Schock für Blühfeld-Initiative Hirzbach

Hammersbach: Unbekannte zerstören Bienenstöcke - Tausende Tiere tot

Ein Bienenvolk ist ein komplexes System. Im Naturkreislauf spielen die Bestäuber eine zentrale Rolle.
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Ein Bienenvolk ist ein komplexes System. Im Naturkreislauf spielen die Bestäuber eine zentrale Rolle.

Es ist ein Schock für Imker Paul Wegner, als er am vergangenen Sonntag bei strahlendem Winterwetter nach seinen Bienen sehen will. Schon aus einiger Entfernung sieht er das Unheil, während er sich dem Aufstellort der vier Völker im Feld bei Hirzbach zwischen der Hohen Straße und der Straße nach Butterstadt nähert. Unbekannte haben die Deckel von den Stöcken genommen und die Folie abgerissen.

Hammersbach – Schnee liegt auf den blanken Rahmen. Wo sich die Tiere im Winter sonst in der Holzzarge in einer dichten Traube brummend um die Königin scharen, um sich im Rotationssystem gegenseitig zu wärmen, liegen nun zahllose starrgefrorene Insektenkörper.

Unbekannte haben in der Feldgemarkung bei Hirzbach vier Bienenstöcke des Nidderauer Imkers Paul Wegner abgedeckt. Rund 25 000 Bienen sind erfroren.

„Drei der vier Völker sind tot“, schildert Wegner im Gespräch mit dem HA. „Wie lange das vierte der Kälte ausgesetzt war, weiß ich nicht. Einige Tiere haben jedenfalls noch gelebt.“ Etwa 25 000 Bienen sind damit dem Frost der letzten Tage zum Opfer gefallen. „Es ist wirklich unglaublich traurig.“

Umweltschützer sind fassungslos

Die Fassungslosigkeit bei dem Windecker Imker und seinen Kollegen von der Blühfeld-Initiative Hirzbach ist groß. Die Männer um den Landwirt Friedrich Bellgardt haben in den vergangenen drei Jahren von sich reden gemacht. Mit finanzieller Unterstützung von „Paten“ säen sie Ackerland mit insektenfreundlichen Blühpflanzen ein. Die abgeblühten Stängel bleiben über Winter stehen und bieten so dem Niederwild und Vögeln Deckung und Äsungsfläche. Auch zahlreiche Insekten sind zur Überwinterung auf solche Brachen in der sonst weitgehend ausgeräumten Landschaft angewiesen.

Die Initiative hat sich viele Sympathien erworben und erhielt im vergangenen Jahr den Umweltpreis des Main-Kinzig-Kreises. Der Schutz von Insekten ist in den vergangenen Jahren international in den Fokus gerückt. Bienen gelten bei dieser Bewegung als das Symboltier schlechthin. Umso infamer ist nun die Zerstörung der Bienenstöcke in Hirzbach. Dass es sich bei dem Übeltäter auch um ein Tier handeln könnte, etwa einen Waschbären, schließt Imker Paul Wegner aus. „Auf den Deckeln der Stöcke hatte ich schwere Steine liegen und Behälter mit Wasser. Die haben bisher jedem Sturm standgehalten. Ein Waschbär könnte die nicht verrücken.“

Nidderauer Imker will nicht aufgeben

Neben dem monetären Schaden – ein Bienenvolk kostet im Ankauf immerhin bis zu 150 Euro – bedeutet die Tat auch einen moralischen Rückschlag für die Initiative. „Wir sind gerade in den letzten Planungen für die Blühfeld-Saison 2021“, erläutert Dr. Hans-Joachim Wörn, der für die Öffentlichkeitsarbeit der Initiative zuständig ist. „So eine Tat ist kein dummer Jungenstreich. Da geht es auch um die Ethik gegenüber diesen tausenden Tieren. Mir fehlen da die Worte.“ Dennoch will sich Paul Wegner nicht entmutigen lassen: „Ich mache weiter und werde auch dieses Jahr Bienenvölker ins neue Blühfeld stellen. Wir haben ein tolles Team. Die Initiative muss weitergehen – gerade für die Bienen.“

Zeugen gesucht

Die Tat hat sich im Zeitraum zwischen dem 4. und dem 14. Februar ereignet. Wer Hinweise geben kann, wird gebeten, sich bei der Polizei unter z 06181 100123 zu melden.

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