchen nach Hirzbach gezogen. Schnell hat er den idyllischen Weiher lieb gewonnen. Dutzende Libellen, Amphibien und andere Tiere hat der Naturfotograf, der sich auch bei der Hirzbacher Blühfeld-Initiative engagiert, hier bereits abgelichtet.

Mit schwerem Gerät Teich ausgebaggert

„Erst im vergangenen Jahr ist hier eine Firma angerückt und hat die Büsche auf Stock gesetzt“, schildert Maisch. Schon damals habe er sich geärgert. Doch dass nun schon wieder schweres Gerät angerollt sei und der Weiher sogar ausgebaggert wurde, macht ihn fassungslos. „Gerade an diesem beliebten Spazierweg, wo auch viele Familien mit Kindern vorbeikommen, hätte man die Möglichkeit, den Leuten die Schönheit der Natur zu zeigen und für deren Schutz zu sensibilisieren. Dass dieses urige Biotop jetzt zerstört wurde, regt mich einfach auf.“

Gerodete Sträucher und ein vom Bagger zerfahrenes Ufer ergeben derzeit ein unschönes Bild.

Manfred Geis vom Vorstand der Naturlandstiftung zeigt auf Nachfrage unserer Zeitung Verständnis. „Das sieht jetzt erst mal brutal aus, das ist klar. Aber die Natur wird sich auch schnell wieder erholen.“ Die Naturlandstiftung im Main-Kinzig-Kreis ist ein gemeinnütziger Verein, der insgesamt 17 Kleingewässer betreut. Er will ein Biotopnetz für Tiere und Pflanzen schaffen. Vorsitzender ist Hammersbachs Bürgermeister Michael Göllner.

Weiher ist kein Naturgewässer

„Der Weiher in Marköbel ist kein Naturgewässer, sondern vor 30 Jahren von der Gemeinde angelegt worden“, erklärt Manfred Geis. „Große Teiche leben von sich heraus und bilden ein stabiles Ökosystem. Aber ein so kleines Gewässer versumpft schnell. Schilfrückstände verfaulen, die Ufer wachsen immer mehr zu, die Sonne dringt nicht mehr zur Wasseroberfläche durch. Der Sauerstoffgehalt in den Gewässern nimmt ab.“

Die Folge sei, dass Grasfrösche und andere Tiere keine Laichmöglichkeiten mehr hätten, da sich die Kaulquappen nicht entwickeln könnten. „Solche von Menschenhand angelegten Biotope in unserer Kulturlandschaft brauchen nun mal Pflege, weil sie sonst verwildern“, wirbt Geis um ein richtiges Naturverständnis. „Alle zehn bis 20 Jahre sind deshalb solche massiven Eingriffe nötig. Die Firma, mit der wir seit Jahren zusammenarbeiten, hat in solchen Dingen große Erfahrung und Sachverstand.“

Frostperiode im Februar für Arbeiten genutzt

Doch warum wurden dann nicht alle Arbeiten bereits im vergangenen Jahr miterledigt, anstatt zweimal einzugreifen? „Letztes Jahr ging es nur darum, die Hecken und Büsche am Wegrand auf Stock zu setzen“, erläutert Geis. Das Gelände um den Weiher sei davon unbehelligt geblieben. „In diesem Jahr haben wir die lange Frostperiode im Februar genutzt, um mit dem Bagger an das Biotop heranzufahren. Auf diese Weise sollten die Grasnarbe und der Uferbereich so gut wie möglich geschont werden.“

Den Fröschen mache es im Übrigen nichts aus, dass der Weiher momentan nicht so ansehnlich sei. „Mit den ersten lauen Nächten gehen die Laichwanderungen wieder los. Und im Sommer ist alles wieder so gewachsen, dass man von den Pflegemaßnahmen kaum noch etwas sieht“, versichert Geis. Jan-Otto Weber

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