Arbeitsagentur ist skeptisch

Logistikjobs als Ladenhüter? Stellen im Gewerbegebiet Limes bleiben jetzt schon unbesetzt

Die Mitarbeiter-Parkplätze bei ID Logistics im interkommunalen Gewerbegebiet Limes sind gut belegt. Logistikmitarbeiter sind derzeit gesucht.
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Die Mitarbeiter-Parkplätze bei ID Logistics im interkommunalen Gewerbegebiet Limes sind gut belegt. Logistikmitarbeiter sind derzeit gesucht.

Hammersbach – Es ist eine Frage, die den Verantwortlichen für die Entwicklung des interkommunalen Gewerbegebiets Limes bei jeder großen Neuansiedlung gestellt wird: Wie viele Arbeitsplätze sind zu erwarten?

Denn neben dem einmaligen Verkaufserlös für die Flächen, die sich bislang größtenteils der Investor Dietz AG aus Bensheim gesichert hat, den Grundsteuereinnahmen und den anteiligen Gewerbesteuereinnahmen für die Kommunen, ist ein immer wieder vorgebrachtes Argument für die Entwicklung des Gewerbegebiets die Sicherung von Arbeitsplätzen für die Menschen in der Region.

Auch bei der kürzlich verkündeten „Top-Ansiedelung“ der Hager Group betonte der Zweckverbandsvorsitzende Michael Göllner, dass es sich um einen Mittelständler handele, der in Deutschland produziere und viele Mitarbeiter habe. „Wir erwarten rund 200 Arbeitsplätze“, sagte Lothar Klemm, Aufsichtsratsvorsitzender beim Investor Dietz AG.

Hammersbach: Vage Aussagen zu Arbeitsplätzen

Die Hager Group selbst, die in Hammersbach für zunächst zehn Jahre eine 40 000 Quadratmeter große Lagerhalle von der Dietz AG mieten wird, teilte noch am gleichen Tag auf HA-Anfrage mit: „Wir können zu der Anzahl der Arbeitsplätze, die vor Ort geschaffen werden, genau wie zu den damit verbundenen Tätigkeiten zum jetzigen Zeitpunkt leider keine Aussage treffen. Es ist zu früh, um über konkrete Auswirkungen zu sprechen.“

Ebenso vage blieben die Aussagen, als im Juli das amerikanische E-Commerce-Unternehmen Wayfair als „Zwischenmieter“ für den zweiten Bauabschnitt vorgestellt wurde. „Wir werden den Standort langfristig halten und dafür sorgen, dass wir auch für die Kommunen vernünftige und zukunftsorientierte Mieter bekommen, die Arbeitsplätze schaffen“, sagte Klemm im Sommer. Und Göllner erklärte: „Dietz hat bisher alle Zusagen gehalten. Oder eben keine Zusagen gemacht.“ Der Zweckverbandsvorsitzende betonte auch jetzt wieder, wie wichtig es gerade in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten sei, Arbeitsplätze in der Region zu schaffen, und nannte beispielhaft die Stellenverluste bei Veritas in Gelnhausen oder Conti in Karben.

Jedenfalls scheinen beim seit Sommer 2019 in Betrieb befindlichen „Ankermieter“ ID Logistics die „bis zu 500“ angekündigten Arbeitsplätze erfüllt zu werden. Zumindest deuten die dauerhaften Stellenanzeigen im Internet darauf hin, dass der französische Kontraktlogistiker nach wie vor auf der Suche nach Arbeitskräften ist. Die Bürgerinitiative Schatzboden kritisiert deshalb, dass die Schaffung neuer Stellen in diesem Sektor so dringend ja nicht sein könne, wenn es gar nicht genug Bewerber gebe. Hinzu kommt, dass nicht nur ID Logistics Arbeitskräfte in der Branche sucht. Auch Aldi Süd und die Deutsche Post DHL Group werben für ihre Standorte in Langenselbold und Florstadt, nur wenige Kilometer weiter entlang der Autobahn 45.

Arbeitsagentur bestätigt: Zahlreiche offene Stellen in der Region

Eine aktuelle Anfrage unserer Zeitung bei der Agentur für Arbeit in Hanau bestätigt: In der Region seien 137 offene Stellen in dem Segment gemeldet. „In der Wetterau gibt es nach Angaben des Arbeitgeber-Service rund 100 offene Stellen in den Branchen Lagerei, Spedition, Abfüllen und Verpacken“, so die Auskunft der Behörde. Es handele sich um die Berufsgruppen Berufskraftfahrer, Disponent, Helfer Lager, Fachkraft Lager und Kommissionierer.

Allein für Hammersbach seien dem Hanauer Arbeitgeber-Service 27 offene Stellen gemeldet. „Hierbei handelt es sich ausschließlich um Zeitarbeitsunternehmen“, so die Agentur für Arbeit, „zwei Fachlageristen, acht Gabelstaplerfahrer, sechs Helfer Lagerwirtschaft/Transport, zehn Kommissionierer, zehn Lager/Transportarbeiter.“

Anteil der ungelernten Kräfte ist hoch

Der Anteil der ungelernten Kräfte „dürfte zwischen 40 und 60 Prozent der gesamten Mitarbeiter liegen“, so die Agentur mit Blick auf die Frage, ob die offenen Stellen ohne Weiteres auch mit Arbeitssuchenden aus anderen Fachgebieten zu besetzen seien. „Qualifizierungen für den Lagerbereich werden angeboten“, erklärt die Arbeitsagentur, „allerdings sind sie in unseren Augen nicht mehr ganz so zielführend wie noch vor fünf Jahren, da die Robotik und Digitalisierung in den Logistikzentren immer mehr zunimmt und aufgrund von Corona noch beschleunigt wurde.“

Zumindest in puncto Arbeitsplätzen bietet die Logistik also längerfristig keine vielversprechende Perspektive. Keine gute Nachricht für die drei beteiligten Kommunen Hammersbach, Limeshain und Büdingen. Denn nach Aussage des Zweckverbandsvorsitzenden Göllner richtet sich der Anteil der Kommunen an der Gewerbesteuer nach den Löhnen der beschäftigten Mitarbeiter.

Osterweiterung in Hammersbach: Gewerbepark könnte entstehen

Auch im Zweckverbandsvorstand scheint man sich darüber Gedanken zu machen. Denn Göllner sagte anlässlich der Vorstellung der Hager Group zur geplanten Osterweiterung: „Wir wollen dort kleinteiliger vermarkten und eventuell einen Gewerbepark entwickeln. Denn im Gegensatz zur Startphase ist die Nachfrage nach solchen Grundstücken inzwischen deutlich gestiegen.“

Selbst Dietz-Aufsichtsrat Klemm pflichtete bei: „Wir würden gern weiter eine Rolle spielen. Man kann sich darüber Gedanken machen, dass man größere und kleinere Einheiten plant. Wir werden aber keine 1000-Quadratmeter-Hallen bauen.“

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