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90.000 Euro für Familie von tödlich verunglücktem Lkw-Fahrer gesammelt

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Von: Jan-Otto Weber

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Mit traditionellen kirgisischen Hüten wurden Bürgermeister Michael Göllner (SPD, hinten Mitte), Gemeindebrandinspektor Jens Eyrich (Zweiter von rechts) und Bauamts-Mitarbeiter Tobias Lenz (rechts) von der Ehefrau des verunglückten Lkw-Fahrers (rechts), deren Kindern und den beiden Brüdern des Verstorbenen empfangen.
Mit traditionellen kirgisischen Hüten wurden Bürgermeister Michael Göllner (SPD, hinten Mitte), Gemeindebrandinspektor Jens Eyrich (Zweiter von rechts) und Bauamts-Mitarbeiter Tobias Lenz (rechts) von der Ehefrau des verunglückten Lkw-Fahrers (rechts), deren Kindern und den beiden Brüdern des Verstorbenen empfangen. © Privat

Im Januar starb ein Lkw-Fahrer an einer Raststätte bei Hammersbach. Nun besuchte eine Delegation aus der Kommune die Familie in Kirgisien, um ihr Spenden zu überreichen.

Hammersbach – Bei der Spendenaktion der Gemeinde Hammersbach (Main-Kinzig-Kreis) und der örtlichen Kirchengemeinden zugunsten der Familie eines tödlich verunglückten kirgisischen Lkw-Fahrers ist die Summe von 90.000 Euro zusammengekommen. Angesichts dieses unerwartet hohen Betrags ist Hammersbachs Bürgermeister Michael Göllner (SPD) mit Gemeindebrandinspektor Jens Eyrich und Bauamtsmitarbeiter Tobias Lenz nach Kirgisien gereist, um sich mit diplomatischer Unterstützung um eine zweckmäßige Verwendung der Gelder zu kümmern.

Göllner persönlich hatte mit 2000 Euro aus der Spendenaktion gerechnet. Hauptamtsleiterin Sandra Schutt meinte, 5000 Euro würden schon zusammenkommen. „Als die Spendensumme dann fünfstellig wurde und bald auch die 40.000 Euro überschritt, war klar, dass wir das Geld nicht einfach nach Kirgisien überweisen können“, berichtet Bürgermeister Michael Göllner (SPD).

Am Ende kommen sage und schreibe 90.000 Euro bei der Spendenaktion für die Hinterbliebenen des kirgisischen Lkw-Fahrers zusammen, der am 17. Januar bei einem Unglück auf der Raststätte Langen-Bergheim ums Leben gekommen war. Ein Auto-Fahrer war in die Tankstelle gerast, es kam zu einer Explosion, ein Trümmerteil erschlug den 47-Jährigen, der zufällig über die Raststätte lief. Er hinterließ seine Ehefrau und vier Kinder im Alter zwischen fünf und 13 Jahren.

Hammersbacher Delegation fliegt 6000 Kilometer

„Die Anteilnahme im Ort und in der gesamten Region war überwältigend“, erzählt Göllner mit Blick auf die von der Gemeinde Hammersbach und den Kirchengemeinden aus Marköbel und Langen-Bergheim ins Leben gerufene Spendenaktion. Doch was sollte nun mit dem vielen Geld geschehen? „Der Durchschnittsverdienst in Kirgisien liegt bei 300 Euro im Monat“, erläutert der Bürgermeister. „Wir wollten die Familie nicht mit einer solchen Summe überfordern und sichergehen, dass das Geld auch wirklich in vollem Umfang der Witwe und ihren Kindern zugutekommt.“

Nach einem Gespräch mit einem Spender aus Wiesbaden, der geschäftliche Beziehungen nach Kirgisien unterhält, fasste Göllner den Entschluss, selbst in das 6000 Kilometer entfernte zentralasiatische Land zu reisen. In Zusammenarbeit mit dem kirgisischen Konsulat in Frankfurt und der deutschen Botschaft vor Ort, wurde die Reise geplant. Der Regionalverband Frankfurt-Rhein-Main, dessen Vorstand Göllner angehört, sponserte die Reisekosten für den Bürgermeister und seinen Bauamtsmitarbeiter Tobias Lenz. Auch Gemeindebrandinspektor Jens Eyrich, der bei dem Unglück im Januar im Rettungseinsatz war, bekam den Flug durch eine zweckgebundene Privatspende an die Feuerwehr finanziert.

