Wirtschaft

US-Online-Händler zieht an den Limes nach Hammersbach

Die zweite Logistikhalle im Interkommunalen Gewerbegebiet Limes.
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Die zweite Logistikhalle im Interkommunalen Gewerbegebiet Limes geht im August in Betrieb. Als Mieter hat der Investor Dietz AG am Dienstag das US-amerikanische E-Commerce-Unternehmen Wayfair bekannt gegeben.

Der Mieter des zweiten Bauabschnitts des Gewerbegebiet am Limes ist gefunden. Ein US-Online-Händler möchte vorerst nach Hammersbach.

Hammersbach – Wandel ist das Wort der Stunde. Der Wandel im Handel etwa, der durch die Corona-Pandemie den ohnehin seit Jahren zunehmenden Trend hin zum Internetversand dramatisch beschleunigt hat. „Der Umsatz im Online-Handel ist im Zeitraum April bis Juni um 16,5 Prozent gestiegen“, referiert Lothar Klemm, Aufsichtsratsvorsitzender der Bensheimer Dietz AG, am Dienstag im Hammersbacher Rathaus. 41 Prozent der 18- bis 29-Jährigen würden schon jetzt einmal pro Woche online einkaufen. Der Wandel sei vergleichbar mit dem in der Stahl- oder Automobilindustrie.

Die logische Folge für den Hauptinvestor im Interkommunalen Gewerbegebiet Limes: Auch der Mieter des zweiten Bauabschnitts, einer Halle mit rund 42500 Quadratmetern, wird ein E-Commerce-Unternehmen. Es handelt sich um den US-Konzern Wayfair mit Sitz in Boston, der mit dem Versand von Möbeln und Haushaltsprodukten groß geworden ist. Das deutsche Büro ist in Berlin, in Kassel gibt es ein Warenlager. In Lich entsteht derzeit ein neues Hauptzentrum mit 95000 Quadratmetern Mietfläche. Investor: die Dietz AG aus Bensheim.

Hammerbach soll für die Kunden ein Übergangsstandort sein

„Bis der Betrieb in Lich voll läuft, haben wir unserem Kunden Hammersbach als Übergangsstandort angeboten“, erklärt Dietz-Vorstand und Architekt Markus Engelmann am Dienstag im Beisein des Zweckverbandsvorsitzenden und Hammersbacher Bürgermeisters Michael Göllner (SPD) und dessen Büdinger Amtskollegen Erich Spamer (FWG). Schon im August will Wayfair den Betrieb in Hammersbach hochfahren. Wie lange diese Zwischenvermietung dauern wird, können die Dietz-Vertreter am Dienstag nicht sagen. „Wir sprechen aber nicht nur von einem Jahr“, so Klemm.

Zufrieden mit der Entwicklung: Dietz-Vorstand und Architekt Markus Engelmann (von links), Hammersbachs Bürgermeister und Zweckverbandsvorsitzender Michael Göllner, Büdingens Bürgermeister Erich Spamer und Lothar Klemm, Aufsichtsratsvorsitzender der Dietz AG.

Als Notvermietung oder Verlegenheitsstandort wollen die Zweckverbandsvorstände und die Dietz-Vertreter das Ganze aber nicht verstanden wissen. „Hammersbach ist unser Standort“, so Klemms Bekenntnis, auch mit Blick auf die zurückliegenden Diskussionen um die Beteiligung von Finanzinvestoren. „Wir werden den Standort langfristig halten und dafür sorgen, dass wir auch für die Kommunen vernünftige und zukunftsorientierte Mieter bekommen, die Arbeitsplätze schaffen.“

Beteiligung von finanzkräftigen Partnern eröffne Dietz viele Möglichkeiten

Gerade die Beteiligung finanzkräftiger Partner ermögliche es Dietz, in Ruhe nach solchen Mietern Ausschau zu halten, da man eben nicht auf einen schnellen Rückfluss der investierten Mittel angewiesen sei. Dies sei mit inzwischen 87 Liegenschaften im Portfolio von Dietz gar nicht anders möglich.

