1. Startseite
  2. Region
  3. Main-Kinzig-Kreis
  4. Hammersbach

Michael Göllner ist seit 18 Jahren Bürgermeister in Hammersbach

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Jan-Otto Weber

Kommentare

An seinem Lieblingsplatz erklärt der Kandidat der Sozialdemokraten im Gespräch mit HA-Redakteur Jan-Otto Weber, was ihn erdet und was ihn antreibt.
An seinem Lieblingsplatz erklärt der Kandidat der Sozialdemokraten im Gespräch mit HA-Redakteur Jan-Otto Weber, was ihn erdet und was ihn antreibt. © Mike Bender

Es ist heiß, an diesem Tag, ungewöhnlich für Mai. Doch das Wetter passt zu dem Gefühl, das Michael Göllner an diesem Ort empfindet, den er für das Treffen vorgeschlagen hat.

Hammersbach – „Wenn ich hier sitze und ins Feld und auf den Wald schaue, dann ist das für mich wie Urlaub“, sagt der 53-Jährige. „Hier trainiere ich meinen Hund. Auf der Kanzel dort hinten habe ich meine ersten zwei Rehböcke geschossen, als ich wieder in die Jagd eingestiegen bin.“ Die rustikale Ruhebank steht am Rand des Feldwegs unterhalb des Klosterkopfs in Langen-Bergheim, nahe dem Gelände des Vereins Naturprojekte Mensch und Tier. Von der nahen Autobahn dringt das Rauschen des Verkehrs herüber.

Naturverbunden war Michael Göllner schon immer. Als Jugendlicher habe er in seinem Heimatort Eichen oft auf einem landwirtschaftlichen Betrieb mitgeholfen. „Der Michi, der ist bodenständig“, habe er damals schon zu hören bekommen. Er war fest verwurzelt, spielte wie sein älterer Bruder Fußball beim KSV, war Jugendbetreuer. Bis er einen Kreuzbandriss erlitt. Ein Ereignis, das seinen Lebensweg beeinflusste.

Kreuzbandriss läutet politischen Werdegang ein

„Wenn ich mich nicht verletzt hätte, wäre ich heute wahrscheinlich nicht Bürgermeister“, meint Göllner. „Denn dann hätte ich bestimmt nicht für die Nidderauer Stadtverordnetenversammlung kandidiert, sondern wäre weiter im Fußball aktiv geblieben. Am Ende ist alles gut, bis auf die Schmerzen, die ich heute noch ab und zu im Knie spüre.“

Für sein politisches Interesse habe es keinen besonderen Auslöser gegeben, so Göllner. Zwar sei einer seiner Ururgroßväter im Sudetenland Bürgermeister gewesen, als politisch vorbelastet würde er sich allerdings nicht sehen. „Wir haben zuhause schon über Politik diskutiert, aber meine Eltern waren nicht in einer Partei. Ich selbst schwankte damals zwischen den Grünen und der SPD.“ Der Eicher Otfried Betz, von 1991 bis 1997 Bürgermeister von Nidderau, und Urgestein Oswald Schmitt hätten damals einen gewissen Einfluss auf ihn gehabt, weshalb er sich 1989 schließlich für die SPD entschieden habe. „Die Partei stand für mich immer schon für Soziales, auch Naturschutz, und für Modernität.“

1997 wurde Michael Göllner in die Nidderauer Stadtverordnetenversammlung gewählt. Im Jahr 2000 rückte er als ehrenamtlicher Stadtrat in den Magistrat nach. Inzwischen hatte er an der Hochschule Weihenstephan im bayerischen Freising Forstwirtschaft studiert, was ihm aufgrund seiner Heimatverbundenheit nicht leicht gefallen sei. Dass er dann aber doch nicht Förster wurde, sondern eine Stelle in der Hammersbacher Gemeindeverwaltung antrat, lag in einem weiteren schicksalhaften Ereignis begründet.

Landesreform verhindert Anstellung als Förster

„Damals kam es zu einer Reform durch die Landesforstverwaltung“, erklärt Göllner. „Heute können sich junge Forstleute ihr Revier aussuchen. Das ist beneidenswert. Auch zu meiner Zeit hieß es zunächst, dass man mit dem Vordiplom auch ein Revier sicher hätte. Doch dann wurden Reviere zusammengelegt, um Stellen einzusparen. Meine Studiengeneration hatte das Nachsehen.“

Immerhin: In Hammersbach ist Göllner unter Bürgermeisterin Helga Meininger auch für land- und forstwirtschaftliche Angelegenheiten zuständig. Zudem ist er Ansprechpartner für den Bauhof, macht die Pressearbeit im Rathaus und setzt die Agenda 21 vor Ort um.

