Bistum Fulda

Hanau und Großkrotzenburg werden eins: Sechs katholische Pfarreien schließen sich zusammen

Die zukünftige „Zentrale“: Die Kirche Mariae Namen in der Hanauer Innenstadt wird als Pfarrkirche der neuen katholischen Pfarrei St. Klara und Franziskus fungieren. 
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Die zukünftige „Zentrale“: Die Kirche Mariae Namen in der Hanauer Innenstadt wird als Pfarrkirche der neuen katholischen Pfarrei St. Klara und Franziskus fungieren. Archiv

Hanau und Großkrotzenburg werden eins: Was auf kommunaler Ebene bislang lediglich als Idee in der Schublade liegt, wird im Bereich der katholischen Kirche bereits zum 1. Januar 2021 Realität.

Hanau/Großkrotzenburg - Die beiden Pastoralverbünde Unsere Liebe Frau und Kirche am Fluss/St. Christopherus werden mit Beginn des neuen Kalenderjahres die neue Einheitspfarrei St. Klara und Franziskus bilden. Mit einem gemeinsamen Pfarrer, einem zentralen Pfarrbüro und gemeinsamen Ansprechpartnern.

Ziel dieser Entscheidung sei es, durch die Fusion Synergien zu schaffen, sagen die Verantwortlichen. Aber natürlich ist sie auch den finanziellen und personellen Entwicklungen in der Institution Kirche geschuldet.

Basis der Neuordnungen im Bistum Fulda sind die 2017 von Altbischof Heinz Josef Algermissen veröffentlichten und vom jetzigen Bischof Dr. Michael Gerber fortgeführten strategischen Ziele. Unter dem Motto „zusammen wachsen“ soll bis zum Jahr 2030 der Veränderungsprozess in der Diözese abgeschlossen sein.

Immer weniger Pfarrer: Zusammenlegungen erforderlich

Veränderung, das heißt in erster Linie Zusammenlegung – weil Kirche weniger wird: Die Zahl der Männer, die den Beruf des Pfarrers wählen, sinkt. Auch andere hauptamtliche Stellen können oft nicht mehr besetzt werden, ebenso fehlt es verstärkt an Ehrenamtlichen. Weniger Menschen gehen regelmäßig in den Gottesdienst, das Bild des Pfarrers vor fast leeren Kirchenbänken war auch schon vor den coronabedingten Abstandsregelungen in den Gotteshäusern der Republik keine Seltenheit.

Hinzu kommen zurückgehende Mitgliederzahlen, sei es durch den allgemeinen demografischen Wandel in der Bevölkerung oder durch Kirchenaustritte. Zwar verfügen die großen Kirchen, evangelische wie katholische, oft noch über Immobilien und Grundstücke, jedoch finanzieren sie sich hauptsächlich aus Kirchensteuermitteln. Einige Diözesen, wie das Bistum Mainz, stehen vor enormen finanziellen Umbrüchen, müssen Millionen Euro sparen (siehe Ausgabe vom 20. Oktober: „Tiefe Einschnitte im Bistum Mainz“).

Steuerungsgruppe koordiniert Zusammenlegung

Soweit sei man im Bistum Fulda noch nicht, man wolle aber „rechtzeitig das Heft des Handelns in die Hand nehmen“, sagen Dechant Pfarrer Andreas Weber, Gemeindereferent Maurice Radauscher und Ludwig Borowik, Vorstandsvorsitzender des Caritas-Verbandes für den Main-Kinzig-Kreis und Mitglied der Steuerungsgruppe, welche die Fusion der Kirchengemeinden gestaltet, im Gespräch mit unserer Zeitung.

Alle Entscheidungen und weiteren Pläne zu der Fusion laufen in den Händen dieser Steuerungsgruppe zusammen, in enger Abstimmung mit inhaltlichen Arbeitsgruppen, den gewählten Gremien – Pfarrgemeinderat und Verwaltungsrat – aller beteiligten Pfarreien sowie dem Bistum. Die Steuerungsgruppe besteht aus je einem ehrenamtlichen Delegierten aus jeder Pfarrei, je einem Hauptamtlichen aus jedem der beiden Pastoralverbünde, dem Generalvikar des Bistums, Christof Steinert, sowie einem externen Moderatorenduo aus dem Bistum Limburg.

