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Hammersbacher Künstlerin Claudia Holz zeigt Aquarelle mit Marköbeler Dorfansichten

Aquarell: Der Kirchplatz mit seinen Kastanien ist für die Künstlerin Claudia Holz der schönste Ort in Marköbel.
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Der Kirchplatz mit seinen Kastanien ist für die Künstlerin Claudia Holz der schönste Ort in Marköbel.

Dass es Claudia Holz und ihren Mann nach Marköbel verschlagen hat, war Zufall. „Im Grunde sind wir vor dem Fluglärm aus Enkheim geflüchtet“, erzählt die 52-jährige Grafikerin und Künstlerin. „Etwas Altes“ hätten sie zum Wohnen gesucht. Und so stieß das Paar auf die Vermietungsanzeige für das Haus an der Hauptstraße, zwischen Untertor und Historischem Rathaus. Nun macht Holz dem Dorf eine malerische Liebeserklärung.

Hammersbach - Zugegeben: Sie sei vor zweieinhalb Jahren skeptisch gewesen, wirklich raus aufs Land zu ziehen. „Ich hatte mich auf Ablehnung im Dorf eingestellt, wenn da ein Paar aus der Stadt kommt. Aber die Marköbeler haben uns offen aufgenommen. Man muss nur freundlich auf die Leute zugehen. Mittlerweile grüßen mich viele auf der Straße.“

Mit den Nachbarn vom Kastanienhof hat sich sogar eine Freundschaft entwickelt. Und überhaupt hat Holz sich inzwischen richtiggehend in den Ort verliebt. „Es gibt so wunderschöne Winkel und Plätze – allen voran der Kirchplatz mit seinen alten Kastanien. Und natürlich die malerischen Fachwerkhäuser. Das Dorf hat einfach Charme, auch wenn hier und da der Putz bröckelt.“

Traditionshaus „Valentin Schmidt“

Dass die Marköbeler dem Paar aus Frankfurt mit Sympathie begegnen, mag aber auch an der Geschichte des Hauses liegen, dass sie bewohnen. Denn bei den älteren Dorfbewohnern ist der Fachwerkbau mit dem imposanten hölzernen Bogengiebel an der Hauptstraße 5 besser unter dem Namen des einstigen Ladenbesitzers „Valentin Schmidt“ bekannt, der bis heute über dem Portal im Erdgeschoss prangt.

Das Haus mit dem früheren Hammersbacher Traditionsgeschäft „Valentin Schmidt“ an der Hauptstraße 5 in Marköbel wird seit zweieinhalb Jahren von Künstlerin Claudia Holz und ihrem Mann bewohnt.  

„Wie man uns erzählte, hat eine Frau namens Maria Fricke hier zuletzt bis ins hohe Alter den Laden gemacht“, berichtet Claudia Holz. „Sie soll noch mit 85 Jahren die steile Leiter zu den hohen Regalen hinaufgeklettert sein. Im Dorf wurde sie ‘Valentins Maria’ genannt.“ In den letzten Jahren hätte dann unter anderen eine Goldschmiedin den Laden gemietet, auch Wolle sei hier eine Zeit lang verkauft worden. Doch die jeweiligen Betreiber konnten ihre Geschäfte nicht auf Dauer halten, so wie insgesamt die Läden in Marköbel und anderswo in den Dörfern nach und nach zumachen.

Neugierde auf neue Bewohner

„Als wir hier eingezogen sind, waren die Leute deshalb neugierig, was wir in dem Laden anbieten würden. Es ist wirklich ein toller Raum, aus dem man etwas machen könnte. Aber nach 20 Jahren als freischaffende Künstlerin, fehlt mir momentan einfach die Energie.“

„Die schönsten Plätze in Hammersbach“ mit Aquarellen von Claudia Holz sind für 19,90 Euro auch als Kalender erhältlich.

Und so nutzt ihr Mann das Geschäft mit der nostalgischen Türklingel derzeit hobbymäßig als Backstube. Zudem lagert das Paar in dem kühlen Raum Lebensmittel und andere Dinge.

Künstlerin Claudia Holz

Doch zumindest ab dem heutigen Samstag sollen sich die Hammersbacher an den Schaufenstern wieder die Nasen platt drücken. Schon bisher zeigte Claudia Holz hier regelmäßig ihre aktuellen großformatigen Ölbilder und Tierporträts, auf die sich die Autodidaktin, die auch als Grafikerin und Illustratorin tätig ist, im Lauf der Jahre spezialisiert hat. Von heute an stellt Holz unter dem Titel „Hammersbach – ein Kunstwerk“ hier die Aquarelle aus, die sie übers Jahr von den schönsten Plätzen in Marköbel gefertigt hat.

Kalender als Freude zur Adventszeit

„Eigentlich sollte die Ausstellung im Historischen Rathaus stattfinden“, erklärt die Künstlerin. „Doch Corona machte mir einen Strich durch die Rechnung.“ Vier Wochen lang habe sie überlegt, ob sie die Ausstellung unter diesen Umständen überhaupt angehen soll. Doch eine Freundin habe ihr schlussendlich dazu geraten, das Projekt durchzuziehen. Denn gerade in diesem harten Jahr, möchte Holz den Hammersbachern zur Adventszeit eine Freude machen – quasi als Hommage an das Dorf. Zudem hat sie noch kurzfristig einen Kalender gestaltet, den man, ebenso wie die Aquarelle, käuflich erwerben kann.

Bekannte Ansicht und doch ganz anders: das Untertor in Marköbel als Aquarell von Claudia Holz.

Dass nun ausgerechnet zur Ausstellungseröffnung die Hauptstraße wegen Arbeiten am Gasleitungsnetz für Kraftfahrzeuge gesperrt ist, nimmt Claudia Holz gelassen. „So können die Leute zu Fuß vorbeikommen und in aller Ruhe meine Bilder anschauen.“

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