Nach Unfall A66

Main-Kinzig-Kreis: Ein Geistesblitz von Alina Hüttner aus Hammersbach hat Ersthelfer und Unfallopfer vereint

Vor vier Wochen kannten sie sich noch nicht: Hasret Ötzkar (im Rollstuhl) aus Büdingen, die bei einem Unfall am 1. Juni auf der A66 schwer verletzt wurde, mit drei ihrer Ersthelfer Alina Hüttner (von links), Michelle Okrusch und Christian Slowik.
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Vor vier Wochen kannten sie sich noch nicht: Hasret Ötzkar (im Rollstuhl) aus Büdingen, die bei einem Unfall am 1. Juni auf der A66 schwer verletzt wurde, mit drei ihrer Ersthelfer Alina Hüttner (von links), Michelle Okrusch und Christian Slowik.

Vier junge Menschen lächeln in die Kamera. Die Frau im Rollstuhl hält einen Blumenstrauß in den Händen. Ihr Bein ist bandagiert und mit großen Pflastern versorgt. Ein Krankenhausbesuch unter Freunden.

Region Hanau – Bis vor vier Wochen kannten sich die jungen Leute noch nicht. Ein Schicksalsschlag am 1. Juni hat sie für immer miteinander verbunden: der Unfall auf der A66 zwischen Langenselbolder Dreieck und Hanauer Kreuz, bei dem ein Mann starb und fünf Menschen verletzt wurden.

Eine der Verletzten ist die Frau auf dem Foto, Hasret Ötzkar. Sie wurde nach dem Unfall mit dem Rettungshubschrauber in eine Frankfurter Klinik geflogen. Dass sie nicht lebensbedrohlich verletzt wurde, hat sie den Ersthelfern zu verdanken, die sie an jenem Morgen aus der Gefahrenzone brachten, nachdem sie selbst mit einem gebrochenen Bein aus dem Fenster ihres Autos geklettert war.

Kurz vor Explosion aus Gefahrenzone gebracht

„Fabian kam mir als Erster entgegengelaufen und hat mich versorgt“, erinnert sich Hasret Ötzkar noch genau an die Minuten bis zum Eintreffen der Rettungskräfte. „Er und die anderen haben mich dann noch ein Stück weiter weggetragen. Kurz darauf explodierte hinter uns eines der Unfallautos. Allein hätte ich es mit meinem Bein vielleicht nicht aus der Gefahrenzone geschafft.“

Hasret und ihre Familie sind den Ersthelfern unendlich dankbar für ihr selbstloses und beherztes Eingreifen. Doch dass sie nach diesem für sie alle so einschneidenden Erlebnis überhaupt noch Kontakt zueinander haben, ist der Geistesgegenwart von Alina Hüttner aus Hammersbach zu verdanken. Sie hatte sich um die 31-Jährige gekümmert, bis sie von den Rettungskräften übernommen wurde. Als gelernte Krankenpflegehelferin wusste sie, dass sie später aus Datenschutzgründen vermutlich keine Informationen über den Verbleib der Verletzten bekommen würden.

„Als sie mich in den Helikopter gebracht haben, hat Alina mir meine Apple-Watch vom Arm genommen, weil sie wusste, dass wir uns sonst vielleicht nie wieder sehen würden“, schildert Hasret Ötzkar. „Auf der Uhr hat sie die Nummer meines Vaters gefunden und ihn angerufen.“

Kontakt zu anderen Beteiligten hilft jungen Leuten bei der Verarbeitung

Inzwischen haben sich noch weitere Unfallbeteiligte über Soziale Medien und die Berichterstattung unserer Zeitung zusammengetan. Gemeinsam fällt es den jungen Menschen leichter, die Erlebnisse des 1. Juni zu verarbeiten. Bei dem Krankenhausbesuch soll es nicht bleiben. „Mein Vater will für alle ein Grillfest organisieren, wenn ich aus dem Krankenhaus entlassen bin“, sagt Hasret Ötzkar.

Allerdings wird sie noch einige Wochen an den Rollstuhl gebunden sein. Immerhin: Nach einer vierstündigen Operation machen die Ärzte ihr Hoffnung, dass ihr Bein wieder gesund wird. „Irgendwann kommt man damit klar“, sagt die junge Frau. „Vielleicht wird aus unserem Schicksal ja eine richtige Freundschaft.“

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