Bistum Fulda will die Hälfte seiner Gebäude abgeben

Das bedeutet auch, dass alles auf den Prüfstand kommt. Langfristig wolle das Bistum Fulda etwa die Hälfte seiner Gebäude abgeben, beispielsweise nicht mehr genutzte Büros oder Gemeindehäuser. Konkret, sagen Weber, Radauscher und Borowik, gehe es in den Pfarreien in Hanau, Großauheim und Großkrotzenburg noch nicht um die Aufgabe von Standorten, auch Stelleneinsparungen seien nicht vorgesehen. Gleichwohl stelle eine Arbeitsgruppe, die AG Finanzen, eine Liste der im Besitz befindlichen Immobilien zusammen.

Als einer der ersten Schritte soll die Arbeit im Pfarrbüro effizienter werden, die Kräfte sollen gebündelt werden. So sei geplant, erläutert Gemeindereferent Radauscher, das Büro der Hanauer Stadtpfarrei Mariae Namen zum zentralen Pfarrbüro auszubauen. Bis zu vier Sekretärinnen sollen dort zukünftig arbeiten können. Die vormaligen Pfarrbüros vor Ort sollen nach jetzigem Stand als Kontaktstellen vorerst erhalten bleiben, die Öffnungszeiten würden dem jeweiligen Bedarf angepasst.

Neue Pfarrei St. Klara und Franziskus

Fünf Pfarreien werden am 1. Januar zur neuen Pfarrei St. Klara und Franziskus verschmelzen: Mariae Namen und St. Josef in Hanau, Heilig Geist im Lamboy, St. Jakobus Großauheim und St. Laurentius Großkrotzenburg. Leitender Pfarrer soll Dirk Krenzer werden. Das sechste Mitglied im Boot ist perspektivisch St. Elisabeth. Die Pfarrei in Kesselstadt wird allerdings zunächst rechtlich und finanziell eigenständig bleiben.

Die Kirchengemeinde, die laut ihrem Pfarrer Andreas Weber über eine gute und breit aufgestellte Jugendarbeit verfügt, würde „an Dynamik verlieren“, sollte sie zum Start am 1. Januar in der Großpfarrei aufgehen. Doch bereits jetzt sind die Verantwortlichen von St. Elisabeth in den Prozess der Neugründung miteinbezogen, daher werde intern auch von einer „5+1-Regelung“ gesprochen. Plan sei, so Weber, dass die Kesselstädter Gemeinde bis spätestens 2030 Teil von St. Klara und Franziskus wird.

70 Vorschläge zur Namensfindung gemacht

Bei der Suche nach einem neuen Namen gingen über 70 Vorschläge bei der AG Namensfindung ein. Drei kamen in die engere Wahl, die Beteiligten einigten sich schließlich auf den Namen St. Klara und Franziskus.

Die Kombination aus einem männlichen und weiblichen Namen sei bislang einzigartig, so Weber, Radauscher und Borowik. Franziskus habe als Papst die katholische Kirche von innen erneuert, begründen die drei die Entscheidung. Zudem gebe es durch den Namen eine Verbindung zum Franziskanergymnasium Kreuzburg in Großkrotzenburg. Und die heilige Klara von Assisi gelte unter anderem als Patronin der Goldschmiede – passend zur Goldschmiedestadt Hanau.

Neuanfang: Kirchenbücher werden geschlossen

Rechtlich gesehen wird die Stadtpfarrei Mariae Namen alle anderen Pfarreien aufnehmen. Doch es werde eine Neugründung, stellen die Beteiligten klar. Die bisherigen Kirchenbücher werden geschlossen und neue Bücher etwa für Trauungen und Taufen eröffnet.

Und natürlich soll es auch einen offiziellen Gründungsgottesdienst geben, am Sonntag, 31. Januar 2021 um 14 Uhr in Mariae Namen, mit dem Fuldaer Bischof Gerber. Ob und in welcher Form dieser Gründungsgottesdienst stattfinden kann, entscheidet allerdings wie derzeit nahezu alles das Coronavirus.

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