„Für Hammersbach darf es keinen Stillstand geben“, sagt Bürgermeister Michael Göllner.
„Für Hammersbach darf es keinen Stillstand geben“, sagt Bürgermeister Michael Göllner. © Mike Bender

Im Frühsommer 2004 wird Helga Meininger von einer überwunden geglaubten Krankheit eingeholt. Sie scheidet zum 30. Juni aus dem Amt. Eine Kommission des Parteivorstandes schlägt Michael Göllner für die Nachfolge vor. Die SPD-Mitglieder folgen dem Vorschlag, auch Meininger unterstützt ihren Büroleiter. Mit 58,32 Prozent der Stimmen setzt sich der damals 35-Jährige im Oktober 2004 gegen CDU-Bewerber Andreas Dietzel durch.

Sechs Jahre später behauptet sich Göllner mit 73,9 Prozent gegen CDU-Kandidat Achim Wächtler, der damals Hauptamtsleiter in Bruchköbel ist. 2016 verzichtet die CDU auf einen eigenen Kandidaten, für eine dritte Amtszeit Göllners stimmen knapp 80 Prozent der Wähler.

Wohnen ist das „Mega-Thema“

Mit CDU-Fraktionschef Alexander Kovacsek gibt es diesmal wieder einen Gegenkandidaten. Zur Kommunalwahl 2021 lösten CDU und Grüne die absolute Mehrheit der SPD nach 32 Jahren ab, haben seither eine Stimme mehr im Gemeindeparlament. Was passiert, wenn er nicht wiedergewählt wird? „Damit beschäftige ich mich nicht“, so die klare Antwort des Amtsinhabers.

Mittlerweile leben Michael Göllner und seine Frau Tanja seit 17 Jahren in der Gemeinde, zunächst in Marköbel, seit 2007 im neu gebauten Haus in Langen-Bergheim. Seine drei Töchter im Alter von 21, 16 und 12 Jahren sind hier aufgewachsen.

Damals, erklärt er, habe die Gemeinde noch händeringend bauwillige Familien und auch Gewerbetreibende gesucht. Den Landkommunen wurden sinkende Kinderzahlen prognostiziert. „Das hat sich in den letzten Jahren rasant gewandelt“, so der Bürgermeister. „Wohnen ist das Mega-Thema, das wir unbedingt angehen müssen.“

Nach den Jahren im Dorferneuerungsprogramm des Landes, kann die Gemeinde nun endlich wieder Neubaugebiete ausweisen. Der erste Bauabschnitt „Auf der großen Burg“ an der Römerstraße in Marköbel ist auf dem Verfahrensweg. Die SPD und auch er würden das Gebiet gern noch erweitern, das sei den Leuten schon seit Jahrzehnten versprochen worden. „Wir wollen, dass der Ortsteil Marköbel durch den Zuzug junger Familien belebt und gestärkt wird“, so Göllner. „Das Thema Verkehrsinfrastruktur, das gern als Gegenargument gebracht wird, wurde im Rahmen der Machbarkeitsstudie zu dem Gebiet untersucht. Aber eine Veröffentlichung der Studie ist ja nicht gewünscht.“

Tatsächlich will die schwarz-grüne Koalition eine weitere Machbarkeitsstudie zum Lückenschluss zwischen den Ortsteilen am Köbler Weg abwarten, wo Kinderbetreuungseinrichtungen, die Grundschule, das Sportgelände und das Rathaus nicht weit sind. „Dieses Baugebiet wurde vor 25 Jahren abgelehnt, wegen der Klimafunktion der jetzigen Schneise in der Bebauung. Zudem hatte man sich bewusst für eine Trennung der Ortsteile und gegen einen Siedlungsbrei entschieden“, erklärt Göllner. „Das kann man hin und her argumentieren, jedenfalls ist das Gelände nicht im Flächennutzungsplan angemeldet. Eine Entwicklung würde Jahre dauern.“

Regionales Netzwerk stärkt ihm den Rücken

Mit Regionalentwicklung kennt sich Michael Göllner aus. Neben zahlreichen Ehrenämtern in Vereinen und Verbänden ist er seit 2010 Abgeordneter im Kreistag, er ist Mitglied im Vorstand des Regionalverbandes Frankfurt/Rhein-Main und Mitglied der Regionalversammlung des Regierungsbezirkes Darmstadt. „Diese Mitgliedschaften bedeuten Einfluss der Gemeinde Hammersbach in den jeweiligen Gremien“, sagt Göllner.

