Hammersbach

Limes: Bodenanalyse und SPD-Flugblatt sorgen für neuen Streit

Ein Wegweiser zeigt am Verkehrskreisel zwischen Langen-Bergheim und Eckartshausen in Richtung des interkommunalen Gewerbegebiets Limes. Einen Wegweiser scheinen auch die Beteiligten an der Diskussion um das Gewerbegebiet gebrauchen zu können, um sachlich und auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben. Foto: Jan-Otto Weber

Hammersbach. Die Auseinandersetzung um das interkommunale Gewerbegebiet Limes geht in eine neue Runde. So kam es am Donnerstagabend beim Stammtisch der Bürgerinitiative Schatzboden im Saal der Gaststätte „Zur Quelle“ in Eckartshausen zu einem Disput zwischen BI-Anhängern und Vertretern der SPD aus Limeshain.

Von Jan-Otto WeberAuslöser für den aktuellen Streit ist eine „gutachterliche Stellungnahme zu Oberbodenanalysen“ des Hagener Ingenieurbüros Mull und Partner (MundP) im Auftrag des Groß‧investors Dietz AG. Demnach hat MundP auf Eckartshäuser Gemarkung Ackerflächen auf Rückstände von Pflanzenschutzmitteln beprobt. Die Flächen liegen im potenziellen Erweiterungsgebiet des Gewerbeareals.

Das Ergebnis von MundP: „Die Resultate zeigen aus fachgutachterlicher Sicht unterschiedliche zum Teil deutlich erhöhte Gehalte im Oberboden an, die auf erhebliche Rückstände an Pflanzenschutzmitteln im Oberboden unter anderem im Einzugsgebiet der Trinkwasserschutzzone hinweisen.“ Genannt wird in der Stellungnahme der Stoff Terbuthylazin, ein zugelassenes Pflanzenschutzmittel. „Aufgrund der Lage in einer Trinkwasserschutzzone sollten daher mit den beteiligten Behörden Abstimmungen getroffen werden“, so die Empfehlung von MundP.

Entwarnung vom Sachbearbeiter

Um es vorwegzunehmen: Inzwischen hat der zuständige Sachbearbeiter beim Pflanzenschutzdienst des Regierungspräsidiums Gießen Entwarnung gegeben. „Geht man von unseren Probenahmen und den dabei festgestellten Gehalten aus, so stellt sich der im Gutachten dokumentierte Wert von 3,6 Mikrogramm pro Liter Terbuthylazin als Nachweis einer regulären zugelassenen Anwendung dar und ist nach meiner Auffassung im belebten Oberboden nicht zu beanstanden.“

Dennoch hat die „gutachterliche Stellungnahme“ des Büros MundP hohe Wellen geschlagen. Hammersbachs Bürgermeister Michael Göllner (SPD) hatte bereits in der Septembersitzung die Gemeindevertreter über die Ergebnisse in Kenntnis gesetzt und das Papier auf Nachfrage auch an die SPD Limeshain sowie an einen der betroffenen Landwirte weitergegeben, wie er unserer Zeitung am Donnerstag sagte. „Ich betreibe in dem Gebiet eine Trinkwasserversorgung“, erklärte Göllner. „Man stelle sich vor, es hätte eine Gefahr bestanden und ich hätte niemanden darüber informiert. Ich wollte bei dem Thema Transparenz walten lassen.“

Die SPD-Fraktion der am Gewerbegebiet beteiligten Gemeinde Limeshain interpretierte das Papier jedoch auf ihre eigene Weise. In einem Flugblatt schrieb sie, dass im Erweiterungsgebiet „der Grenzwert für die Belastung mit Pestiziden um 1800 Prozent überschritten wird“. Die Schlussfolgerung der Fraktion: „Das bedeutet, dass landwirtschaftliche Nutzung ausgeschlossen ist; gewerbliche Bebauung ist zulässig und löst das Problem.“Die SPD-Fraktion bezieht sich dabei auf die Stellungnahme von MundP. Darin steht: „Gegebenenfalls ist aus diesen Ergebnissen die Beseitigung der belasteten Oberböden oder auch die Sicherung, zum Beispiel durch Bauwerke als Folge abzuleiten.“

"SPD will Boden retten"

Für Dr. Werner Neumann, Vorsitzender des BUND Altenstand, ist dies Realsatire: „Die SPD will also den Boden retten, indem sie Beton drüber schüttet. Das ist wirklich bodenlos.“ Auch das Gutachten von MundP nahm Neumann am Donnerstagabend beim Stammtisch der BI auseinander. „Bei der ganzen Sache wurden weder fachliche Regeln beachtet, noch politische Vernunft walten lassen“, so sein Fazit.

Inzwischen haben die betroffenen Landwirte zu ihrer Ehrenrettung ein eigenes Gutachten beim Sachverständigenbüro Joachim Schnabel in Wöllstadt in Auftrag gegeben. Wie auch das RP Gießen kommt die Untersuchung zu dem Schluss, dass „keinerlei Verstoß der beiden Betriebe gegen das Pflanzenschutzgesetz nachweisbar“ ist. „Eine weitere landwirtschaftliche Bewirtschaftung der beprobten Flurstücke ist aufgrund der nachgewiesenen Wirkstoffe unproblematisch.“

Quelle: Hanauer Anzeiger

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