„So wie wir zum Standort Hammersbach stehen, stehen wir auch zu unseren Kunden. Deshalb haben wir Wayfair diese Zwischenlösung angeboten“, so Klemm. Den am Gewerbegebiet beteiligten Kommunen Hammersbach, Limeshain und Büdingen wäre eine langfristige Vermietung mit einer festen Zusage an Arbeitsplätzen möglicherweise lieber gewesen. Denn in puncto Arbeitsplätze und Verkehrsaufkommen konnten die Beteiligten am Dienstag ebenfalls keine Aussage treffen. Göllner: „Dietz hat bisher alle Zusagen gehalten. Oder eben keine Zusagen gemacht.“

Langfristig jedenfalls würde sich der Aufbau solcher Kundenbeziehungen lohnen, so Klemm. Und auch um die Nachvermietung des zweiten Bauabschnitts machen sich die Bensheimer keinerlei Sorgen. „Erst heute Morgen hatte ich einen Anruf aus München mit einer konkreten Anfrage für Hammersbach“, berichtet Engelmann.

Name der Gemeinde habe sich in der Branche herumgesprochen

Der Name der kleinen Main-Kinzig-Gemeinde mit dem günstig gelegenen Autobahnanschluss habe sich seit der Ansiedlung des Ankermieters ID Logistics in der Branche herumgesprochen. Sogar für die dritte Halle, die „Westerweiterung“ zur Autobahn hin, gebe es schon Interessenten. Wobei die Genehmigung für die Erweiterung noch aussteht.

Hammersbach jedenfalls sei kein No-Name mehr, sondern ein Vorzeigestandort. Als „Log-Tech-Center Rhein-Main Ost“ soll es kein Gewerbegebiet neben vielen anderen sein, sondern die „Keimzelle für zukunftsfähige Logistik“, so Klemm.

Dass die Dietz AG auch künftig auf den Internetversand setzen wird, daran lassen die Dietz-Vertreter am Dienstag keinen Zweifel. Und Klemm beschreibt den weiteren Wandel: Die zunehmend nachgefragte Auslieferung von Waren noch am Tag der Bestellung liege jetzt schon bei 20 Prozent. „Der aktive Teil der Bevölkerung bewegt sich eindeutig in diesem Trend.“ Dies führe in der Logistikbranche zu ständigen Veränderungen. Hochautomatisierte „Log-Tech-Center“ seien die Basis für einen zukunftsfähigen Online-Handel und müssten dort sein, wo auch der Kunde ist, um dessen Bedürfnisse in kurzer Zeit befriedigen zu können.

In Hammersbach soll kein hochfrequenter Verkehr auftreten

Kommt am Ende also doch der gefürchtete hochfrequente Verkehr von Sprinter-Transportern, die den Endkunden beliefern? „Nein, nicht in Hammersbach“, versichern Klemm und Göllner am Dienstag. Hier werde es weiterhin keine Verteilzentren, sondern nur Versandlager geben, in denen die Produkte lagern, kommissioniert, verpackt und per Lkw an die Verteilzentren versandt würden. Dies gelte auch für den Bauabschnitt III.

Sprinter-Lieferungen für Endkunden und den damit verbundenen Verkehr soll es nicht geben, auch wenn Internetriesen wie Amazon ihre Waren bereits im Versandlager von ID Logistics in Hammersbach umschlagen.

Apropos. Auch da wollen die Beteiligten auf einen Wandel reagieren, an dem niemand mehr vorbei kommt: den Klimawandel. „Wir haben mit der Dietz AG bereits über Themen wie Dachbegrünung und Photovoltaik gesprochen“, berichtet der Zweckverbandsvorsitzende Göllner am Dienstag. „Die konkreten Vorgaben wird natürlich die Verbandsversammlung machen.“

Anders als noch in den ersten Genehmigungsverfahren habe sich die Welt in diesem Punkt ein Stück weit geändert, so Göllner. Damals hätten solche Auflagen noch als Investitionshindernis gegolten. „Wir sind im Verbandsvorstand willens, mit unseren Vorgaben über die gesetzlichen Anforderungen hinauszugehen.“

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