Sein Netzwerk stärkt ihm auch bei der Entwicklung des Interkommunalen Gewerbegebiets Limes den Rücken. „Ich finde es nach wie vor richtig und wichtig, Gewerbegebiete an der Autobahn zu entwickeln, das sagt ja auch die grüne Landesplanung“, erklärt Göllner, der auch Vorsitzender des Zweckverbands ist. „Natürlich kann man sich darüber unterhalten, wie man das macht. Als es seinerzeit in der Zweckverbandsversammlung um den Bau der Logistikhallen ging, hat man sich beispielsweise dagegen entschieden, Photovoltaik vorzuschreiben. Das wurde als Investitionshindernis gesehen.“

Manchmal, sagt Göllner nachdenklich, stellten sich die Dinge in der Rückschau eben anders da, als aus dem Moment mit seinen jeweiligen Erfordernissen heraus. „Früher glaubte man an grenzenloses Wachstum. Heute ist klar, wir müssen verdichteter bauen, müssen uns von manchen Vorstellungen trennen, die früher galten.“

Appell an Unternehmen im Gewerbegebiet Limes

Dennoch dürfe es keinen Stillstand geben. Das gelte auch für das Gewerbegebiet. Am Dienstag feiert die Dietz AG dort Richtfest für die dritte umstrittene Logistikhalle. „Die Hager Group, die die Halle mieten wird, setzt darauf. Es gibt Verträge, die erfüllt werden müssen, und ein rechtskräftiges Bauverfahren. Da kann man nicht einfach sagen, wir warten jetzt erst mal die juristische Überprüfung ab.“ Aber er wolle die Gelegenheit beim Richtfest nutzen, eine Botschaft an alle Beteiligten zu senden, auch an die Unternehmen. „Denn die Verlässlichkeit, die die Politik beweist, muss auch für die Arbeitgeber gelten, damit sie mit ihren Mitarbeitern ordentlich umgehen und faire Löhne zahlen.“

Erneut wird zu dieser Mittagsstunde das Gespräch auf der rustikalen Holzbank unterbrochen. Ob Fachsimpeleien mit Spaziergängern über Hunderassen oder ein Plausch mit vorbeifahrenden Jagdgenossen, die im Wald einen Arbeitseinsatz absolvieren – in diesen Momenten ist Michael Göllner echt. Ein Attribut, das ein Mitglied seines Teams benannt hat, um die Eigenschaften des Amtsinhabers im Wahlkampf auf den Punkt zu bringen. Strategisch. Standhaft – auch wenn ihm der Wind ins Gesicht bläst. Ruhig – auch wenn er angegriffen wird. Den Menschen zugewandt. „So beschreiben mich meine Leute“, erzählt der Bürgermeister. Und so zeigen ihn auch die Wahlplakate in verschiedenen Situationen, von privat bis offiziell. Immer mit dem Attribut „echt“.

„Ich spiele keine Rolle“, sagt Michael Göllner. „Wenn jemand ein Fragezeichen oder ein Ausrufezeichen hinter das ‘echt’ setzen möchte, dann soll er es tun.“ (Von Jan-Otto Weber)

Portraits, Positionen, Podiumsdiskussion

Am 12. Juni sind 3988 Hammersbacher Wahlberechtigte aufgerufen, darüber abzustimmen, wer in den kommenden sechs Jahren die Geschicke im Rathaus am Köbler Weg lenken soll. Die beiden Bewerber – Amtsinhaber Michael Göllner (SPD) und CDU-Fraktionsvorsitzender Alexander Kovacsek – stecken mitten im Wahlkampf. Der HA stellt Ihnen, liebe Leser, heute den Kandidaten der Sozialdemokraten vor, Amtsinhaber Michael Göllner. Am Dienstag erschien das Porträt von CDU-Kandidat Alexander Kovacsek (online unter www.hanauer.de). Die Positionen der Kandidaten zu den wichtigsten Themen der Gemeinde werden wir in der kommenden Woche gegenüberstellen. Wer sich die Bewerber vor der Wahl noch einmal live im direkten Vergleich anschauen möchte, kann dies am Donnerstag, 2. Juni, ab 19.30 Uhr im Bürgertreff Langen-Bergheim tun. Bei der HA-Podiumsdiskussion stehen Göllner und Kovacsek Rede und Antwort. Bürger haben zudem die Möglichkeit, eigene Fragen an die Kandidaten zu stellen. Schicken Sie uns einfach eine E-Mail an hammersbach@hanauer.de. Wir freuen uns auf die Diskussionsrunde. (bac)

Auch interessant

Kommentare