Hammersbach: Unterstützung vor Ort durch deutsche Botschafterin

„Während unseres Aufenthalts waren wir Gäste in der Residenz der deutschen Botschafterin Dr. Gabriela Guellil. Eine sehr beeindruckende Frau mit immensem geopolitischem Wissen. Sie hat uns nach unserer Ankunft morgens um vier noch etwas zu essen gemacht“, berichtet Göllner beinahe etwas ungläubig, angesichts der tiefen Eindrücke dieser Reise.

Gleich am ersten Morgen besuchte die Hammersbacher Delegation gemeinsam mit einem Fahrer und einer Dolmetscherin der Botschaft die Familie in Sokuluk, einem Vorort der Hauptstadt Bischkek, in der über eine Million Menschen leben. „Der Empfang war unheimlich herzlich“, so Göllner. „Neben der Witwe und ihren Kindern waren auch zwei Brüder und eine Schwester des Verstorbenen sowie weitere Verwandte da, die sich derzeit um die Familie kümmern. Sie hatten eine lange Tafel mit landestypischen Spezialitäten gedeckt. Die Gastfreundschaft war großartig. Unser Besuch war durchaus auch ein Stück Völkerverständigung.“

An der Festtafel packen die Kinder Geschenke aus, die die Hammersbacher Delegation mitgebracht hat.
An der Festtafel packen die Kinder Geschenke aus, die die Hammersbacher Delegation mitgebracht hat. © Privat

Hammersbach: Gemeindebrandinspektor klärt Familie über Unglückshergang auf

Und es bot sich die Gelegenheit, der Familie darüber zu berichten, wie der Vater und Ehemann ums Leben gekommen ist. „Sie dachten, er sei bei lebendigem Leibe verbrannt und habe furchtbar gelitten“, schildert Göllner. „Jens Eyrich, der am Unglückstag ja vor Ort im Einsatz war, konnte der Familie mit seinen Schilderungen bohrende Fragen beantworten und Trost spenden.“

Über die Verwendung der Spendengelder hatten sich die Beteiligten bereits im Vorfeld in Kooperation mit der Hanns-Seidel-Stiftung und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) verständigt. Auf Vorschlag des Frankfurter Konsulats hat die Familie mit Unterstützung einer Vertrauensanwältin inzwischen für 60.000 Euro eine möblierte Neubauwohnung in Bischkek gefunden.

Hammersbach hilft: Neue Wohnung und Ausbildung für die Kinder

„Die Verhältnisse, in denen die Familie bisher lebt, sind nach deutschen Maßstäben tatsächlich sehr bescheiden“, beschreibt Göllner. „Es gibt keine Toilette im Haus und auch keine richtige Küche. Die Kinder teilen sich ein kleines Zimmer.“

Durch die zentralere Lage der neuen Wohnung hätten die Kinder nun einen besseren Zugang zu Schulen, erklärt Göllner. Und auch die Mutter habe auf diese Weise bessere Möglichkeiten, Arbeit zu finden, um die Familie zu versorgen und sich ein selbstbestimmtes Leben aufzubauen. Denn eine Witwenrente oder ähnliche soziale Absicherungen gebe es so nicht in Kirgisien.

„Den Rest des Geldes werden wir in Deutschland zunächst treuhänderisch verwalten“, erklärt Göllner. „Es soll der Ausbildung der Kinder zugutekommen. Der 13-jährige Sohn der Familie will später mal Medizin studieren. Am liebsten in Deutschland.“ (Von Jan-Otto Weber)

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