Nur die Friseure klagen über Einbußen

Handwerk zeigt sich in der Krise stabil: Auftragsbücher der meisten Unternehmen noch gut gefüllt

Wird in der Krise noch häufiger gerufen: Installateur Marcel Kapp, der im Betrieb seines Vaters Manfred Kapp in Langenselbold arbeitet.
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Wird in der Krise noch häufiger gerufen: Installateur Marcel Kapp, der im Betrieb seines Vaters Manfred Kapp in Langenselbold arbeitet.

Während viele Wirtschaftszweige wie der Einzelhandel, die Veranstaltungsbranche sowie das Hotel- und Gastronomiegewerbe in der Corona-Pandemie ums Überleben kämpfen, sieht die Lage im Handwerk wesentlich rosiger aus. Über Umsatzeinbußen klagen eigentlich nur die Friseure. „Ansonsten aber haben die meisten unserer Mitgliedsbetriebe die Auftragsbücher gut gefüllt“,erklärt Nicole Laupus, die Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Hanau auf Nachfrage.

Region Hanau – Einige Unternehmen haben sogar deutlich mehr zu tun, insbesondere im Kundendienst. Dazu gehört auch der Heizungs- und Sanitärbetrieb Kapp in Langenselbold. Vor allem Privatkunden nutzen nach Ansicht von Firmenchef Manfred Kapp die Zeit für Sanierungs- und Renovierungsarbeiten an ihren Immobilien.

Investitionen in Schutzmaßnahmen fielen für die meisten Unternehmen nicht an. „Wir kommen mit den Kunden ja meist gar nicht in Kontakt“, so Knapp. Innerbetrieblich fielen hingegen Veränderungen in der Organisation an. „Wir achten jetzt darauf, dass immer dieselben Mitarbeiter raus auf die Baustelle fahren, damit im Falle einer Coronainfektion nicht gleich der ganze Betrieb lahmgelegt wird“, so Kapp. Die Innung für Sanitär- und Heizungstechnik hat auch ein System für den Fall entwickelt, dass ein Betrieb durch eine Vielzahl von Coronafällen vorübergehend geschlossen werden müsste. „Dann würden andere einspringen und die Aufträge kurzfristig übernehmen“, so der Hammersbacher Innungsobermeister Berik Schnabl.

Frust in der Friseur-Branche ist groß

Zuversicht herrscht auch in der Elektrobranche. Man profitiere jetzt davon, dass im Main-Kinzig-Kreis bereits frühzeitig und großflächig das Breitbandnetz ausgebaut worden sei, glaubt Walter Ebert, der Obermeister der der Elektroinnung Main-Kinzig. Viele Unternehmen und private Haushalte investierten jetzt in Coronazeiten in die Digitalisierung. Die Anschlüsse seien aber nach wie vor Sache der Elektriker, weiß Ebert.

Viele Kunden haben Angst und meiden den Friseur: Die Branche klagt seit Ausbruch der zweiten Welle über deutliche Umsatzeinbußen von bis zu 30 Prozent.

Groß ist der Frust hingegen bei den Friseuren, die schon während des ersten Infektionswelle die großen Verlierer waren. Während des Lockdowns mussten die Salons bekanntlich schließen. Nachdem sich das Geschäft in den Sommermonaten wieder erholt hatte, merken die Friseure seit etwa drei Wochen wieder einen Rückgang der Umsätze um etwa 30 Prozent, so Innungsobermeister Michael Dörr. „Die Leute haben einfach Angst in die Stadt zu gehen, erledigen nur das Nötigste“, berichtet Dörr, der in Hanau drei und in Nidderau eine Filiale mit insgesamt 42 Mitarbeitern und neun Auszubildenden betreibt. Die Folge sei, dass nun viele Betriebe wieder Kurzarbeit anmelden müssten. Auch habe es bereits Entlassungen im Friseurhandwerk gegeben. An eine Verbesserung der Lage vor Weihnachten glaubt Dörr nicht: „Wir wären schon froh, wenn wir die Umsätze bis dahin auf dem jetzigen Niveau halten könnten.“

Kfz-Mechatroniker zeigen sich besonders kreativ

Auch in der Ausbildung des Nachwuchses hat das Handwerk auf die Lage reagiert. Im Berufs- und Technologiezentrum (BTZ) in Hanau , wo die Auszubildenden in den Gewerken Heizung und Sanitär, Kfz, Maler- und Lackierer sowie Elektro ihre überbetriebliche Ausbildung erhalten wurden die Kurse von vormals fünf auf drei Tage pro Lehrjahr heruntergefahren, so KH-Geschäftsführerin Laupus. Die Meisterkurse können dort hingegen nur mit Verzögerung beginnen. Weiterbildungsmaßnahmen wurden wegen der Infektionsgefahr ganz gestrichen.

Als besonders innovativ zeigen sich in der Krise die Kfz-Mechatroniker. Deren Lehrlinge werden in Hessen erstmals vollständig digital geprüft. Rund 1100 Auszubildende haben im September die Fragen der ersten Theorieprüfung an eigens ausgerüsteten und nicht mit dem Internet verbundenen Notebooks beantwortet, wie die Kfz-Innung Hessen berichtete. Im Dezember kommenden Jahres folgt neben der praktischen Prüfung der zweite Theorieteil, der ebenfalls vollständig digital organisiert werden soll. Für die zeitgleichen Gesellenprüfungen unter Corona-Bedingungen hatten die Innungen acht größere Veranstaltungsräume angemietet, darunter die Rittal Arena in Wetzlar.

Dass das Handwerk im Main-Kinzig-Kreis aufgrund der Corona-Krise grundsätzlich weniger ausbilde, glaubt Walter Ebert, der Obermeister der Elektro Innung nicht. „Solange genug Arbeit da ist, gebe es aus wirtschaftlichen Gründen keinen Anlass, in der Ausbildung zu sparen. Dass nur noch ein Drittel der Betriebe ausbilde, habe andere Gründe, so Ebert. Beispielsweise sei es viel zu kompliziert, sich wieder von einem Lehrling zu trennen, wenn die Chemie zwischen ihm und dem Ausbildungsbetrieb nicht stimme.

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