Sicherheit

Mit den Bürgern an einem Strang ziehen: Hammersbach nimmt an Präventions-Programm KOMPASS teil

Als bislang kleinste Kommune im Präsidiumsbezirk nimmt Hammersbach seit Montag am KOMPASS-Programm teil (von links): Haupt- und Ordnungsamtsleiterin Sandra Schutt, Bürgermeister Michael Göllner (SPD), Jürgen Schmatz, Leiter des Stabsbereichs Prävention im Polizeipräsidium Südosthessen, Polizeihauptkommissar Helmfried Deller, stellvertretender Dienststellenleiter Polizeistation Hanau II (Land), und Leitender Polizeidirektor Jürgen Fehler.
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Als bislang kleinste Kommune im Präsidiumsbezirk nimmt Hammersbach seit Montag am KOMPASS-Programm teil (von links): Haupt- und Ordnungsamtsleiterin Sandra Schutt, Bürgermeister Michael Göllner (SPD), Jürgen Schmatz, Leiter des Stabsbereichs Prävention im Polizeipräsidium Südosthessen, Polizeihauptkommissar Helmfried Deller, stellvertretender Dienststellenleiter Polizeistation Hanau II (Land), und Leitender Polizeidirektor Jürgen Fehler.

Am Montag startete Hammersbach in das Präventions-Programm KOMPASS. Mit Hilfe einer Bürgerbefragung soll geklärt werden, in welchen Bereichen sich die Bürger unsicher fühlen.

Hammersbach – Ein Mädchen wird auf dem Spielplatz von einem fremden Mann angesprochen. Die Mutter schlägt Alarm, als sie davon erfährt, allerdings nicht bei der Polizei, sondern zuerst auf einer Internetplattform. Die Nachricht geht „viral“, verbreitet sich rasend schnell. Noch bevor die Behörden davon in Kenntnis gesetzt werden, häufen sich die Kommentare im Internet, dass die Polizei ja sowieso nichts unternehmen würde. Als die Ermittler sich schließlich des Falls annehmen – übrigens unmittelbar, nachdem sie informiert wurden –, entpuppt sich der Sachverhalt als wesentlich harmloser, als er durch die Dynamik der sozialen Netzwerke verbreitet wurde.

Der Vorfall, wie er sich vor einiger Zeit ähnlich in Hammersbach ereignete, zeigt: Mangelhafte Kommunikation, Missverständnisse, fehlendes Vertrauen in die Behörden sind oft die Ursachen für ein subjektives Gefühl von Unsicherheit in der Bevölkerung. „Dieses Gefühl manifestiert sich darin, ob und wie etwas in die Öffentlichkeit dringt“, stellte Bürgermeister Michael Göllner (SPD) am Montag im Rathaus zum Start der Gemeinde ins Präventions-Programm KOMPASS fest. Deshalb habe sich der Gemeindevorstand nach anfänglicher Skepsis auch für eine Teilnahme entschieden. Denn ein wesentlicher Bestandteil von KOMPASS ist, über eine Bürgerbefragung festzustellen, wo die Menschen vor Ort der Schuh drückt und was man dagegen tun kann.

Hammersbach liegt bei der Anzahl der erfassten Delikte im Mittelfeld des Main-Kinzig-Kreises

Was die Zahl an erfassten Delikten pro Einwohner angeht, liege Hammersbach etwa im Mittelfeld der Kommunen im Main-Kinzig-Kreis, der wiederum deutlich unter dem hessischen Durchschnitt liege, berichtete der Leitende Polizeidirektor des Polizeipräsidiums Südosthessen Jürgen Fehler am Montag. „Wir leben in einer sicheren Region“, betonte Fehler. Dennoch könnten Straftaten wie Wohnungseinbrüche, von denen es 2019 zehn Stück in Hammersbach gegeben habe, das Sicherheitsempfinden der Menschen stark beeinträchtigen.

„Gerade Kommunen an der Autobahn werden aufgrund der Fluchtmöglichkeit oft von Einbrechern heimgesucht“, erläuterte Jürgen Schmatz, Leiter des Stabsbereichs Prävention im Polizeipräsidium Südosthessen. „Die Zahlen in diesem Bereich sind jedoch deutlich zurückgegangen. Das ist auch unseren Präventions- und Beratungsangeboten zu verdanken.“

Insgesamt sei Kriminalität in Hammersbach jedoch kein Schwerpunkt. Dafür wolle man das Augenmerk eher auf die Verkehrssicherheit legen. „Die Zahl der Unfälle ist im Zehnjahresvergleich steigend“, erklärte Fehler. Im vergangenen Jahr sei sogar ein Motorradfahrer am Kreisel am Gewerbegebiet Limes tödlich verunglückt.

Hammersbach: Autobahnauffahrten und Tankstelle als Gefahrenpunkt

Ein weiterer Gefahrenpunkt sei der Bereich an den Autobahnauffahrten und der dortigen Tankstelle, sagte Bürgermeister Göllner. Die Gemeinde setze sich zudem seit Längerem für Fußgängerüberwege an den Ortsdurchfahrten von Marköbel und Langen-Bergheim ein. Bislang scheiterten die Bemühungen an den Verkehrszahlen, nach denen sich die für die Landesstraße zuständige Behörde Hessen Mobil richte.

Immerhin wird auch in Hammersbach bald wieder geblitzt werden, nachdem ein Gerichtsurteil die Vergabe der Verkehrsüberwachung an private Dienstleiter untersagt hat. Hierauf hatte die Gemeinde mit der Einrichtung eines gemeinsamen Ordnungsbehördenbezirks mit den Kommunen Limeshain, Ronneburg und Niederdorfelden reagiert.

Präventionsprojekte gibt es vor Ort bislang keine. Dennoch haben Göllner und seine Verwaltungsmitarbeiter auch hier bereits mögliche Handlungsfelder ausgemacht. So könnten auch in Hammersbach Leon-Hilfeinseln eingerichtet werden, die eine Anlaufstelle für hilfesuchende Kinder bieten. Die Zusammenarbeit mit dem Seniorenbeirat zur Aufklärung könnte intensiviert werden, und zur Verminderung von Unfallgefahren auf dem Schulweg könnten Ideen mit den Eltern und der Schule entwickelt werden. „Schließlich ist es auch bei uns ein Ärgernis, dass in den Sommermonaten öffentliche Plätze vermüllt werden und dort öffentliches Eigentum beschädigt wird“, so der Rathauschef. „Vielleicht können wir hier eine Strategie entwickeln.“ Wichtig ist – und darin sind sich alle Beteiligten einig –, die Bürger mit ins Boot zu holen und das Vertrauen und die Kommunikation zwischen allen Beteiligten zu stärken. „Wir wollen an einem Strang ziehen“, fasste Göllner zusammen.

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